Was bisher geschah
Madagaskar Mai 03

Andreas Kunz


home > berichte > 10. 5. 2003
 

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Tana (April 03)

Antananarivo, die Hauptstadt von Madagaskar ist eine Stadt, die von Strassenleben und Strassenhandel fast ueberquillt. Auf den Strassen draengeln sich Autos jeder Groesse, Velos und Fussgaenger um jeden Centimeter freien Asphalt, auf den Plaetzen und Trottoirs ist der Platz eben so knapp: Strassenstaende so weit das Auge reicht, man kann einfach alles kaufen. Ebenso interessant sind die Gemuese, Kleider, Eisenwaren, Fleisch und „Hierkriegtmanallesmaerkte“. Wir verbringen Tage und Stunden durch all die kleinen Gaesschen zu gehen und einfach nur zu staunen und zu lachen, was und wie es hier nicht alles zu kaufen gibt.
Ansonsten ist die Stadt nicht sehr spektakulaer, es gibt ausser dem alten Palast, eine Ruine auf einem Huegel nicht viel zu sehen. Darum lassen wir Tana nach ein paar Tage hinter uns und fahren los.


Tana bis Antsirabe

Wir entscheiden uns zu Beginn die beste Strasse in Mada zu befahren, dass wir uns schoen gemuetlich ans Velo fahren gewoehenen koennen: Die Strasse ist wirklich gut. Der Belag ist „nigelnagel neu“. Wir fahren 70 km und mehr pro Tag. Die Kinder am Strassenrand rufen uns „ Vaza, Vaza“ (=Fremder) nach. Verkehr hat es nicht viel, doch die Autos und Lkws die uns ueberholen qualmen und stinken so, dass es uns fast vom Sattel haut.
Die Strasse schlaengelt sich durch Reisfelder und entlang von Fluessen durch huegeliges Gelaende. Die Reisfelder sind teilweise terassiert wie in Asien. Die verschiedenen Felder verwandeln die Landschaft in ein Fleckenmeer von Gruentoenen. Immer wieder kommen Strassenstaende wo wir Gemuese und Fruechte kaufen. Wir fahren voll auf die Ananas ab, sie sind sooooooo suesss und gut, dass wir fast nicht genug davon kriegen. Die ersten Naechte verbringen wir in Hotels. Nach drei Tagen kommen wir schon in Antsirabe an.


Antsirabe bis Belos sur Mer

Antsirabe ist ganz andres als Tana. Alles ist viel gemuehtlicher und ruhiger. Vielleicht liegt das daran, dass auf den Strassen fast keine Autos sondern nur Pousse Pousse (madagassisches Rischka) fahren. Eine Frau spricht uns auf der Strasse an, es stellt sich heraus, dass sie Koechin in einem Internat ist. Da Schulferien sind, hat es jede Menge Platz fuer uns im Internat. Spaeter treffen wir Aendu, ein Berner, der auch mit dem Velo unterwegs ist.

Wir beschliessen zusammen eine gefuehrte Tour mit Pirogen auf dem Tsiribina River zu machen. Charles, unser Guide, laest mit sich verhandeln. Wir machen einen guten Preis ab, Aendu zahlt mit seinem Zelt, da er kein Geld mehr hat.
Am naechsten Tag fahren wir mit einem Pw 240 km an den Tsiribina. Dort uebernachten wir im Hotel. Dann verladen wir unser Gepaeck, Velos und Proviant (inkl. lebende Huehner) fuer 3 Tage in die Pirogen und los geht’s. Je zwei einheimische Pirogiés rudern, wir sitzen einfach nur im Boot und lassen uns flussabwaerts fahren. Der Tsiribina ist zum Teil sehr breit und reich verzweigt, mit Schilfinseln und Sandbaenken. Abends rasten wir auf einer Sandbank, die Pirogiés kochen wunderbar fuer uns.
An einem kleinen, klaren Fluss, der in den Tsiribina muendet folgen wir zu Fuss bis zu einem riesigen Wasserfall. Wir baden ausgiebig im Wasserfallpool und geniessen das natuerliche Sprudelbad. Die letzte Strecke bis Belo fahren wir in einem Motorboot. Dichter Regenwald saeumt das Ufer, wir sehen das erste Krokodil.



