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Auf Abwegen
Fuer den weiteren Verlauf der Reise haben wir entschlossen, eine Weile
von den Hauptstrassen wegzukommen. Die Vorstellung war, auf Nebenstrassen
dem See entlang gegen Norden zu fahren, um dann zu den Livingstone Mountains
und schiesslich auf das Hochland von Tanzania zu gelangen, welches sich
zwischen 1500 und 2000m befindet und sich über ganz Ostafrika erstreckt
und eigentlich nur vom Great Rift Valley unterbrochen wird. Am ersten
Tag führen uns die Nebenstrassen durch Maniokfelder kleinere Bananenplantagen
und durch zahlreiche Dörfer, wo man sich mit einem hoffnungslos
überzuckerten Chai und frittierten Brötchen stärken kann.
Leider, und eigentlich ganz typisch für Afrika, gibt es hier nichts
in normalen Abstufungen, und so verwandelt sich die Nebenstrasse in
eine ungesunde Mischung zwischen Wanderweg und Bachbett, welche sich
zu allem Uebel auch noch über eine oder besser mehrere Bergketten
hinzieht. Entschaedigt werden wir durch die Gastfreundschaft der Menschen
hier. In einer Missionsstation essen wir zusammen mit den Priestern
Makkaroni und gehen am naechsten Morgen auch schön brav in die
Kirche (leider ist die Messe in Kisuaheli). Ein anderes Mal werden wir
in einer Schule aufgenommen und Mr. Andy sammelt mit Hilfe einer Lehrerin
erste Erfahrungen in der Herstellung von Chapatis. Nach der überstanden
Nebenhölenentzündung von Mbamba Bay plagt mich mittlerweilen
ein neues Leiden und ich beschliesse die Weiterreise mit einem Fahrzeug
anzutreten. Die Strasse, welche mittlerweilen wieder mit Recht als solche
bezeichnet werden darf, zieht sich nun durch die spärlich bewaldeten
Hügel der Livingstone Mountains. Tiefliegende Wolken kämpfen
sich durch die Landschaft und verwandeln sie zusammen mit dem Licht
der morgendlichen Sonne in ein mythisches Tal in den Schottischen Highlands.
Durch eine glückliche Abfolge von Zufällen kommt der total
verlotterte Defender und sein, vermutlich von irgendwelchen Rallyfahrern
inspirierte Fahrer (und natuerlich uns Passagiere, von welchen vermutlich
nur ich den Ernst der Lage richtig erkannt haben), nicht von der Staubpiste
ab. Nach zirka zwei Stunden erreichen wir das nächste Dorf und
ich freue mich auf eine längere Pause, welche ich mit einem guten
Milchkaffee und etwas Essbarem auszufüllen gedenke. Ich habe gerade
zwei Schlückchen Pulverkaffee getrunken, da glaube ich etwas gesehen
zu haben, was eigentlich gar nicht sein kann und als dann tatsächlich
Mr. Andy zur Tür reinkommt, verirrt sich das nächste Schlückchen
in der Luftröhre! Mein Leiden entpuppt sich als Nierenentzündung
und so muss ich für eine weitere Woche Antibiotika nehmen (und
darf leider auch kein Bier trinken).
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