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Ein Land vor dem Abgrund.
Nun geht es endlich los. Mit dem Bus fahren wir von Jo’burg nach
Bulawayo in Zimbabwe. Wir fahren dorthin um Ringo zu besuchen. Sonst
gibt es naemlich nicht viele andere Gruende um dieses Land zu besuchen,
wenigstens dachte ich das, beeinflusst durch die europaeischen Medien.
Robert Mugabe, der Patron dieses Landes, macht so ziemlich was er will
und das stimmt auch, es wird dir taeglich in den Strassen bestaetigt.
Er aendert die Verfassung ab, dass er laenger an der Macht bleiben kann,
gibt sich selber eine Inflationsanpassung von 600% auf sein Gehalt usw.
Also Ringo, eine junge Zimbabwerin, versucht einen Velo Kurier in Bulawayo
aufzuziehen. Der Ertrag wird dann fuer ein Kindercamp verwendet, welches
die oertliche Heilsarmee betreibt. Das Kindercamp heisst „Masiye
Camp“ und soll Kindern helfen, welche ihre Eltern durch AIDS verloren
haben. AIDS ist in Zimbabwe und im suedlichen Afrika ein riesiges Problem,
welches tiefe Wunden in das soziale Gefuege dieser Gesellschaften reisst
(Zimbabwe hat eine HIV-Rate von ca. 40%). Das Masiye
Camp ist eigentlich wie ein Pfadilager. Es liegt im wunderbar fremdartig
anmutenden Matopos Nationalpark, mit seinen zahlosen Huegeln, welche
aus aufeinandergestapelten Gesteinsbrocken bestehen. Waehrend einer
Woche koennen die Kids dort herumtoben und Aufgaben loesen, welche ihnen
ihr Selbstwertgefuehl und ihr Vertrauen in sich und andere staerken.
Und hey folks, das sind nicht einfach so bubbi Aufgaben, das sind richtige
Dinger, so zB eine 4m hohe Hinderniswand, welche sie zusammen ueberwinden
muessen, oder eine Haengebruecke ueberqueren und so weiter... ich hatte
jedenfalls glasige Augen und wollte eigentlich nur noch klein sein um
dort mitmachen zu koennen!!! Das Camp hat maechtig Eindruck gemacht
und es ist ein Beispiel fuer gute und sinnvolle Entwicklungszusammenarbeit.
Die Sache mit dem Geld...
Wie schon erwaehnt, ist es in Bulawayo und somit auch im restlichen
Zimbabwe nicht gerade einfach an Geld zu kommen. Vor den Banken, vielleicht
20 an der Zahl, bilden sich jeweils lange Menschenschlangen welche eigentlich
nicht kuerzer werden. Geld kriegen die Leute kaum, auch wenn sie es
eigentlich haetten. Ein gluecklicher bekommt etwas von seinem Geld.
Das ist aber in der Regel so wenig, das man es fuer nichts richtiges
ausgeben kann, ausser vielleicht fuer ein Bier was den Vorteil bietet,
dass das ganze Debakel nicht mehr so hart zu ertragen ist. Wir wollten
aber nicht nur Bier drinken und so brauchten wir mehr Geld. Und nun
kommt uns die afrikanische Faehigkeit zu gute, mit irgendetwas einen
Handel zu betreiben. Es gibt naemlich auf den Strassen bestimmte Frauen,
welche an ihrem weissen Kopftuch zu erkennen sind. Man nennt sie „Moving
Banks“. Geld bekommt man von ihnen soviel man will, solange man
in US Dollar bezahlen kann. Aber wer kann das schon? Wir koennens! Und
wer Geld hat in Zimbabwe oder irgendwo, der kann sich alles kaufen.
Brot und Wein und alles andere auch. Und waehrend auf dem Land die Leute
hungern, schlendern die anderen durch das mehrstoeckige Einkaufszentrum
in der Stadt und fragen sich, was sie sich zum (ueber)leben noch kaufen
muessen.
Joseph und die Elefanten
Bulawayo liegt wie ganz Zimbabwe (oder ganz Afrika?) in einem Dornroeschenschlaf.
