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700 Km Gegenwind und eine hartnaeckige
Erkaeltung
Von Lusaka pedalieren wir Richtung Nordosten gegen die malawische Grenze.
Ca. 700 Km trennen uns von unserem Ziel: Lilongwe, die Hauptstadt von
Malawi. Leider weht der Wind zu dieser Jahreszeit aus Nordosten. So
blaest uns jeden Tag ein starker Gegenwind mitten ins Gesicht. Zischtig
fuehlt sich nach 2 Tagen ein bisschen komisch und befuerchtet einen
Malariaanfall. Er spickt sicherheitshalber eine Monsterportion Antimalariapillen.
Die Nebenwirkungen der Pillen sind so zahlreich und stark, dass es ihn
dann auch fast vom Velo haut... (obwohl er keine Malaria hat, wie sich
spaeter herausstellt). Leider setzt ihm dann ein kuehler Abendwind noch
staerker zu und zuguterletzt hat er weder Malaria noch Nebenwirkungen
aber dafuer eine starke Erkaeltung. Mit Fieber, Husten und allem drum
und dran sitzt er in den Bus, waehrend ich gegen den Wind weiterstrample.
Abends treffen wir uns wieder. Zischtig zieht die saubere Landluft der
smoggeschwaengerten Stadtluft vor und will sich an einem schoenen Plaetzchen
im Busch von der Erkaeltung erholen. So verabreden wir uns in ein paar
Tagen in Lilongwe.
An der Grenze erwartet mich eine kleine Ueberraschung. Der Zolloffizier
fragt nach meinem Visum. Ich habe natuerlich keines, da ich glaubte,
ich brauche keines. Darauf meint der Zoellner nur: „NO visa, NO
entry!“ Scheisse, all die Kilometer gegen den Wind fuer nichts,
denke ich.... Ich ziehe meine freundlichsten Saiten auf und nach einer
Weile macht der Zoellner ein Dokument hervor, mit ich mich binnen zwei
Tage auf dem Immigration Office in Lilongwe zu melden habe. Dort kann
ich gegen harte Dollars mein Visa nachbeantragen. Immer noch wuetend
ueber die bloeden Zollbestimmungen und Visagebueren an jeder Grenze
verlasse ich das Zollgebaude. Ich bin aber froh, nicht zurueck nach
Lusaka fahren zu muessen...
Zwei Tage spaeter treffe ich in der Hauptstadt ein und erledige meinen
Besuch bei den Zollbehoerden, dann stuerze ich mich ins bunte Stadttreiben
von Lilongwe.
„... von schweren und leichten Tagen...“
Jeden Tag auf dem Velo durch die afrikanischen Weiten – da kommt
schon ab und zu ein monotones vor sich hinstrampeln auf.... koennte
man meinen.
Tatsaechlich ist aber jeder Tag anders zum Vortag. An manchen Tagen
faellt mir jeder Meter schwer, das Velo scheint an der Strasse zu kleben.
Das Gepaeck wiegt doppelt so schwer und fuer jede Steigung muss ich
mich neu ueberwinden und schwitzen. Natuerlich blaest der Wind an diesen
Tagen doppelt hart ins Gesicht und kaum losgefahren, habe ich sicher
noch einen Plattfuss. Die Sonne scheint bleiern vom Himmel, ihre Hitze
nimmt mir den Atem und die Kraft weiterzufahren. Nichts, aber auch gar
nichts scheint mir an diesen Tagen geschenkt. Die Menschen am Strassenrand
wirken abweisend und ich habe das Gefuehl, sie fuehren nichts Gutes
im Schilde. Die Landschaft zieht lustlos an mir vorbei, heute sehe ich
ihre Schoenheiten nicht. In meinen Gedanken gefangen bewege ich mich
durch ein fremdes Land und fuehle mich nur weit weg von zu Hause, von
meinen Lieben und Freunden. Abend verkrieche ich mich im Schlafsack
und moechte am liebsten nie mehr daraus hervorkriechen. Zum Glueck gibt
es da noch die spassigen Bemerkungen von Zischtig zu meinen Gemuetsverfassungen...
Es gibt aber auch die anderen, die leichten Tage. Morgens erwache ich
mit frischen Kraeften. Die Morgensonne taucht Zelt und die ganze Landschaft
in fabelhaft goldenes Licht. Und schon stehen ein paar Kinder neben
dem Zelt und lachen mich mit ihrem breiten Grinsen an. Ich lache mit
ihnen (ueber was wir lachen wissen wir alle nicht - ist ja auch egal...).
Auf der Strasse rufen die Leute: “How are you? How far?“
Sie freuen sich daran, mich zu gruessen. Ich gruesse und winke zurueck.
An diesen Tagen ist kein Gegenwind zu stark, keine Steigung zu steil.
Mich kann nichts bremsen, die Kilometer fliegen nur so unter mir dahin.
Nach jeder Kurve erwartet mich etwas neues. Mal ist es ein alter, riesiger
Baobab, dann ein ein Adler, der hoch im Himmel seine Kreise zieht, dann
eine schoene schwarze Frau, die in farbig, wallenden Tuechern gekleidet,
elegant eine schwere Last auf dem Kopf balanciert. Wie wunderbar, so
durch ein Land zu reisen, ich fuehle mich frei und alles um mich herum
scheint mir wohlgestimmt. Wenn wir dann abends in einem Dorf fragen,
ob wir unser Zelt fuer eine Nacht im Schutze der Haeuser aufstellen
duerfen und gleich zum Nachtessen und anschliessenden „chibuku
trinken“ (eine Art Maisbier, natuerlich schoen lauhwarm von der
Hitze des Tages...) eingeladen werden. Dann krieche ich abends spaet
ins Zelt, ueber mir einen wunderbaren Sternenhimmel um zum Gesang von
tausenden von Grillen schnell einzuschlafen.
Ich kann nicht sagen, die schweren oder die leichten Tage sind in der
Mehrzahl. Sicher steht fuer mich nur, dass beiderlei Tage zu einer solchen
Reise gehoeren. Die Abwechslung macht die Reise interessant und erschliesst
mir immer wieder neue Dinge, die ich bis jetzt gar nicht beachtet habe.
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