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Nach 10 Tagen Ruhepause muss ich raus aus Addis. Ich habe genug von
dieser Stadt, von den vielen Autos und der grauen Betonwelt. Zischtig
bleibt noch einige Tage um seine Lungenentzuendung vollends zu kurieren.
So verabreden wir uns in Bahir Dar. Die Strasse fuehrt weiter uebers
aethiopische Hochland nach Nordosten. Weite Grasebenen breiten sich
aus, goldgelbes Gras wiegt sanft im Wind, es weiden viele Pferde und
Kuehe, Schafe und Ziegen. Auf den Feldern ernten die Bauern Tef. Es
herrscht ein froehliches, emsiges Treiben. Land-maschinen gibt es keine,
alles wird von Hand und mit der Zughilfe von Ochsen oder Pferden gemacht.
Die Leute sind hier freundlich, lachen und winken mir zu. Es macht richtig
Spass uebers Land zu fahren.
Bei der grossen orthodoxen Kirche von Debre Libanos mache ich Pause.
Das taegliche Leben in Aethiopien ist eng an den Glauben gebunden. Die
Kirche nimmt eine hohe Stellung ein, Priester und Moenche werden von
den Leuten respektvoll behandelt. Die Messen werden mehrmals taeglich
gelesen, oft sind die Kirchen gut besetzt oder voll. Auch Junge in meinem
Alter gehen taeglich zur Messe, Glaubensfragen sind gaengige Gespraechsthemen.
Oft werde ich gefragt, welcher Religion ich angehoere und ob ich regelmaessig
zur Kirche gehe. Ueber meine religioesen Ansichten ist der eine oder
andere Aethiopier ein wenig bestuertzt, entsprechen sie doch nicht gerade
ihren Idealvorstellungen. Die Gespraeche sind aber sehr anregend, bringen
sie mich doch dazu ueber meine persoenliche Einstellung zum christlichen
Glauben und der Kirche nachzudenken.
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