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Das Hochland wird im Nordosten von der gewaltigen Nilschlucht durchschnitten.
Mir bleibt die Spucke weg, als ich im Nachmittagslicht am Rand der steil
abfallenden, roetlichen Felsen stehe. Es geht einige hundert Meter senkrecht
hinunter auf Zwischenplateaus, welche sich wiederum in scheinbar bodenlosen
Schluchten verlieren. Den Blauen Nil sieht man von oben nicht. Er fliesst
1700 Meter tiefer unten, verborgen hinter all den schroffen Felswaenden.
Italienische Strassenbauer haben waehrend des 2. WK eine Strasse durch
die Schlucht gebaut – ein kleines Meisterwerk entlang der Felswaende
und Abgruende. Die Abfahrt auf der Schotterpiste zieht sich ueber eine
Stunde hin, auf der anderen Seite kann ich mein Goldi ganze fuenf Stunden
wieder zur Schlucht rausschieben. Abends um 22 Uhr stehe ich am Schluchtrand
auf der anderen Seite. Ich bin so geschafft, dass ich fast im Stehen
einschlafe.
Die weitere Srecke bis Bahir Dar wird zu einer der haertesten der ganzen
Reise. Die Piste ist miserabel und sehr staubig, ich komme nur schlecht
vorwaerts. Die Amhara-Leute hier sind aeusserst abweisend und unfreundlich.
Zu oft rufen mir die Kids „Fuck you“ zu und schmeissen mir
Steine nach. Wenn ich die Erwachsenen nach einer Auskunft frage, bekomme
ich als Antwort Gelaechter oder eisiges Schweigen. Wieviel wuerden mir
hier ein paar Saetze in Amharik helfen! Ich hoere wieder tausendmal
pro Tag „iu!“, „iu!“, „iu!“ und
werde endlos angebettelt. Von morgens bis abends habe ich keine einzige
ruhige oder erholsame Verschnaufpause. Die Anstrengungen und all die
erwaehnten Erlebnisse werden zuviel fuer mich. Abends fluechte ich von
der Strasse ins naechste Hotel und mag kein einziges aethiopisches Gesicht
mehr sehen. Aus dem Schlaf kann ich neue Energie und Zuversicht gewinnen
um am naechsten Tag weiterzuradeln. Zum ersten mal auf der Reise beginne
ich die Tage zu zaehlen, bis ich ein Land verlassen kann. Ich habe die
Schnautze gestrichen voll und manchmal die groesste Lust einem mitten
ins Gesicht zu schlagen, nur weil er mich bloed angrinst und „iu!“,
„iu!“, „iu!“ sagt. Mich erstaunt nicht, dass
ich eben in diesen Tagen eine Angina bekomme. In Bahir Dar mache ich
aber wieder sehr nette Bekanntschaften; bei Milchkaffee, Kuchen und
wohltuenden Gespraechen ist die ganze Sache nur noch halb so schlimm!
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