Da die Leute kein Benzin kaufen koennen, sind die Strassen fuer afrikanische
Verhaeltnisse relativ ruhig und gemaechlich. Auch die typischen Maerkte
oder „Verkaufe-Drei-Bananen“ People sind nicht so haeufig
anzutreffen. Es ist daher einfach nicht so betriebsam und die ganze
Geschichte wirkt doch ziemlich relaxed. Man spuehrt dass die meisten
Leute nichts wichtiges zu tun haben und nur die Zeit totschlagen. Wir
fahren also in Richtung Victoria Falls, welches cirka 450km entfernt
ist. Die Landschaft ist nicht sonderlich interessant, vornehmlich trockene
Buschsavanne welche langsam in einen trockene Mopane-Wald uebergeht.
Es ist flach, und auf der guten Teerstrasse fahren wir locker (wobei
das eher fuer Aendu gilt) 80-100km pro Tag. Tiere sehen wir leider nicht
viele, ausgenommen von ein paar Kudus, Warzenschweinen und einem ganz
kaputten Chamaeleon, ganz kaputt deshalb, weil das Teil einfach seine
Farbe nicht wechseln will, obschon ich ihm mit meinem bunten Kleidern
und Taschen oft die Gelegenheit dazu gebe.
Keine Tiere – bis auf jenen Abend wo wir beschliessen draussen
im Busch zu pennen. Wir haben schon von Leuten gehoert, dass es im Busch
wilde Tiere gibt, aber so wirklich geglaubt habe ich es zumindest nicht,
jedenfalls nicht so nah an der Strasse. Wir sind also gerade am schluerfen
einer guten Suppe (Minestrone oder so) und in einem weiteren Topf wartet
schon ein Cuscus mit Rosienen auf uns, als Aendu ploetzlich nichts mehr
sagt. Nicht dass er die ganze Zeit am plapern gewesen waere, aber nun
war es still. „Hast Du eben nichts gehoert?“, unterbricht
er die Stille, und ich immer noch ziemlich maltraetiert von den 100
km denke eigentlich nur an das Cuscus und meine Suppe, so dass ich verneinen
muss. Drei Sekunden spaeter aber ist der Wald von einem Geraeusch erfuellt,
welches meine Gedanken gewaltsam zurueckholt und mir den Puls in den
Kopf treibt. Mit einem gewaltigen Trompeten (sopran) meldet sich ein
Elefant an. Und kurz darauf faellt er mit seiner urzeitlichen Kraft
einen Baum und das Geraeusch der zerberstenden Fasern hallt durch meinen
Koerper und ich stelle mir ploetzlich vor, wie einfach er das auch mit
meinen Knochen machen koennte. Suppe und Cuscus sind schnell vergessen.
Wir schauen uns an und beide denken vermutlich das gleiche. Schnell
haben wir zusammengepackt und befinden uns nun schon auf dem Velo zurueck
zum naechsten Haus.
Es ist das Haus eines weissen Farmers, oder besser war es. Denn in dieser
Gegend wurden alle Farmer vertrieben. Nun schaut Joseph, ein Afrikaner,
zum Grundstueck. „I’m looking after this place for my boss!“
Er erzaehlt uns, dass hier die alten Veteranen zusammen mit einigen
jungen Troublemakern alle weissen Farmer vertrieben haben. „They
steal and destroy everthing“ meint er und findet es nicht gut
und wenn diese Leute kommen und versuchen etwas zu stehlen geht er schnurstracks
zur Polizei. Ende des Monats im Schutze der Dunkelheit komme sein Boss
um ihm seinen Lohn zu zahlen und etwas zum Essen zu bringen. Das Leben
ist hart, aber Joseph versucht die Farm im Schuss zu halten. Die Veteranen
haben die Stromleitungen gekappt und nun kann er die Wasserpumpen nicht
mehr betreiben. Der riesige, noch gruene Gemuesegarten ist nun langsam
am verwelken, wie Zimbabwe. Jeden Morgen geht Joseph herum und schaut
ob noch alles da sei, waehrend die Wasserpumpen vor sich hin rosten.
Am naechsten Morgen geht Joseph mit mir in den Wald um mir die Elefanten
zu zeigen. Von einem Wald kann man stellenweise nicht mehr sprechen,
es sieht aus, als haette hier eine Schlacht stattgefunden. Baeume liegen
herum und alles ist voller Elefantenhaeufchen. Ploetzlich tiefes Grollen...
Durch die Baeume hindurch kann ich die Elefanten ausmachen, vielleicht
50m entfernt. Es sind etwa fuenf an der Zahl und sie lassen sich durch
uns ueberhaupt nicht stoeren. Es ist gut zu wissen, wie friedlich die
Viecher eigentlich sind und ich fuehle meine Knochen schon fast nicht
mehr.
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