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Ferien auf Zanzibar
In Dar es Salaam tauchen wir in das Gewuehl der Grosstadt ein. Buntes
Treiben herrscht auf den Strassen und Gassen: Arabische, afrikanische
und indische Haendler bieten lautstark ihre Waren an. Unzaehlige Bustaxis
und Autos waelzen sich in stinkend schwarzen Abgaswolken neben uns her,
wir muessen uns im immerwaehrenden Hupkonzert anschreien, damit wir
einander verstehen.
Nach einer kurzen Anklimatisierungszeit schliesse ich Dar schnell ins
Herz. Ich bin fasziniert, wie eng miteinander und gemischt hier Menschen
aus den verschiedensten Kulturen leben. Ein ganz banales Bsp: Will man
einkaufen, so hat man die Wahl zwischen dem afrikanischen Chaosmarkt,
einem europaeischen Supermarket, einem indischen Bazarquartier oder
dem Arabershop gleich um die Ecke. Bei diesem mulikulti Angebot findet
man bestimmt alles (und meistens noch viel mehr) als das Herz begehrt.
Mit der Faehre geht’s auf nach Zanzibar, wir wollen ein paar Tage
Ferien am Strand machen. Aus Zufall lernen wir Edy kennen, er hat mit
seiner Schweizer Frau ein Bungaloresort direkt am Meer. Im wunderbaren
tropischen Garten bietet er uns ein Plaetzchen fuer unser Zelt an. Glueck
gehabt, Zelten ist auf Zanzibar nicht erlaubt. Wir erholen uns bestens
im Schatten der Kokospalmen und beim Baden im tuerkisblauen Meer. Abends
kocht uns Edy was leckeres und wir diskutieren ueber den afrikanischen
Alltag und unsere Reiseeindruecke. Wir fuehlen uns so wohl, dass der
Abschied wirklich schwer faellt.
Auf der naechtlichen Rueckfahrt nach Dar giesst es wie aus Kuebeln:
Die Regenzeit setzt langsam ein. Von nun an regnet es jeden zweiten
Tag, manchmal nur fuer ein paar Stunden, manchmal den ganzen Tag.
Schlammschlacht statt Rad fahren
Von Dar fahren wir nordwaerts der Kueste entlang. Nach 70 km endet die
Teerstrasse, es geht weiter auf Pisten. Auf sandigen Pistenabschnitten
laesst es sich auch bei Regen gut fahren, schwieriger wird es auf Lehmpisten.
Der aufgeweichte Lehm blockiert innert wenigen Metern unsere Raeder,
sie lassen sich oft keinen Milimeter mehr drehen. Uns bleibt nichts
anderes ueberig, als die Velos zu tragen. Bei jedem Schritt rutschen
wir auf dem schmierigen Boden aus oder versinken knoecheltief im Schlamm.
Bald sind wir von oben bis unten braun, voll Schlamm, von den Velos
schon gar nicht zu sprechen. (In diesem Moment bin ich froh, muss ich
mein Goldi nicht zu Hanny ins Garage stellen!) Nun wissen wir was es
heisst: Piste waehrend Regenzeit unpassierbar!
In Tanga waschen wir uns von allem Schlamm sauber und baden das letzte
mal im Indischen Ozean. Meer adieu – bis wir wieder Salzwasser
riechen sind wir hoffentlich schon am Mittelmeer. Wir pedalieren weiter
durchs tropische Kuestenvorland. Es ist so heiss und feucht, dass die
Kleider den ganzen Tag auf der Haut kleben und gar nie trocknen.Unterwegs
besuchen wir die Amboni Caves. Wir sehen nur einen Bruchteil des riesigen
Hoehlensystems, sind aber tief beeindruckt. Fuer zwei Stunden wandern
wir mit einem Guide durch enge Gaenge, riesige Hallen, entlang von kristallbedeckten
Waenden. Maechtige Tropfsteine tauchen aus der Finsternis auf und leuchten
fahl im schwachen Licht unserer Taschelampen. An den Decken haengen
tausende von Fledermaeusen, wir gehen lautlos auf einer dicken Schicht
von ihrem Kot.
Afrikanische Veloreperaturen und 20 km Downhill
– yeahhh!
Wir lassen die heisse Kueste endgueltig hinter uns und machen einen
Abstecher in die Usambara Berge. Leider macht mein Hinterrad wieder
einmal schlapp (der Stern an der Nabe, auf dem der Freilaufkoerper sitzt
dreht durch). Ach Scheisse, diesmal scheint der Schaden wirklich unreparierbar
- ich sehe mich schon mit dem Bus nach Arusha fahren....
Zusammen studieren wir an einer moeglichen Reparatur herum und finden
tatsaechlich eine Loesung. Mit einer sauberen Presspassung sollten wir
die zwei Teile wieder fest miteinander verbinden koennen. Tja, gute
Idee, sehr gute Idee sogar, nur haben wir das noetige Werkzeug nicht!
(Und wie Walo schon immer sagte: Man kann nicht mit Luft arbeiten)
In einer Garage finden wir eine Bohrmaschine, in einer anderen eine
Eisensaege, auf dem Schrott die passenden Stahlstifte und beim arabischen
Haendler einen krummen Stahlbohrer (natuerlich ruecken die lieben Leute
das Werkzeug erst nach zaehen Verhandlungen leihweise ueber den Ladentisch...).
Zu guter letzt reparieren wir das Rad, den schwarzen Zuschauern bleibt
ueber unsere Schweizer Praezisionsarbeit glatt die Spucke weg. Am naechsten
Tag fahren wir durch Regenwaelder, Wolken hangen tief an den bewaldeten
Huegeln. Schon bald beginnt es zu regnen. Ich meine nicht einfach zu
regnen, sondern richtig zu regnen! Es schuettet und giesst in einem
grossen Wasserstrahl vom Himmel herab. Die Piste verwandelt sich voruebergehend
in einen kleinen Fluss, unglaublich wie viel Wasser da in kuerzester
Zeit zusammenkommt. Gegen Abend kommen wir an den Rand der Usambara
Berge. Ploetzlich stehen wir an einer steilen Abbruchkante, 1000 Meter
unter uns breiten sich die trockenen, braunen Weiten der Masaai Steppe
bis zum Horizont aus. Als haette sich der Himmel ausgeregnet, bricht
die Sonnne durch die Wolken und taucht die ganze Landschaft in ein schoenes
Abendlicht. An der steilen Bergflanke windet sich unsere Piste in unzaehligen
Kurven abwaerts. 20 km Abfahrt mit einer ueberwaeltigenden Aussicht!
Juhuiiiiiiiii, mit einem langen Juchzer schwingen wir uns in die Saettel
und lassen uns den Fahrtwind um die Ohren brausen.
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