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Nach den geruhsamen Tagen in Maralal, der Zeit mit Rahim und seiner
Familie – wie schoen ist es doch sich zuhause zu fuehlen, verlasse
ich einwenig schweremuetig das bunte Treiben dieser Stadt. Schon jetzt
vermisse ich die morgendlichen Pancakes beim Somali, den alltaeglichen
Smalltalk mit rund zweiduzend Strassenguides und natuerlich die gemuetlichen
„sit-in’s“ bei Rahims kleiner Wohnung. Unsere Tour
soll auf der oestlichen Seite des Turkana Sees entlang gegen Norden
bis zur Aethiopischen Grenze fuehren.
Was vor uns liegt, das weiss ich nicht so genau, sollte ich den zahlreichen
Stories Glauben schenken, waere es wohl am ehsten der Wilde Westen.
Im Norden, so sagt man, sei es unglaublich heiss und trocken, die Strassen
schlecht und es gaebe mehr Kamele als Menschen. Die Menschen wiederum
seien ziemlich wild und klauen sich gegenseitig die Viecher. Irgendwie
hat sich das zu einer Art Volkssport entwickelt und man ist kein richtiger
Moran (Krieger), wenn man sich nicht mal an Nachbars Rindern vergriffen
hat. Dabei werden natuerlich nicht die Leute des eigenen Clans beklaut,
so dass es hin und wieder zu kleineren Stammesfehden kommt, ein Gebiet
hat sogar den vielsagenden Uebernamen „little Kosova“ bekommen.
Frueher, als man sich auf traditionelle Kampfkunst ( -> Knueppelschwingen)
besann, ging das ziemlich glimpflich aus, aber mittlerweilen besitzten
die meisten Schafhirte eine AK-47 aus dem Sudan und so entwickelt sich
ein „Cattle Raid“ schnell zu einer blutigen Angelegenheit,
bei der die Polizei normalerweise die Taktik des Biertrinken und Abwarten
anwendet.
Neben diesen und anderen Stories geben uns die Leute auch
viele gutgemeinte Ratschlaege, wie so eine Reise am besten zu ueberstehen
sei. Manche raten uns 1kg Kamelfleisch zu essen, danach koenne man drei
Tage ohne weitere Nahrung durchfahren. Andere schlagen vor, in rauhen
Mengen Mirra (Pflanze, deren Blaetter gekaut eine belebend-berauschende
Wirkung haben) oder Kautabak zu nehmen um so im Dauerflash die Strapazen
zu ueberstehen. Mit gemischten Gefuehlen machen wir uns also auf um
bald einmal festzustellen, dass viele dieser Geschichten wohl eher aus
dem Reich der Maerchen und Legenden entstammen.
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