Lilongwe (Malawi) - Mbamba Bay
Tanzania September 03

Andreas Kunz


home > berichte > 27. 9. 2003
 

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Chips, Mangobaeume und ein suesses Meer
Von Lilongwe geht es ans Cape Mc Clear. Der kleine Ort liegt am Suedende des Malawisees und ist die Destination Nr. 1 fuer alle Packpackers in Malawi. In netter Gesellschaft von witzigen, jungen Reisenden aus Israel, England, Holland, Deutschland und natuerlich den obercoolen Malawijungs vergehen die Tage wie im Flug. Wir baden, lesen, schnorcheln und ruhen uns einfach aus... Abends gibt es immer ein riesen Gelage am Strand mit gegrilltem Fisch und im Feuer gebackenes Brot – mhhh, einfach herrlich!
Der Malawisee ist der 3. groesste See Afrikas, mit einer Flaeche gerade mal so gross wie die Schweiz! Beide von uns haben vorher noch nie einen solchen See erlebt. Das Wasser des Lake Nyasa, wie die Einheimischen ihn hier nennen, ist so glasklar, dass man unter Wasser ohne weiteres 10 – 15 Meter weit sieht. Es wimmelt von bunten Fischen aller Art und Groesse aus der Familie der Buntbarsche. Bis jetzt hat man mehr als 500 verschiedene Arten gefunden und es hat noch weitere nicht beschriebene. Blickt man uebers blaue Wasser, so sieht man kein Ufer, bei Wind schlagen die Wellen hoch an den Sandstrand. Auch Kokospalmen fehlen nicht am Strand – man meint tatsaechlich man sei am Meer. An einem suessen Meer.
Bis Chipoka faheren wir auf der Ilala Faehre, damit wir nicht den gleichen Weg zurueck muessen. Dann gehts 350 Km dem See entlang nach Richtung Norden. Mangobaeume saeumen die Strasse auf jedem Meter, leider sind die Fruechte noch nicht reif! Wenn es zu heiss wird, legen wir uns in den kuehlen Schatten eines solchen Baumes und warten auf die kuehleren Abendstunden um nochmals in die Pedalen zu treten. Die Malawier verkaufen an jeder Ecke fritierte Suesskartoffeln, Maniok, Chips und Maiskolben. Genau das richtige fuer uns : Wir brauchen zum Essen nicht einmal vom Sattel zu steigen - Drive-in fuer Velofahrer...
In Nhkata Bay wollen wir mit einem Schiff ueber den See nach Tanzania setzten. Wir erfahren, dass das naechste Schiff in fuenf Tagen faehrt – Glueck gehabt, das letzte fuhr vor zwei Monaten!


Ein Ausflug in die Berge
(Nyka Plateau, September 03)
Wir entschliessen uns fuer einen kleinen Sidetrip in die Berge. Wir laden unsere Velos auf Busse und Lastwagen und fahren nach Rumphi am Rand des Nyka Hochplateau. Von dort pfluegen wir uns 180 Km durch tiefe Staubpisten bis in den Nyka National Park (2400 Meter). Das Staubfressen lohnt sich: Wir werden mit einer unvergleichbaren Landschaft belohnt. Grasbedeckte Huegelkupen ziehen sich bis zum Horizont hin. Kein Baum waechst im rauhen Klima auf dieser Hoehe. Der Wind pfeift uns um die Ohren, gegen den Abndhimmel zeichnen sich die Silhouetten von grasenden Zebras und Antilopen ab. In der Nacht verwandelt das silberne Licht des Vollmonds die Grashuegel in eine Maerchenlandschaft. Am Feuer geniessen wir die ruhige und einfache Intensitaet der Natur.


