Von Veganern und anderen Gaunern...
(Maralal – Lake Turkana, Kenya Januar 2004)

Stefan Schilli


home > berichte > 19. 02. 2004 - 2
 

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Wir kaempfen uns einer steilen Strasse entlang, welche auf eine halbbewaldete Hochebene mit weiten Weidegruenden und vereinzelten Bomas ( kleine eingezaeunte Siedlungen, bestehend aus mehreren Haeuschen, Schlafstelle fuer Mensch und Tier) fuehrt. Der Duft der Kiefern in der heissen Mittagszeit ist einfach betoerend. Die Menschen hier leben ihre Traditionen. Die Maenner sind in rot-karrierte Tuecher gehuellt, tragen viel Kopfschmuck und rotgefaerbte Haare, die Frauen bekleiden sich mit unifarbenen Tuechern, tragen nur wenig Kopfschmuck und sind kurzgeschoren, duzende Ketten aus Plastikperlen, bunt und in allen Groessen, bedecken Hals und Schultern. Mit ihren schwarzen Koepfen und den vielen bunten Ketten sehen sie aus wie seltsame Blumen.

Das Leben ist sehr einfach. Im grossen Stil wird nichts angebaut, vielleicht ein wenig Mais, Kartoffeln und Blattgemuese. Die Leute sind stolz darauf sich fast nur von den Produkten ihrer Viecher zu ernaehren. Dazu zaehlen Milch, Blut und Fleisch von Schafen und Ziegen, von Rindern und neuerdings auch von Kamelen, welche bei Duerre resistenter sind. Obwohl es fast nicht sein kann, sind die Leute gesund und sehen auch so aus, also was soll der ganze Scheiss vonwegen zuviel Fleisch essen, haut rein meine Freunde, ein halbes Laemmchen oder Fohlen ist doch erst ein Anfang, oder?!

Weiter im Norden wird das Land sehr oede und nur noch selten treffen wir auf Menschen. Es sind dann zumeist Hirten, welche hier nicht den Hirtenstab, sondern ihre Kalaschnikov ueber den Schultern tragen. Sie hueten ihre Schafe und Ziegen - wie diese hier genuegend Nahrung finden, ist mir jedoch ein Raetsel. Sobald sie uns sehen verlangen sie nach Wasser, was sie nicht aus bitterer Not tun, sondern aus dem Gefuehl heraus, dass sie von einem Mzungu immer etwas kriegen. Natuerlich aber auch weil es zum naechsten Wasserloch scheisse weit ist und sie daher lieber den Weg des geringsten Widerstandes gehen, was in diesem Umfeld ueberlebensnotwendig sein kann. Den Luxus einen anderen Weg zu waehlen kennt man nur in der Ersten Welt.

Auf unserer Route liegen wenig Siedlungen und fast alle besitzen eine Mission, wo wir schmutzige, stinkende und abgekaempfte Radfahrer immer einen Platz zum Schlafen erwarten koennen. Dabei ist die Mission fuer die Leute hier vielmehr als nur Religion, meistens besitzen diese Institutionen abgesehen von einer Kirche auch eine kleine Krankenstation, eine Schule, einen Fahrzeugpark, eine kleine Werkstatt und eine Funkstation. Im speziellen Fall der kleinen Siedlung von South Horr auch einen Missionsgarten, wo mit viel Liebe himmlische Mangos, Papayas, Orangen und Bananen gedeihen. Diese Siedlungen sind zugleich Trading Centres, wo die Menschen aus den umliegenden „Bomas“ hingehen, um ihre Waren an den Mann zu bringen, um sich auszutauschen und einen Chai zu trinken. Am Abend ist europaeischer Fussball via Satelliten-Empfang angesagt. Tja der Fortschritt macht auch hier draussen keinen Halt. Es ist ein komisches Gefuehl neben einem Typen mit Kurzschwert und Kopfschmuck Premier League zu kucken, aber immer noch besser als neben einem englischen Hooligan!

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21. Februar 2004 - og