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Noerdlich von Ileret fahren wir ueber die Grenze nach Aethiopien. Zwei
Tage lang folgen wir einer Jeepspur durch den Busch in der Hoffnung,
es handle sich dabei um die auf unserer Karte eingezeichnete Piste.
Es geht durch das riesige Omodelta. Alle Kilometer ueberqueren wir ausgetrocknete,
sandige Flusslaeufe. In der Regenzeit waere hier nur ein beschwerliches
Durchkommen moeglich. Unterwegs treffen wir auf Gruppen von Dassanitch-Leuten.
Dieser Stamm lebt wie einige andere Staemme halbnomadisch im Grenzgebiet
von Kenya und Aethiopien. Die Dassanitch-Frauen kleiden sich nur um
die Hueften mit Ziegenhaeuten, ansonsten gehen sie nackt. Das alte und
verschwitzte Leder stinkt zum Himmel – mir stellt es zuweilen
beinahe den Atem ab. Die Lederhaeute sind mit kleinen weissen Muscheln
verziert und werden mit Metallringen zusammengehalten. Beim Gehen klippern
und klirren die Muscheln und Ringe froehlich vor sich hin. Milch und
Wasser werden in Kalebassen gelagert, keine der Frauen benutzt irgendein
Gefaess oder ein Beutel aus Kunststoff oder Leine, alles ist aus Leder.
Interessanterweise tragen nur die Frauen schwere Lasten (Holz, Wasser,
Getreide), Maenner tragen, wenn ueberhaupt, nur ihr Gewehr. Die Sippen
ziehen mit ihren Herden im Grenzgebiet von Ort zu Ort wo es Wasser und
Futter fuer die Tiere gibt. Der abstrakte Begriff einer Landesgrenze
hat fuer sie keine Bedeutung. Ich bezweifle, dass es sie interessiert,
ob sie Kenyaner oder Aethiopier sind.
Das Land und seine Bewohner erscheint mir hier sehr urspruenglich und
einzigartig. Diese Menschen leben eine seit Generationen bewaehrte Lebensweise,
scheinbar fast unberuehrt vom Laufe der Zeit. Einzig die kaputen Armbanduhren
an beiden Handgelenken und natuerlich die Kalaschnikow ueber der Schulter
zeugen von einer „modernen Welt“. Die nilotischen Staemme
im Omogebiet gehoeren von ihrem Aussehen und ihrer Lebensweise zu den
schwarzafrikanischen Voelkern. Sie haben mit den Bewohnern des aethiopischen
Hochlandes wenig gemeinsam.
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