Give me Money!!! Die Kehrseite des Tourismus
„Give me money, give me money!“ , hallt der Satz von Kindermund zu Kindermund durchs ganze Dorf. Immer wie mehr Kinder kommen zwischen den Hauser hervorgerannt, die leere Hand ausgestreckt rufen sie im Chor: „Give me money, give me money. M`zungu, give me money!“ (M`zungu = weisser Mann).
Diese Szene spielt sich vor allem im suedlichen Malawi in jedem Doerfchen durch das wir radeln ab. Nach dem 10`000-sten „give me money“ mag ich es nicht mehr hoeren. Bin ich denn eigentlich ein wandelnder Geldautomat oder sehe ich in meinem verschwitzten Shirt aus, als haette ich zuviel Geld im Sack? Nun gut, denke ich, das sind Kinder. Sie kennen vielleicht nur diesen einen englischen Satz (warum aber Kinder in anderen Laendern Saetze wie „how are you?“ kennen, weiss ich auch nicht...). Wenn aber Erwachsene zu mir kommen und mir freundlicherweise ihre Hilfe anbieten um im nachhinein 1 US Dollar zu kassieren oder mich, bereits betrunken, anmachen: “Pay me beer!“, dass ist dann doch zuviel. Da immer schoen freundlich zu bleiben, faellt mir manchmal schwer. Ich kann mich nur schwer mit dem Anspruch abfinden, dass ich, nur weil ich ein M`zungu bin dies oder jenes bezahlen soll.
Woher kommt eigentlich dieser Anspruch der Menschen hier? Wahrscheinlich gibt (oder gab es) tatsaechlich so daemliche Touristen die Geld und Suessigkeiten durchs offene Autofenster verteilen. Zusaetzlich unterstuetzen Hilfsprojekte, die nicht wirklich die Eigeninitiative der Bevoelkerung foerdern die Meinung, man brauche bloss die leere Hand hinzuhalten um etwas zum Essen zu kriegen. Hat sich einmal eine solche Haltung bei den Menschen festgesetzt, braucht es viel Zeit (im Falle vom Individualreisenden viele Nerven) um diese Haltung zu aendern.

Mit einer Ladung Wein nach Tanzania...
Zurueck in Nhkata Bay warten wir darauf, dass unser Schiff ablegt. Nach etlichen Stunden warten, fragen wir den Kapitaen, wann es losgeht? „We will leave soon!“, gibt er uns trocken zur Antwort. Waehrenddessen wird das Schiff mit einer Lkw - Ladung Wein beladen. Natuerlich ohne technische Hilfsmittel – Karton fuer Karton fliegt von Hand zu Hand in den Laderaum: Alles harte Handarbeit, das braucht halt seine Zeit. Als die Schiffssirene durch den Hafen toent, ist es laengst dunkel. Was sind schon 7 Stunden warten bis das schiff ablegt, Hauptsache das Schiff faehrt! Waehrend der Ueberfahrt degustiert die Mannschaft ausgiebig den geladenen Wein. Mit dem Resultat, dass inner Kuerze alle sturzbetrunken sind. Was soll`s, Wein hat man hier nicht alle Tage an Bord... Mbamba Bay (Tanzania) hat keinen Hafen. Der Kapitaen faehrt volle Kraft voraus in den Sandstrand hinein, Taue werden geworfen und vertaeut. Das Schiff bleibt bis zu seiner Weiterfahrt einfach im Strand stecken. Das ganze Dorf ist am Strand versammelt und schaut diesem Spektakel zu (man bedenke, hier legt nur alle 2 Monate ein Schiff an...). Zwei Matrosen erscheinen am Bug und bruellen und lallen betrunken auf die wartende Dorfmenge hinab. Hierauf wollen ein paar junge Tanzanier aufs Schiff, was aber den Matrosen wiederum nicht passt. Es kommt zu einem hitzigen Wortgefecht und schon bald fliegen die Faeuste. Waehrend uns ein Immigration Officier mit „Welcome in Tanzania!“ begruesst, fliegend die ersten Streithaehne ueber die Reeling ins Wasser. Die Massenkeilerei ist in vollem Gange. Wie heisst es nur noch? Zuviel Weisswein macht aggressiv, oder etwas in dieser Art...

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21. Oktober 2003 - og