Belo bis Morondava

Diese Gegend ist bekannt fuer riesigen Baobas. Es soll sogar eine richtige Avenue des Baobabs geben. Dort wollen wir natuerlich unbedingt mit dem Velo durchfahren. Da die Piste sehr sandig ist, fahren wir einen Teil mit einem Jeep mit, dann verabschieden wir uns von Charles. Weiter geht’s mit dem Velo auf der sandigen Piste.

Die Baobabs sind wirklich eindrueklich: die Baeume sind riesig, daneben erscheint ein Mensch wie eine Ameise. Dafuer ist die Piste super anstrengend, wir sinken mit unsren vollbepackten Velos im Sand ein. Immer wieder muessen wir schieben. Wir lassen uns viel Zeit und machen Pause, wenn es nicht mehr weiter geht. Am Pistenrand liegt alle 100 Meter eine Schlange, einmal ueberfahre ich fast eine, aber Glueck gehabt, die sind naemlich schnell diese Viecher. Es wimmelt nur so von Schmetterlingen aller Art und Groesse. Der groesste, den wir sehen hat fast suppentellergroesse. Nach einigen Anstrengungen und vielen wuesten Woertern ueber diesen scheiss Sand, erreichen wir die Avenue des Baobas: Uns bleibt die Spucke weg. Diese natuerliche Allee von Baobabs ist voll der Hammer. All die Schweisstropfen haben sich also doch gelohnt. Die letzten paar km bis Morondava sind wieder asfaltiert, und nach einem Schluck frischer Kokosnussmilch geniessen wir den Strand von Morondava.

Da wir nicht Lust haben, weitere km auf solchen Sandpisten zu fahren (resp. zu schieben), suchen wir uns wieder einen Pirogié, der uns von Morondava nach Morombe segelt. Das ist gar nicht so einfach, muessen wir feststellen: Hier ist naemlich jeder Pirogié oder er hat zumindest 10 amis, die uns zu super Preisen mitnehmen wuerden…
Will heissen, wir suchen und disskutieren einen ganzen Tag lang, bis wir den richtigen Typ finden, der uns passt. Und wie wir spaeter merken, hat es sich gelohnt. Also machen wir mit Jean (unserem Pirogié) den Preis und alles sonst noch ab. Da Ostern ist, sind die Banken geschlossen, aber wir brauchen Geld. Also warten wir einen weiteren Tag…Bis wir endlich alles haben, sind 3 Tage vergangen; so geht das hier. Dann endlich koennen wir segeln…

Morondeava bis Morombe

Abgemacht waren 3 Tage, nun es werden ein bisschen mehr: Wir brauchen eine ganze Woche, da uns der Wind staendig aus Sueden entgegenblaest. Dazu kommen teilweise hohe Wellen, an zwei Tagen koennen wir gar nicht segeln, da das Meer so wild ist. „ Il y a pas des problèmes, demain on va arriver a Morombe“, ist der Lieblingsspruch von unserem Pirogié. Jean und Ruedi (das ist der Balancier , er sorgt dafuer, dass die Piroge nicht kentert, indem er auf einer Seite auf dem Ausleger balanciert…) kennen wirklich keine Probleme. Auch nicht, wenn der zu starke Wind unseren Mast knickt oder wenn die hohen Wellen literweise Meerwasser in die Piroge kippen und wir fast absaufen…

