Auf dem Vikoriasee
Tanzania November 03

Stefan Schilli


home > berichte > 21. 12. 2003 - 1
 

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Gleichzeitig mit schwarzen Wolken kommen wir in Mwanza an und es erstaunt mich nicht, dass bald ein sintflutartiger Regen einsetzt, welcher die Stadt binner 30 Minuten in eine Seenlandschaft verwandelt: kleinere und grössere Pfützen und Flüsschen zwingen Fahrzeuge zu einem lustigen Slalom durch die Strassen und die Fussgaenger zu gewagten Einlagen. Ich beobachte einen Afrikaner, der gerade versucht mit seinen Sonntagshosen (zu welchen die Männer hier besondere Sorge tragen), eines der grösseren Flüsschen zu überqueren. Mit akrobatischen Verrenkungen und der Hilfe dreier Steine versucht er das Unmögliche möglich zu machen und das Vorhersehbare abzuwenden. Es gelingt ihm, aber leider nur fast… ich kann mir das Lachen nicht verkneiffen.

Ein Schiff bringt uns nachts ueber den Viktoriasee. Es ist nicht mehr wie früher - die Schiffe legen pünktlich ab, kommen in der Zeit und erst noch am richtigen Ort an, sind in einem guten Zustand und nicht mal überfüllt. Wir schlafen neben den Bikes auf dem Autodeck.
Ich träume: Ich stehe am Reeling, schaue ueber das Wasser. Es wird kalt als ich die Leichen sehe, unzaehlige, namenlos, zeitlos. Im fahlen Spiegel des nächtlichen Sees hinterlassen sie dunkle Flecken, so auch im Herzen vieler Menschen. Zuviele dunkle Stellen, ein menschlicher Abgrund. Es ist nun fast 10 Jahre her, als in Rwanda Hunderttausende umgebracht wurden und diese Bilder bei uns ueber die Bildschirme flimmerten. Es beschäftigt mich, dass in einer Gegend so schön und reich beschenkt wie dieser so etwas geschehen konnte. Konnte? Es geschieht immer noch! In Burundi, im Kongo, in Sumatra, in … auf der Welt, unter Menschen.

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22. Dezember 2003 - og