Ueber die “gruene Grenze”
(Ileret – Jinka, Nordkenya & Suedaethiopien im Januar 2004 )

Andreas Kunz


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Noerdlich von Ileret fahren wir ueber die Grenze nach Aethiopien. Zwei Tage lang folgen wir einer Jeepspur durch den Busch in der Hoffnung, es handle sich dabei um die auf unserer Karte eingezeichnete Piste. Es geht durch das riesige Omodelta. Alle Kilometer ueberqueren wir ausgetrocknete, sandige Flusslaeufe. In der Regenzeit waere hier nur ein beschwerliches Durchkommen moeglich. Unterwegs treffen wir auf Gruppen von Dassanitch-Leuten. Dieser Stamm lebt wie einige andere Staemme halbnomadisch im Grenzgebiet von Kenya und Aethiopien. Die Dassanitch-Frauen kleiden sich nur um die Hueften mit Ziegenhaeuten, ansonsten gehen sie nackt. Das alte und verschwitzte Leder stinkt zum Himmel – mir stellt es zuweilen beinahe den Atem ab. Die Lederhaeute sind mit kleinen weissen Muscheln verziert und werden mit Metallringen zusammengehalten. Beim Gehen klippern und klirren die Muscheln und Ringe froehlich vor sich hin. Milch und Wasser werden in Kalebassen gelagert, keine der Frauen benutzt irgendein Gefaess oder ein Beutel aus Kunststoff oder Leine, alles ist aus Leder. Interessanterweise tragen nur die Frauen schwere Lasten (Holz, Wasser, Getreide), Maenner tragen, wenn ueberhaupt, nur ihr Gewehr. Die Sippen ziehen mit ihren Herden im Grenzgebiet von Ort zu Ort wo es Wasser und Futter fuer die Tiere gibt. Der abstrakte Begriff einer Landesgrenze hat fuer sie keine Bedeutung. Ich bezweifle, dass es sie interessiert, ob sie Kenyaner oder Aethiopier sind.
Das Land und seine Bewohner erscheint mir hier sehr urspruenglich und einzigartig. Diese Menschen leben eine seit Generationen bewaehrte Lebensweise, scheinbar fast unberuehrt vom Laufe der Zeit. Einzig die kaputen Armbanduhren an beiden Handgelenken und natuerlich die Kalaschnikow ueber der Schulter zeugen von einer „modernen Welt“. Die nilotischen Staemme im Omogebiet gehoeren von ihrem Aussehen und ihrer Lebensweise zu den schwarzafrikanischen Voelkern. Sie haben mit den Bewohnern des aethiopischen Hochlandes wenig gemeinsam.

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11. April 2004 - og