Da unsere Reise ein wenig laenger dauert, machen wir oft Halt in kleinen Fischersiedlungen irgendwo in der Pampa. Zu diesen armseligen Ansammlungen von Huettchen aus Palmblaetter fuehren keine Strassen, der einzige Weg ist das Meer. So bekommen wir eingiges zu sehen, was uns sonst verborgen geblieben waere. Es ist super interessant, vor allem da Jean alle Leute kennt und uns alles erklaert. Unsere Vorraete (natuerlich auch nur fuer 3 Tage gerechnet) sind schnell aufgebraucht. So essen wir einfach Reis mit Reis und Reis mit Zucker und Reis mit Fisch und Reis mit Sand und Reis mit nichts und Reis mit Wasser und Reis mit Oel und Reis, Reis, Reis zum Z morgen, zum Z Mittag, zum Z nacht…zum Glueck lieben wir Reis ueber alles. Ich versuche mich im Krabben fangen und bringe immerhin ein paar kleinere zusammen. Fritiert in viel Oel schmecken sie wie Chips, eine echte Abwechslung zum Reis.
Am gleichen Abend fragt uns Jean nach ein wenig Geld. Er wolle den „ Esprit des Vents“ um guten Wind bitten. Alle zusammen kauern wir am Strand und Jean bittet um guten Wind und einen guten Reiseverlauf und werfen das Geld ins Meer.
Als wir endlich in Morombe sind, feiern wir buendig ab. Wir bezahlen unseren Pirogiés (die uns langsam ans Herz gewachsen sind) und uns ein Besaeufnis der feinen Art und sind froh, dass wir wieder was anderes als Reis essen koennen.
Jean laed uns zu seinen Eltern ein. Sein Vater, M. Santiou, war ein hoher Beamter, wir geniessen eine super Gastfreundschaft und bekommen einen Brief mit, den wir in Tulear dem Adjudant du Maire ueberbringen sollen. Der Abschied von den Pirogiés faellt fast ein bisschen schwer, wir haben wirklich eine super Zeit zusammen verbracht.


Morombe, Ifaty bis Tulear (Mai 03)

Vor uns liegen fast 300 km Lehmpiste, wobei die ersten 30 km einmal geteert wurden. Aber das war vor 30 Jahren und so finden wir vom Teerbelag nicht mehr viel, ausser einigen wenigen Reststuecken zwischen vielen Schlagloechern. Die Piste ist aber zum Glueck schoen hart, wenn auch verdammt holperig und staubig. Zum Teil hat es seht schlechte Abschnitte, es reihen sich Loch an Loch (ausgefahren Schlammloecher, bis 1 m tief) und das ueber Kilometer. Wir sind fast so schnell wie die wenigen Lastwagentaxis, die uns ueberholen. Auf dem Velo ist es angenehmer als auf einem ueberfuellten Laster ueber diese Pistezu holpern.

Wir fahren pro Tag um die 50 km. In den Doerfern sammeln sich in minutenschnelle 20 bis 30 Personen um uns herum an, wir sind richtig eingekreist. Alle schauen uns an und diskutieren ueber uns, leider kann niemand franzoesisch. So ausgestellt zu sein, ist schon ein bisschen gewoehnungsbeduerftig. Abends suchen wir uns ein nettes Plaetzli fuer unser Zelt und koecherlen was wir tagsueber auf den Maerkten gefunden haben. Sobald es dunkel wird, sind wir absolut alleine. Die Einheimischen sind bei Dunkelheit nicht mehr auf der Strasse oder in den Feldern, so haben wir bis am naechsten Morgen immer schoen Ruhe und sind fuer uns allein. An meinem Geburi sind wir in Ifaty, einem fuer madagasische Verhaeltnisse sehr touristischen Ort. Wir mieten uns fuer 3 Tage ein Bungalo direkt am weissen Strand mit Kokospalmen und leisten uns ein bisschen Luxus. Wir liegen am Strand, trinken Rum und essen nur noch Crevetten und Langusten (und natuerlich Reis…) und lassen uns mit Kokosoel massieren. Leider habe ich waehrend dieser Zeit eine kleinere Magenverstimmung mit Durchfall und Erbrechen, was die Stimmung ein bisschen daempft.
Bis nach Tulear liegt so viel Sand auf der Piste, dass wir unsre Velos auf das Taxi Be laden und mitfahren.


Tulear

Wir bringen den Brief zum Adjudant du Maire. Er bringt uns zu einem weiteren Sohn von M. Santiou, wo wir wohnen koennen. Leider fuehlt sich Denise nicht so gut. Bis abends hat sie einen superstarken Durchfall und 39,5°C Fieber. Ich pflege sie die folgenden Tage. Langsam erholt sie sich und kommt wieder zu Kraeften.

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11. Mai 2003 - og