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Auf zur Küste!
Hier auf dem Tanzanischen Hochland ist es einfach zu kalt und es zieht
uns, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, runter zur Küste. Die
Strasse ist mittlerweilen wieder geteert und zieht sich in langen, geraden
Abschnitten durch riesige Plantagen von Eukalyptus und Pinien. Ab und
zu fahren wir an leuchtend grünen Teefeldern vorbei, in denen Arbeiter
gerade mit einer beachtlichen Geschwindigkeit die frischen Blätter
ernten (sie arbeiten im Akkord). Mr. Andy’s Goldi macht ein paar
Probleme. Zuerst bricht eine Speiche und dann auch noch der Schnellspanner
des Hinterrades. Im nächsten Ort versuchen wir einen Ersatz zu
finden – ohne Erfolg. Die hiesigen chinesichen Fahrräder
haben keine so zierlichen Teile... Aber nach ein paar erfolglosen Versuchen
plötzlich ein Tip: es gibt hier eine kleine Werkstatt mit Drehbank
und Gewindeschneider. Und obwohl es schon recht spät ist, fertigen
uns die Typen dort aus einem Stück Rundeisen (stark genug für
eine Lastwagenachse) eine neue Schraube, welche wir am nächsten
morgen einbauen – es klappt.
Eines Abends fragen wir bei ein paar Hütten neben der Strasse um
einen Platz für das Zelt. Durch Kommunikationsprobleme (mein Kisuaheli
ist noch nicht wirklich besser geworden...) führt uns ein Junge
zur archäologischen Ausgrabungstelle von Isimaila, wo 60'000 Jahre
alte Steinwerkzeuge gefunden wurden. Wir fragen den Guide natürlich,
ob James (der Engländer, welcher den Fussspuren der Menschheit
folgt) auch hier war. „Yes, five days ago he was here, but now
he’s gone to Dar es Salaam“, ist die Antwort. In Iringa,
der nächsten Stadt, wollen wir gerade mit zwei Schweizer Freunden
anstossen, als plötzlich James auftaucht. „One more!“,
rufen wir dem Barkeeper zu – wie klein die Welt doch ist.
Die Hauptstrasse von Mbeya nach Dar es Salaam ist ziemlich stark befahren,
auffallend die vielen grossen Reisebusse. Wenn sie dich überholen
spührst du zuerst nur ein leichtes Vibrieren der Strasse, durch
den ständigen Gegenwind hörst du sie aber nicht kommen (ausser
wenn mit ihrer 110dB Hupe aus deinem Trommelfell ein Trümmerfeld
machen). Als nächstes fühlst du nur ein leichtes Säuseln,
welches aber urplötzlich von einem Orkan abgelöst wird, welcher
an dir vorüberfegt, so dass du alle Mühe hast, mit deinem
Fahrrad auf der Strasse zu bleiben. Als nächstes überholt
dich dann die Geräuschkulisse des Busses, welche stark an die eines
F1-Wagens erinnert. Das mit dem Nacheilen ist vielleicht ein wenig übertrieben,
aber für den Teils erbärmlichen Zustand dieser Ungetümer,
fahren sie wirklich an der Grenze. Was dem Fahrradfahrer aber trotzdem
Freude bereitet sind die Bilder und Sprüche, welche an der Rückseite
der Busse aufgemalt sind. Bilder vom Past mit der segnenden Hand, von
kitschigen Löwen und Kampfadlern oder auch anderen grossen und
starken Tieren. Das beste aber sind die Sprüche: „In God
we trust“ ist der Favorit, aber es steht auch „God be with
us“, „God save us“ und sogar „Jesus, we believe
in you“. Ob das ironisch gemeint ist, habe ich nocht nicht rausgefunden...
Der Mikumi NP ist einer der wenigen Nationalparks in Tanzania, welche
auch Radler befahren dürfen. Wir beschliessen die Nacht am Rand
des NP zu verbringen, um den Park dann in der Frische des Morgens zu
durchqueren und so vielleicht ein paar Tiere zu sehen. Bevor wir unseren
Plan in die Tat umsetzen können, werden wir von einm Auto abgefangen.
„It’s very dangerous to cycle through the park in the dark,
there are Lions and other harmful animals!“, warnt uns der Typ
mit einem unüberhörbaren Schweizer Akzent. Joseph Gwerder,
Muotataler und Besitzer des TAN-SWISS Restaurants von Mikumi Town, steht
vor uns und lädt uns auch gerade ein bei ihm zu nächtigen.
Später meint er, dass es nicht einfach ist so einen Betrieb aufzubauen,
dass man die richtigen Leute kennen muss. Während er uns das auf
Schweizer Deutsch erzählt, bestellt er für uns und natürlich
auch für den hochrangigen tanzanischen Parlamentarier und dessen
Freunde, welche mit uns am Tisch sitzen, noch eine Runde Bier. Tja,
Beziehungen muss man haben...
Das letzte Stück bis Dar es Salaam verläuft auf Meereshöhe.
Es ist ziemlich warm, durch den stetigen Gegenwind wird man aber schön
runtergekühlt. Strassenverkäufer bieten Kokosnüsse, Mangos,
Papayas und Bananen an. Wir freuen uns auf die grosse Stadt und nach
mehr als 3500km natürlich auch wieder auf den grossen Ozean.
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