Afrikanische Zustände
Ostafrika 03

Stefan Schilli


home > berichte > 21. 10. 2003 - 4
 

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Afrikanische Zustände
Das tönt irgendwie sehr negativ und ich bin mir sicher, dass viele von Euch sich unter afrikanischen Zuständen ein falsches Bild machen. Also so wie WIR es HIER täglich erleben sieht es etwa so aus: bis jetzt sind wir fast nur auf geteerten Strassen gefahren. Die Autofahrer, auch wenn sie eigentlich nicht fahren können, nehmen auf Velofahrer Rücksicht und hupen lieber einmal (oder auch zehnmal) zuviel um sich anzukündigen. Die meisten Dörfer haben irgendwo in ihrer Umgebung eine Wasserpumpe oder ein Wasserloch. Das Wasser trinken wir je nach dem mit oder ohne Tabletten, einen Filter haben wir nicht dabei. Bis heute haben wir nur etwa 10 Liter Wasser gekauft (dafür habe ich im Schnitt alle zwei Wochen mal Durchfall und erbrechen muss ich 7,7 mal mehr als zu Hause ). Auch das Essen ist abwechslungreich. Man darf natuerlich keine haute cuisine erwarten (in Afrika ist Essen mehr Selbstzweck denn Kulter), aber vielerorts kriegt man neben Maniok- und Maisgrütze auch Reis, dazu Fleisch (Rind, Ziege oder Huhn) und ein zwei Sorten Gemüse und Früchte. Je nach Gebiet hat man aber nicht die grosse Auswahl. Beim Bier kann man zwischen lokal gebrautem Chipuku oder westlichem Bier wählen, wobei aber nur letzteres eine echte Wahl ist. Die Häuser der ottonormal-Afrikaner sind sehr einfach gehalten. In manchen Gegenden rund mit Lehmmauern und Strohdach, in anderen eckig mit Backsteinen und Wellblech, das WC meistens in einem Häuschen ausserhalb. Elektrizität und fliessend Wasser gibt es eigentlich nur in den grösseren Städten. Schnell sind wir wieder bei den afrikanischen Gegensätzen; entweder eine einfache Hütte oder dann schon fast eine Villa. Auch die Spitäler und die Aerzte sind ok (ich bin da mittlerweilen eine kompetente Person). Es liegen keine blutverschmierten Instrumente herum und es werden auch keine Spritzen mehrmals verwendet. Die Infrastruktur ist sehr einfach und oft sind die Spitäler überfüllt. Es mangelt an grundsätzlichen Sachen wie einigen Medikamenten oder halt auch an Moskitonetzen, so dass sich die Patienten während ihrer Genesung noch mit Malaria anstecken. Durch die bescheidenen Mittel und die Unstetigkeit ihres Umfeldes können die Afrikaner gut improvisieren. Sie leben und deken in der Gegenwart, die Zukunft ist zu ungewiss, um sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Ein Geschäft ist geöffnet solange es Kunden hat und ein Bus startet erst wenn er voll ist. Heute ist man Strassenarbeiter, morgen vielleicht Tomatenverkäufer und übermorgen macht man Business mit uns Mzungus. Es scheint als hätte das Leben hier kein System, als gäbe es keinen Alltag, sondern nur Chaos. Aber das Leben hier folgt anderen Gesetzen als bei uns und mit den Augen der Mzungus sind diese nur sehr schwer zu erkennen.


Wie weit geht’s denn noch?
Das ist eine Frage die ich mir bisweilen (je nach Gemütsverfassung ziemlich oft) stellen muss. Da unsere 1:4'000'000 Michelin Karte meistens nicht weiterhilft und Strassen-schilder mit Entfernungsangaben auch nicht zu dicht gesäht sind, fragen wir oft nach der Entfernung bis zu unserem nächsten Ziel. Daraus ergeben sich dann meisten lustige Konversationen. Die Afrikaner hier geben immer eine Auskunft, auch wenn sie dich gar nicht verstehen oder auch gar keine Ahnung haben. Zuerst muss man mal eine Frage stellen, die zeigt, ob dein Gegenüber dich überhaupt versteht. Ja/Nein-Fragen sind generel nicht geeignet, da „Yes „ und „No“ ziemlich geläufig sind und ...... alles das steht auch in einem Reiseführer und ihr könnt es dort nachlesen. Nach 80km ist man ab und zu einfach zu müde um sich an all diese Regeln zu erinnern und man frägt dann einfach die nächste Person: „How many kilometer is it to Makambako?“. Wenn die Antwort dann 1200km lautet und du genau weist, dass es sich nur noch um weniger als 10km handlen kann, fragst du am besten eine andere Person. Zum Teil sind die Antworten aber nicht so abwägig: „Twenty kilometers“. Du weisst aber, dass das vermutlich auch noch nicht ganz sein kann (oder möchtest vielleicht etwas anderes hören) und wiederholst deine Frage ganz langsam und in aller Deutlichkeit. Die Antwort: „Twenty minutes“. Ein bischen irritiert und mit dem Gedanken an Zeitverschwendung im Hinterkopf stellt man dann die Frage nochmals um: „Kilometer how many to Makambako?“. Die nächste Antwort: „One hour“. Ein letzter Versuch, ein letztes Aufbäumen der Neugierde über die Vernunft: „Kilometer Makambako?“, die einfachste Frage und als Antwort kriegst du dann ein Lächeln und ein „Ten kotcha...“ (kotcha = lokale Währung). Die Frage nach der Distanz ist ein schwieriges Unterfangen hier. Für die Afrikaner sind (oder waren) so abstrakte Angaben wie Kilometer oder Stunden nicht für die Beschreibung einer Wegstrecke geeignet; wenn du hier am morgen losgehst, wirst du auf halbem Weg etwas trinken müssen und wirst Hunger haben, wenn du in Makambako ankommst. So geht das!

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21. Oktober 2003 - og