![]() |
|
Gedanken ueber ein Abendessen in Kampala Andreas Kunz home > berichte > 18. 02. 2004 - 1 |
| home berichte bilder route kontakt links |
|
< letzter Bericht | nächster Bericht >
Aus einem hungerigen Beduerfnis heraus mache ich mich
eines fruehen Abends auf ins Stadtzentrum. Mein Logie liegt ein bischen
ausserhalb, ich zwaenge mich daher in das naechste, bereits zum bersten
vollbesetzte “Matatu” (Bustaxi). Ich mache mich auf die
Suche nach einem netten Gartenlokal, welches ich ein paar Tage zuvor,
im Vorbeifahren aus eben einem solchen Taxi, ausgemacht habe. Nachdem
ich suchend durch ein paar Strassen geirrt bin, stehe ich mit einem
Mal vor dem gesuchten Lokal. Vieleicht hat mir der Hunger zu diesem
Zeitpunkt schon ein wenig die klare Wahrnehmung vernebelt; ich merke
auf jeden Fall nicht, dass es sich beim vermeintlichen Lokal nicht um
ein nettes Restaurant mit Gartenterrasse, sondern um eine Moschee handelt.
Ich platze also mitten in die betenden Glaeubigen herein und kann die
peinliche Situation nur halbwegs durch einen schnellen Abgang retten.
Einmal draussen, betrachte ich das Gebaeude nochmals genauer und stelle
fest, dass ich mich, von der mit Tischen und Stuehlen besetzten Terrasse,
in die Irre habe leiten lassen. Auf der besagten Terrasse wird Tee leider
nur an Glaeubige ausgeschenkt, so dass ich als “Unglaeubiger”
hungerig ein anderes Lokal suchen muss. In diesem Augenblick offenbart sich wie ueberaus solidarisch Afrikaner agieren koennen. Am Geschehen voellig unbeteiligte Passanten, wahrscheinlich verfuegen diese (wie die meisten Automobilisten) ueber keine Autolenklizenz, dringen mit akrobatischen Klettereinlagen zum Herz dieses verkehrstechnisch gortischen Knotens vor. Unter Lebensgefahr versuchen sie Ordnung in das verkeilte Autochaos zu bringen. Nun zeigt sich wiederum die andere Seite des afrikanischen Wesens: Missgunst und Ruecksichts-losigkeit. Hat naemlich ein Verkehrsschlichter ein kleinwenig Platz fuer ein Taxi geschaffen, fuehlen sich alle anderen Taxis benachteiligt, was sie deutlich mit einer Steigerung des allgemeinen Hupkonzerts zum Ausdruck bringen. Sie lassen die Motoren aufheulen und schliessen die Luecken wieder - „wer will denn schon dem anderen den Vortritt lassen?“ Wollte sie am Anfang zur Loesung des Problems beitragen, macht nun dieselbe afrikanische Seele, im gleichen Atemzug, wieder alles zunichte. Nun hilft auch beste Diplomatie und groesste Solidaritaet nicht weiter – die Situation ist verfahren. Zum Glueck wurde bis zu diesem Augenblick die Polizei auf den kleinen Mangel in der staedtischen Verkehrsfuehrung aufmerksam. Verstaendlich dauerte es seine Zeit, denn Polizisten koennen ja ihr Kartenspiel nicht wegen jedem Verkehrsstau unterbrechen. Da kaeme ja keiner zum Ausgeben und das Spiel nur stockend, um nicht zu sagen stauend voran. Den Ernst der Lage erkennend, ruecken die Ordnungshueter (es tauchen deren zwei auf) ihre Maschinenpistolen zurecht und beginnen mit der Arbeit. Mittels unsanfter Schlaege auf die Karrosserie oder auch mal mit einem Tritt in den Heckfluegel schaffen sie die noetigen Zentimeter Freiraum, um in der Mitte der Kreuzung eine freie Gasse zu bilden. Sofort ergiesst sich von einer Seite her ein Blechlawine in den Freiraum und die Arbeit beginnt von vorne. Zu diesem Zeitpunkt verlasse ich den Schauplatz des Geschehens um mir endlich mein langersehntes Dessert zu goennen. Ich entscheide mich von 14 Eissorten fuer Vanillie und Schockolade. Die anderen Eissorten sind leider ausverkauft, wie mir die Eis-verkaeuferin laechelnd mitteilt. Morgen, so versichert sie mir wie tags zuvor, sei aber wieder die ganze Ausahl von 14 Eissorten erhaeltlich. Gluecklich darueber, dass ich in kein Taxi gestiegen und nun im Stau stehe, geniesse ich mein Eis. Die kleinen Freuden versuessen das Leben! |