Fuck You!!!!!
(Debre Libanos – Bahir Dar, Aethiopien im Februar 2004 )

Andreas Kunz


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Das Hochland wird im Nordosten von der gewaltigen Nilschlucht durchschnitten. Mir bleibt die Spucke weg, als ich im Nachmittagslicht am Rand der steil abfallenden, roetlichen Felsen stehe. Es geht einige hundert Meter senkrecht hinunter auf Zwischenplateaus, welche sich wiederum in scheinbar bodenlosen Schluchten verlieren. Den Blauen Nil sieht man von oben nicht. Er fliesst 1700 Meter tiefer unten, verborgen hinter all den schroffen Felswaenden. Italienische Strassenbauer haben waehrend des 2. WK eine Strasse durch die Schlucht gebaut – ein kleines Meisterwerk entlang der Felswaende und Abgruende. Die Abfahrt auf der Schotterpiste zieht sich ueber eine Stunde hin, auf der anderen Seite kann ich mein Goldi ganze fuenf Stunden wieder zur Schlucht rausschieben. Abends um 22 Uhr stehe ich am Schluchtrand auf der anderen Seite. Ich bin so geschafft, dass ich fast im Stehen einschlafe.
Die weitere Srecke bis Bahir Dar wird zu einer der haertesten der ganzen Reise. Die Piste ist miserabel und sehr staubig, ich komme nur schlecht vorwaerts. Die Amhara-Leute hier sind aeusserst abweisend und unfreundlich. Zu oft rufen mir die Kids „Fuck you“ zu und schmeissen mir Steine nach. Wenn ich die Erwachsenen nach einer Auskunft frage, bekomme ich als Antwort Gelaechter oder eisiges Schweigen. Wieviel wuerden mir hier ein paar Saetze in Amharik helfen! Ich hoere wieder tausendmal pro Tag „iu!“, „iu!“, „iu!“ und werde endlos angebettelt. Von morgens bis abends habe ich keine einzige ruhige oder erholsame Verschnaufpause. Die Anstrengungen und all die erwaehnten Erlebnisse werden zuviel fuer mich. Abends fluechte ich von der Strasse ins naechste Hotel und mag kein einziges aethiopisches Gesicht mehr sehen. Aus dem Schlaf kann ich neue Energie und Zuversicht gewinnen um am naechsten Tag weiterzuradeln. Zum ersten mal auf der Reise beginne ich die Tage zu zaehlen, bis ich ein Land verlassen kann. Ich habe die Schnautze gestrichen voll und manchmal die groesste Lust einem mitten ins Gesicht zu schlagen, nur weil er mich bloed angrinst und „iu!“, „iu!“, „iu!“ sagt. Mich erstaunt nicht, dass ich eben in diesen Tagen eine Angina bekomme. In Bahir Dar mache ich aber wieder sehr nette Bekanntschaften; bei Milchkaffee, Kuchen und wohltuenden Gespraechen ist die ganze Sache nur noch halb so schlimm!

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11. April 2004 - og