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Victoria Faelle
Man soll schon von Weit her ihre Staubwolke sehen und ihr tiefes und
maechtiges Grollen vernehmen. So hat Livingstone ueber diese Faelle
geschrieben. Wir haben sie auf unserem Weg weder gesehen noch gehoert
und so geben wir mit gemischten Gefuehlen die 10 US Dollar Eintritt
ab. Als wir aber vor den Faellen stehen und uns der Wasserstaub langsam
durchnaesst, sind wir tief beeindruckt. Es scheint als wuerde der 1000m
breite Sambesi ploetzlich von der Erde verschlungen. Denn er ergiesst
sich in eine 90m tiefe und nur 50m breite Spalte, welcher er nun zu
folgen hat. Durch den Wasserstaub bilden sich ueberall kleine Regenbogen
und Wassertropfen steigen auf und tanzen vor unseren Augen in der Sonne,
bevor sie wieder von der Schwerkraft eingeholt werden. Einfach geil
und wirklich erfrischend!! Hier hat sich dann auch die Fun- und Adventureszene
des suedlichen Afrika angesiedelt. Sind wir in Afrika oder irgendwo
in Neuseeland? Ich habs vergessen... Gorge Swinging, Abseiling, High
Wiring, Bungi Jumping und natuerlich White Water Rafting, die ganze
Palette! Aber auch ohne solche Aktivitaeten sind die Victoria Falls
ein wahres Juwel und in der Regenzeit wird man von weitem ihre Wolke
sehen und ihr tiefes Donnern vernehmen.
Der Weg nach Lusaka
Auf der Strasse nach Livingstone treffen wir einen Afrikaner welcher
uns von einem schlecht gelaunten Elefanten erzaehlt. Wir denken jaja
und fahren weiter, denn Elefanten an der Strasse haben wir mittlerweile
schon ein paar mal angetroffen. Bald sehen wir zwei Dickhaeuter. Der
eine ist aber tatsaechlich mit dem falschen Bein aufgestanden und schuettelt
wuetend den Kopf. Schon fast synchron fahren wir eine Kurve und fahren
langsam zurueck, um den naechsten Lastwagen anzuhalten. Kurz die Situation
geschildert, erklaert sich der Fahrer mit einem breiten Grinsen, welches
durch sein schwarzes Gesicht noch viel breiter wirkt, bereit, langsam
mit uns mit zu fahren. Und so koennen wir die schlecht gelaunten Elefanten
im Schutz des Trucks passieren. In Livingstone treffen wir ganz geile
Travellers. Da ist James ein Englaender, welcher zu Fuss die Ausbreitung
der Menscheit verfolgt, 60’000km in 10 Jahren (www.footstepsofman.com)!
Oder da sind Ester und Horst, welche auf dem Pferd von Kapstadt nach
Kenia reisen (www.afrikaabenteuer.at).
Und natuerlich Steven, ein Zuercher, welcher mit seinem BMW-Toeff (von
1981) durch ganz Westafrika gereist ist (www.contrast.cx).
Nach Livingstone sehen wir keine Tiere mehr bis nach Lusaka, das sind
etwa 470km. Einen Tag verbringen wir auf der Farm von Chris und Thery.
Chris ist eine halbe Schweizerin, spricht aber nur Englisch. Sie wollen
aus ihrer Farm einen Gamepark machen. Deshalb bauen sie einen 18km langen
Zaun um ihre Farm. Wir arbeiten einen Tag mit und studieren die hoch
effiziente afrikanische Arbeitsweise, sehr interessant!!
Die Strasse zieht sich taeglich durch die afrikanische Baumsavanne,
kilometerlang liegen die Abschnitte bis zum Horizont im glitzernden
Sonnenlicht. Wir freuen uns ueber jede Kurve und lachen ueber die Strassenschilder
die auf die „scharfen Kurven“ aufmerksam machen. In fact
sehen wir gar keine Kurven, wie wir sie kennen. Eine Kurve wird hier
lediglich durch ein Achtung Kurve Schild und eine ausgebranntes Autowrack
makiert, die Strasse aber geht im Prinzip gerade weiter.
Abend fuer Abend schlafen wir bei jemand anderem: Immer fragen wir hoefflich,
ob wir unser Zelt fuer eine Nacht aufbauen koennen – „yes,
my brotha, no problem“ ist prompt jede Antwort. Eines Abends landen
wir zufaelligerweise in der Zambian Blind Community: Diese Gemeinde
wurde von Shabby, einem alten blinden Tonga, gegruendet: Blinde und
Behinderte Menschen werden in den afrikanischen Staemmen und Familien
oft sehr schlecht versorgt und behandelt. Diese Menschen bringen der
Gemeinschaft keinen Nutzen, also muss man sich auch nicht um sie sorgen
ist die einheitliche Meinung. Shabby erzaehlt uns abends wie dringend
notwendig solche Institutionen fuer diese Meneschen in einem Land sind,
in dem schon viele Nichtbehinderte, voll erwerbsfaehige Menschen unter
dem Existenzminimum leben. Man stelle sich das Leben eines Blinden oder
Beinamputierten vor, keine IV keine AHV, keine Krankenkasse keine nix
– nur jeden Tag betteln...!
An einem anderen Abend landen wir im Sperrgebiet eines Kraftwerkes.
Eigentlich wollen wir nur die Kafueschlucht anschauen, stellen aber
dann fest, dass das nicht so einfach ist. Ueber der Strasse liegt ein
Schlagbaum, ein Paramilitaer mit Kalaschnikow verbietet uns die Weiterfahrt.
Da wir nicht wieder 30km Huegelstrecke zurueck wollen ohne die Schlucht
gesehen zu haben, legen wir uns mit all unseren Ueberredungskuensten
ins Zeug. Endlich duerfen wir uns mit einem Sicherheitsoffizier umschauen.
Was wir sehen ist nicht gerade der Hammer: Ein trockenes Flusstal mit
steilen Ufern...
Da es schon Abend ist, werden wir zur Polizeistation gewiesen um dort
unser Zelt aufzustellen. Ein Polizist mit MP um den Hals und „ich
bin hier der Chef“ Haltung verlangt unsere Paesse und fragt uns
ueber unser Vorhaben aus. Je mehr wir von unserer Reise erzaehlen um
so mehr Sympathie kommt uns entgegen. Gegen Ende des Abends haben wir
mir jedem Polizeioffizier der Gegend Freundschaft geschlossen und der
diensthabende Polizist versichert uns die sicherste Nacht unserer Reise.
Er bewacht mit seiner Knarre unser Zelt und unsere Bikes.
In Lusaka repariere ich mein Hinterrad. Nach 4000km ist die nigelnagelneue
Mavic Felge schon der Laenge nach gespalten.
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