Njombe – Dar es Salaam
Tanzania Oktober 03

Stefan Schilli


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Auf zur Küste!
Hier auf dem Tanzanischen Hochland ist es einfach zu kalt und es zieht uns, dem Gesetz der Schwerkraft folgend, runter zur Küste. Die Strasse ist mittlerweilen wieder geteert und zieht sich in langen, geraden Abschnitten durch riesige Plantagen von Eukalyptus und Pinien. Ab und zu fahren wir an leuchtend grünen Teefeldern vorbei, in denen Arbeiter gerade mit einer beachtlichen Geschwindigkeit die frischen Blätter ernten (sie arbeiten im Akkord). Mr. Andy’s Goldi macht ein paar Probleme. Zuerst bricht eine Speiche und dann auch noch der Schnellspanner des Hinterrades. Im nächsten Ort versuchen wir einen Ersatz zu finden – ohne Erfolg. Die hiesigen chinesichen Fahrräder haben keine so zierlichen Teile... Aber nach ein paar erfolglosen Versuchen plötzlich ein Tip: es gibt hier eine kleine Werkstatt mit Drehbank und Gewindeschneider. Und obwohl es schon recht spät ist, fertigen uns die Typen dort aus einem Stück Rundeisen (stark genug für eine Lastwagenachse) eine neue Schraube, welche wir am nächsten morgen einbauen – es klappt.
Eines Abends fragen wir bei ein paar Hütten neben der Strasse um einen Platz für das Zelt. Durch Kommunikationsprobleme (mein Kisuaheli ist noch nicht wirklich besser geworden...) führt uns ein Junge zur archäologischen Ausgrabungstelle von Isimaila, wo 60'000 Jahre alte Steinwerkzeuge gefunden wurden. Wir fragen den Guide natürlich, ob James (der Engländer, welcher den Fussspuren der Menschheit folgt) auch hier war. „Yes, five days ago he was here, but now he’s gone to Dar es Salaam“, ist die Antwort. In Iringa, der nächsten Stadt, wollen wir gerade mit zwei Schweizer Freunden anstossen, als plötzlich James auftaucht. „One more!“, rufen wir dem Barkeeper zu – wie klein die Welt doch ist.
Die Hauptstrasse von Mbeya nach Dar es Salaam ist ziemlich stark befahren, auffallend die vielen grossen Reisebusse. Wenn sie dich überholen spührst du zuerst nur ein leichtes Vibrieren der Strasse, durch den ständigen Gegenwind hörst du sie aber nicht kommen (ausser wenn mit ihrer 110dB Hupe aus deinem Trommelfell ein Trümmerfeld machen). Als nächstes fühlst du nur ein leichtes Säuseln, welches aber urplötzlich von einem Orkan abgelöst wird, welcher an dir vorüberfegt, so dass du alle Mühe hast, mit deinem Fahrrad auf der Strasse zu bleiben. Als nächstes überholt dich dann die Geräuschkulisse des Busses, welche stark an die eines F1-Wagens erinnert. Das mit dem Nacheilen ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber für den Teils erbärmlichen Zustand dieser Ungetümer, fahren sie wirklich an der Grenze. Was dem Fahrradfahrer aber trotzdem Freude bereitet sind die Bilder und Sprüche, welche an der Rückseite der Busse aufgemalt sind. Bilder vom Past mit der segnenden Hand, von kitschigen Löwen und Kampfadlern oder auch anderen grossen und starken Tieren. Das beste aber sind die Sprüche: „In God we trust“ ist der Favorit, aber es steht auch „God be with us“, „God save us“ und sogar „Jesus, we believe in you“. Ob das ironisch gemeint ist, habe ich nocht nicht rausgefunden...
Der Mikumi NP ist einer der wenigen Nationalparks in Tanzania, welche auch Radler befahren dürfen. Wir beschliessen die Nacht am Rand des NP zu verbringen, um den Park dann in der Frische des Morgens zu durchqueren und so vielleicht ein paar Tiere zu sehen. Bevor wir unseren Plan in die Tat umsetzen können, werden wir von einm Auto abgefangen. „It’s very dangerous to cycle through the park in the dark, there are Lions and other harmful animals!“, warnt uns der Typ mit einem unüberhörbaren Schweizer Akzent. Joseph Gwerder, Muotataler und Besitzer des TAN-SWISS Restaurants von Mikumi Town, steht vor uns und lädt uns auch gerade ein bei ihm zu nächtigen. Später meint er, dass es nicht einfach ist so einen Betrieb aufzubauen, dass man die richtigen Leute kennen muss. Während er uns das auf Schweizer Deutsch erzählt, bestellt er für uns und natürlich auch für den hochrangigen tanzanischen Parlamentarier und dessen Freunde, welche mit uns am Tisch sitzen, noch eine Runde Bier. Tja, Beziehungen muss man haben...
Das letzte Stück bis Dar es Salaam verläuft auf Meereshöhe. Es ist ziemlich warm, durch den stetigen Gegenwind wird man aber schön runtergekühlt. Strassenverkäufer bieten Kokosnüsse, Mangos, Papayas und Bananen an. Wir freuen uns auf die grosse Stadt und nach mehr als 3500km natürlich auch wieder auf den grossen Ozean.

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21. Oktober 2003 - og