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Zischtig schreibt mir, dass wir uns in Lalibela treffen werden. Goldi
lasse ich gleich in Bahir Dar stehen und fahre mit dem Bus nach Lalibela.
Wir treffen uns tatsaechlich am verabredeten Tag und haben uns einiges
zu erzaehlen. Der Abend wird lang… Lalibela ist beruehmt fuer
seine aus dem Fels gehauenen Kirchen. Die Legende erzaehlt, dass der
Koenig einer goettlichen Vision zufolge mit dem Bau von 11 Kirchen begann.
Mit der Hilfe von himmlischen Engelsscharen haben die Bauleute die Kirchen
aus massivem Fels herausgehauen und zusaetzlich mit Ornamenten reich
verziehrt. Engelshilfe und Visionen hin oder her, die Kirchen sind beeindruckend!
Saeulen und Wandverziehrungen lassen die maechtigen Bauwerke verblueffend
leicht aussehen. Das matte Sonnenlicht, dass durch die kreuzfoermigen
Fenster faellt verleiht dem Innern der Kirchen eine spezielle Stimmung.
Weihrauch und die Sprechgesaenge der Priester tun den Rest dazu. Die
Zeit schwindet dahin und der Moment wird zum langen, gedankenverlorenen
Staunen.
Mit dem Bus fahren wir zurueck nach Bahir Dar. Guter Dinge sitzen wir
des Abends am Tanasee und lassen die bisherige Reise bei einem Bier
Revue passieren. Noch ahnen wir nicht, dass unser Reiseglueck bald ein
Ende haben wird…Naechster Morgen, 6 Uhr: Wir stehen mit anderen
Passagieren am Hafentor von Bahir Dar und warten auf die Faehre die
uns ueber den See bringen soll. Zischtig nimmt die Tickets aus seiner
Bauchtasch und steckt die Bauchtasche in die Seitentasche seiner Hosen.
Das Tor geht auf und ein riesen Chaos geht los. Alle draengeln durch
das schmale Tor, wollen zuerst auf dem Schiff sein. Gepaecktraeger mit
Gepaeckbuendeln und Kisten, Huehner, Rinder und Leute ohne Ende welche
schupsen und schieben. Auf dem Schiff schaue ich nach unseren Sachen,
derweil Zischtig die Tickets fuer die Velos kaufen will. Zu bald kommt
er zurueck, der Anschiss ist ihm ins Gesicht geschrieben: Seine Bauchtasche
mit Pass, Travellercheques, Visa, und seinem silbernen Gluecksbringer
ist fort - im Gedraenge aus der Hosentasche geklaut. Sofort gehen wir
zur Polizei um einen Rapport schreiben zu lassen. Dort nimmt man es
aber gemuetlich, es sei ja schliesslich Sonntag und sonntags arbeite
die Polizei nur in Notfaellen. „Kommt morgen wieder, da werden
wir sehen was in diesem Fall zu machen ist!“, erklaert man uns
freundlich. Scheiss Bullen, von denen koennen wir keine Hilfe erwarten.
Wir beraten die Lage und entschliessen uns ein Flugblatt zu drucken:
Belohnung 100 Dollar, wer Zischtig die Bauchtasche samt Inhalt zurueckbringt.
Die Flugblaetter sind schnell gemacht und bald weiss die ganze Stadt
davon, die Belohnung hat sich schnell herumgesprochen. Wir warten und
trinken Tee bis am Abend. Leider bleibt die Bauchtasche verschollen.
So muss Zischtig zurueck nach Addis um sich einen neuen Pass machen
und die Visa fuer Sudan und Aegypten nachtragen zu lassen. Ueber die
Busfahrt nach Addis zurueck und den bevorstehenden Behoerdenmarathon
ist Zischtig nicht besonders entzueckt. Meine Aufmunterungsversuche
schlagen fehl.
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