WWW - „in the Wild Wild West“
(Maralal, Kenya Januar 2004 )

Stefan Schilli


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Nach den geruhsamen Tagen in Maralal, der Zeit mit Rahim und seiner Familie – wie schoen ist es doch sich zuhause zu fuehlen, verlasse ich einwenig schweremuetig das bunte Treiben dieser Stadt. Schon jetzt vermisse ich die morgendlichen Pancakes beim Somali, den alltaeglichen Smalltalk mit rund zweiduzend Strassenguides und natuerlich die gemuetlichen „sit-in’s“ bei Rahims kleiner Wohnung. Unsere Tour soll auf der oestlichen Seite des Turkana Sees entlang gegen Norden bis zur Aethiopischen Grenze fuehren.

Was vor uns liegt, das weiss ich nicht so genau, sollte ich den zahlreichen Stories Glauben schenken, waere es wohl am ehsten der Wilde Westen. Im Norden, so sagt man, sei es unglaublich heiss und trocken, die Strassen schlecht und es gaebe mehr Kamele als Menschen. Die Menschen wiederum seien ziemlich wild und klauen sich gegenseitig die Viecher. Irgendwie hat sich das zu einer Art Volkssport entwickelt und man ist kein richtiger Moran (Krieger), wenn man sich nicht mal an Nachbars Rindern vergriffen hat. Dabei werden natuerlich nicht die Leute des eigenen Clans beklaut, so dass es hin und wieder zu kleineren Stammesfehden kommt, ein Gebiet hat sogar den vielsagenden Uebernamen „little Kosova“ bekommen. Frueher, als man sich auf traditionelle Kampfkunst ( -> Knueppelschwingen) besann, ging das ziemlich glimpflich aus, aber mittlerweilen besitzten die meisten Schafhirte eine AK-47 aus dem Sudan und so entwickelt sich ein „Cattle Raid“ schnell zu einer blutigen Angelegenheit, bei der die Polizei normalerweise die Taktik des Biertrinken und Abwarten anwendet.

Neben diesen und anderen Stories geben uns die Leute auch viele gutgemeinte Ratschlaege, wie so eine Reise am besten zu ueberstehen sei. Manche raten uns 1kg Kamelfleisch zu essen, danach koenne man drei Tage ohne weitere Nahrung durchfahren. Andere schlagen vor, in rauhen Mengen Mirra (Pflanze, deren Blaetter gekaut eine belebend-berauschende Wirkung haben) oder Kautabak zu nehmen um so im Dauerflash die Strapazen zu ueberstehen. Mit gemischten Gefuehlen machen wir uns also auf um bald einmal festzustellen, dass viele dieser Geschichten wohl eher aus dem Reich der Maerchen und Legenden entstammen.

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21. Februar 2004 - og