Der grosse Prinz
(Illeret, Kenya Januar 2004)

Stefan Schilli


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Illeret ist die letzte Siedlung vor der Grenze nach Aethiopien. Ich moechte diesen kleinen Ort, nicht etwa abschaetzig aber eher den Tatsachen entsprechend, als den Arsch der Welt bezeichnen. Eine sandige Strasse zerschneidet das Doerfchen, welches hauptsaechlich aus Iglu-foermigen Behausungen besteht, welche hier nicht aus Stroh und Lehm, sondern aus rostigen Wellblechstuecken gefertigt sind, so dass es eher trostlos wirkt. In Illeret gibt es zudem ein paar schmudelige Shops, eine verloterte Polizeistation, eine kleine Schule und die Mission. Diese wird vom Missions-Benediktiener Vater Florian geleitet. Dass er ein Priester ist, erkennt man nur am fruehen Morgen, wenn er sich das weisse Gewand ueberzieht und zum Gebet geht. Auesserlich ist er der einfache Typ: Flippers, kurze Hosen, T-Shirt und Hut. Sein kantiges Gesicht, der klare Blick, ein Schnurrbart, sowie der nicht ganz moderne Haarschnitt erinnern mich an alte Fotos von Entdeckern und Siedlern. Doch vergilbt ist der Typ nicht, eher zeitlos.

Vater Florian ist nicht ein Diener der Kirche sondern ein Diener Gottes, einer fuer die Menschen. Er wirkt ruhig und abgeklaert, aber doch menschlich. Er ist nicht erstaunt ueber unser Erscheinen. Fuer Ihn ist es ein Tag wie jeder andere und das stimmt ja auch, denn fuer seine Gemeinde haben wir keine groessere Bedeutung. Er behandelt Aendu und mich gleich wie alle anderen und das tut gut. Zusammen haben wir zwei einfache schoene Abende und der Priester geniesst es, wiedermal in seiner Sprache zu erzaehlen und zuzuhoeren. Vater Florian ist auf dem Boden der Realitaet geblieben, auf dem gleichen harten Boden wo sich auch seine Schaefchen befinden. Er schaut zu den Kranken und Verletzten, entwickelt den Bau neuer Haeuser, gibt Tips in der Werkstatt, ist Schlichter bei Streitigkeiten und er faehrt gerne und schnell mit dem Landrover. Aber vorallem ist er Visionaer geblieben, er weis was er macht und wo die Sache hinfuehren soll und mit durchdachten Projekten versucht er, eine gesicherte Zukunft fuer die Menschen hier zu erreichen. Der Mann hat eine besondere Aura, eine Energie die man entwickelt, wenn man das tut, wofuer man erschaffen wurde. Erst spaeter erfahren wir, dass Vater Florian nicht nur in Afrika, sondern auch in Deutschland ein echter Prinz ist.

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21. Februar 2004 - og