Ein kleines Theater
Uganda Dezember 03

Stefan Schilli


home > berichte > 21. 12. 2003 - 4
 

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Auf dem Weg von den Rwenzoris in die Hauptstadt Kampala machen wir eines schönen Tages einen Halt in einem kleinen Restaurant um uns mit einer Mahlzeit zu staerken. Ironie des Schicksals, der Name des Restaurants ist Friendship. Wir werden äusserst freundlich und zuvorkommend bedient und verlassen glücklich und zufrieden die Gebäulichkeiten. Nach cirka drei Minuten bemerke ich, dass dümmlicherweise meine Brieftasche im Friendship Restaurant zurückgeblieben ist. Mit einem komischen Gefühl fahre ich zurück… Der Besitzer streitet alles ab, als Zeugin führt er seine Schwester auf. Ich entleere den Inhalt meiner Fahrradtaschen demonstrativ auf den Boden, um zu beweisen dass ich die Brieftasche nicht eingesteckt habe. Binnen Sekunden versammelt sich eine Menge von cirka 50 Schaulustigen, welche per Zufull gerade nichts bessers zu haben, als mir zuzuschauen. Ich verlange nach der Polizei. Wir gehen auf den Posten, ein halbdunkler Raum, es liegen Knüppel und Gürtel rum. Die Schwester des Besitzers wird rausgeschickt und es kommt zu einem Aufklärungsversuch. Dem Besitzer wird mit der Zelle gedroht, doch die ganze Sache wirkt wie ein schlecht gespieltes Theater. Vermutlich sind Besitzer und Polizist miteinander verwandt und wissen schon wie sie den Betrag aufteilen werden. Wir lassen eine Adresse zurück für den Fall, dass vielleicht noch die Dokumente auftauchen werden. Man weiss ja nie, es gibt ja schliesslich auch Diebe mit Charakter.

Dieser Zwischenfall nervt mich nur kurz, denn bis jetzt hatten wir noch nichts dergleichen zu beklagen. Du wirst vielleicht jeden Tag ein paar mal über den Tisch gezogen, aber erstens handelt es sich nur um kleine Beträge und zweitens merkst du das ja meistens gar nicht. Die Leute sind sehr freundlich, nur selten aufdringlich. Wir beantworten tausend mal pro Tag das woher und wohin und bekräftigen auf Anfrage, dass auch wir hungerig sind und unser Geld selber brauchen. In Afrika leben viele Menschen, ein Grossteil davon sind Kinder und mindestens der hälfte habe ich schon einmal zugewunken. Wenn wir etwas zum Schlafen suchen, findet sich immer jemand der hilft. Wenn es bei ihm nicht geht, werden wir zum Dorfchef gebracht und der weist uns dann ein Plätzchen zu, zum Beispiel neben der Schule oder der Kirche . Dabei nehmen sich die Leute unglaublich viel Zeit. Ohne diese bedingungslose Unterstützung von vielen Afrikanern wäre unsere Reise nicht durchzuführen.

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22. Dezember 2003 - og