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Afrikanische Zustände
Das tönt irgendwie sehr negativ und ich bin mir sicher, dass viele
von Euch sich unter afrikanischen Zuständen ein falsches Bild machen.
Also so wie WIR es HIER täglich erleben sieht es etwa so aus: bis
jetzt sind wir fast nur auf geteerten Strassen gefahren. Die Autofahrer,
auch wenn sie eigentlich nicht fahren können, nehmen auf Velofahrer
Rücksicht und hupen lieber einmal (oder auch zehnmal) zuviel um
sich anzukündigen. Die meisten Dörfer haben irgendwo in ihrer
Umgebung eine Wasserpumpe oder ein Wasserloch. Das Wasser trinken wir
je nach dem mit oder ohne Tabletten, einen Filter haben wir nicht dabei.
Bis heute haben wir nur etwa 10 Liter Wasser gekauft (dafür habe
ich im Schnitt alle zwei Wochen mal Durchfall und erbrechen muss ich
7,7 mal mehr als zu Hause ). Auch das Essen ist abwechslungreich. Man
darf natuerlich keine haute cuisine erwarten (in Afrika ist Essen mehr
Selbstzweck denn Kulter), aber vielerorts kriegt man neben Maniok- und
Maisgrütze auch Reis, dazu Fleisch (Rind, Ziege oder Huhn) und
ein zwei Sorten Gemüse und Früchte. Je nach Gebiet hat man
aber nicht die grosse Auswahl. Beim Bier kann man zwischen lokal gebrautem
Chipuku oder westlichem Bier wählen, wobei aber nur letzteres eine
echte Wahl ist. Die Häuser der ottonormal-Afrikaner sind sehr einfach
gehalten. In manchen Gegenden rund mit Lehmmauern und Strohdach, in
anderen eckig mit Backsteinen und Wellblech, das WC meistens in einem
Häuschen ausserhalb. Elektrizität und fliessend Wasser gibt
es eigentlich nur in den grösseren Städten. Schnell sind wir
wieder bei den afrikanischen Gegensätzen; entweder eine einfache
Hütte oder dann schon fast eine Villa. Auch die Spitäler und
die Aerzte sind ok (ich bin da mittlerweilen eine kompetente Person).
Es liegen keine blutverschmierten Instrumente herum und es werden auch
keine Spritzen mehrmals verwendet. Die Infrastruktur ist sehr einfach
und oft sind die Spitäler überfüllt. Es mangelt an grundsätzlichen
Sachen wie einigen Medikamenten oder halt auch an Moskitonetzen, so
dass sich die Patienten während ihrer Genesung noch mit Malaria
anstecken. Durch die bescheidenen Mittel und die Unstetigkeit ihres
Umfeldes können die Afrikaner gut improvisieren. Sie leben und
deken in der Gegenwart, die Zukunft ist zu ungewiss, um sich darüber
den Kopf zu zerbrechen. Ein Geschäft ist geöffnet solange
es Kunden hat und ein Bus startet erst wenn er voll ist. Heute ist man
Strassenarbeiter, morgen vielleicht Tomatenverkäufer und übermorgen
macht man Business mit uns Mzungus. Es scheint als hätte das Leben
hier kein System, als gäbe es keinen Alltag, sondern nur Chaos.
Aber das Leben hier folgt anderen Gesetzen als bei uns und mit den Augen
der Mzungus sind diese nur sehr schwer zu erkennen.
Wie weit geht’s denn noch?
Das ist eine Frage die ich mir bisweilen (je nach Gemütsverfassung
ziemlich oft) stellen muss. Da unsere 1:4'000'000 Michelin Karte meistens
nicht weiterhilft und Strassen-schilder mit Entfernungsangaben auch
nicht zu dicht gesäht sind, fragen wir oft nach der Entfernung
bis zu unserem nächsten Ziel. Daraus ergeben sich dann meisten
lustige Konversationen. Die Afrikaner hier geben immer eine Auskunft,
auch wenn sie dich gar nicht verstehen oder auch gar keine Ahnung haben.
Zuerst muss man mal eine Frage stellen, die zeigt, ob dein Gegenüber
dich überhaupt versteht. Ja/Nein-Fragen sind generel nicht geeignet,
da „Yes „ und „No“ ziemlich geläufig sind
und ...... alles das steht auch in einem Reiseführer und ihr könnt
es dort nachlesen. Nach 80km ist man ab und zu einfach zu müde
um sich an all diese Regeln zu erinnern und man frägt dann einfach
die nächste Person: „How many kilometer is it to Makambako?“.
Wenn die Antwort dann 1200km lautet und du genau weist, dass es sich
nur noch um weniger als 10km handlen kann, fragst du am besten eine
andere Person. Zum Teil sind die Antworten aber nicht so abwägig:
„Twenty kilometers“. Du weisst aber, dass das vermutlich
auch noch nicht ganz sein kann (oder möchtest vielleicht etwas
anderes hören) und wiederholst deine Frage ganz langsam und in
aller Deutlichkeit. Die Antwort: „Twenty minutes“. Ein bischen
irritiert und mit dem Gedanken an Zeitverschwendung im Hinterkopf stellt
man dann die Frage nochmals um: „Kilometer how many to Makambako?“.
Die nächste Antwort: „One hour“. Ein letzter Versuch,
ein letztes Aufbäumen der Neugierde über die Vernunft: „Kilometer
Makambako?“, die einfachste Frage und als Antwort kriegst du dann
ein Lächeln und ein „Ten kotcha...“ (kotcha = lokale
Währung). Die Frage nach der Distanz ist ein schwieriges Unterfangen
hier. Für die Afrikaner sind (oder waren) so abstrakte Angaben
wie Kilometer oder Stunden nicht für die Beschreibung einer Wegstrecke
geeignet; wenn du hier am morgen losgehst, wirst du auf halbem Weg etwas
trinken müssen und wirst Hunger haben, wenn du in Makambako ankommst.
So geht das!
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