Der Wind, der Wind das himmlische Kind? So ein Scheiss!
(Khartum – Dongola, Sudan im Maerz 2004)

Stefan Schilli


home > berichte > 16. 04. 2004 - 2
 

< letzter Bericht | nächster Bericht >


In Khartum treffe ich Mr. Andy wieder, der humpelt mittlerweilen ein wenig, er hat als guter Sozius mit seinem „platonischen Kurzzeitlebensabschnittspartner“ Joachim, einem deutschen „Zweiradkraftfahrzeugslenker“ eine Kulturtour gemacht und sie sind dabei dummerweise auf die Schnauze gefallen. Im Blue Nile Sailing Club haben wir noch zwei nette Abende mit Joachim, Felix und Anita (zwei Schweizer, ein Tamdem und ein Wok auf Hochzeitsreise durch Afrika) und Sebastian, einem Nil-Segler, moege auch er immer eine handbreite Wasser unter dem Kiel haben. Waehrend die Sonne langsam im vereinten Wasser von weissem und blauen Nil untergeht, wird ausgiebig gekocht (Wok sei dank) und die eine oder andere abgedrehte Reisestorie erzaehlt, es fehlt eigentlich nur ein kuehles Bierchen. Dafuer muessen wir zuerst 1000km gegen Norden radeln, die ersten 400km durch die Nubische Wueste um dann dem Lauf des Nils folgen zu koennen.
Khartum ist bald verlassen. Die Stadt habe ich nicht gut kennengelernt, zu heiss und staubig waren ihre Strassen und zu muede war ich noch von Aethiopien. In Erinnerung bleiben die unzaehligen Minarete, welche wie widerspenstige Grasshalme in einem englischen Rasen, aus der Stadt hervorragen. Die Strecke ist flach und die Strasse gut, doch schon bald erkennen wir die wahre Herausforderung dieser Strecke; heftiger, konstant anhaltender Gegenwind. Die Vegetation lichtet sich, die Menge der Planzen pro Flaeche nimmt stetig ab, nur der Wind bleibt gleich stark. Wir radeln abwechslungsweise im Windschatten und kommen so recht gut voran, doch das stetige Rauschen und Blasen ist ziemlich anstrengend und ermuedend. Wir fahren bis in die Nacht hinein - der Wind ist dann nicht mehr so stark. Am Abend sind wir total erschoepft und ich versuche mir mit Dehnuebungen die Illusion zu verschaffen, dass ich am naechsten Tag wieder gute Beine habe. Aendu kocht derweil die Spaghetti „Sauce Afirque Special“, mit Tomatenpaste und Thunfisch aus der Dose; „Special“ aber nur, wenn es dazu eine frische Zwiebel gibt. Das Zelt stellen wir nicht auf und so werden wir von den leuchtenden Sternen fuer die Muehen des Tages entschaedigt, waehrend dessen uns der Sandmann mit einer frisch aufkommenden Brise Sandkoerner in die Augen straeut.
Alle vier bis fuenf Stunden kommt ein „Pit-stop“, so nennen wir die Moscheen, welche auch immer eine kleine Fressbude haben. Das Essen variiert nur minimal: Fool, das sind zu Gruetze zermanschte Bohnen mit Unmengen von Oel, etwa gleich oed wie die uns umgebende Wueste. Nach Wunsch und Verfuegbarkeit kann es mit Tomaten und Zwiebeln aufgelockert werden, was ein bischen Farbe in die Ganze Sache bringt. Das Fool wird mit Brot aufgegabelt und gegessen. Danach gibts natuerlich einen Chai (Schwarztee, stark ueberzuckert), bevor man sich auf einer Pritsche oder Matte ausruht. An einem spaeten Nachmittag ueberholt uns ein Camper mit deutschen Nummernschild. Er haelt an und es steigt ein Typ im Mullah-Gewand aus – es vermag seinen Bierbauch nur spaerlich zu verdecken, vermutlich betont es ihn noch zusaetzlich. Mit Ghadafi Maehne und Sonnenbrille begruesst er uns mit den Worten „Na, wo kommt ihr zwei Arschloecher denn her?“. Ich laechle freundlich und denke etwa das Gleiche. Es entwickelt sich ein lustiges Gespraech, in dessen Verlauf uns der Typ und seine Begleiterin ihr selbstgebautes Wohnmobil zeigen und uns ein praechtiges Salamisandwich zubereiten.

< letzter Bericht | nächster Bericht >

   

19. April 2004 - og