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In Khartum treffe ich Mr. Andy wieder, der humpelt mittlerweilen ein
wenig, er hat als guter Sozius mit seinem „platonischen Kurzzeitlebensabschnittspartner“
Joachim, einem deutschen „Zweiradkraftfahrzeugslenker“ eine
Kulturtour gemacht und sie sind dabei dummerweise auf die Schnauze gefallen.
Im Blue Nile Sailing Club haben wir noch zwei nette Abende mit Joachim,
Felix und Anita (zwei Schweizer, ein Tamdem und ein Wok auf Hochzeitsreise
durch Afrika) und Sebastian, einem Nil-Segler, moege auch er immer eine
handbreite Wasser unter dem Kiel haben. Waehrend die Sonne langsam im
vereinten Wasser von weissem und blauen Nil untergeht, wird ausgiebig
gekocht (Wok sei dank) und die eine oder andere abgedrehte Reisestorie
erzaehlt, es fehlt eigentlich nur ein kuehles Bierchen. Dafuer muessen
wir zuerst 1000km gegen Norden radeln, die ersten 400km durch die Nubische
Wueste um dann dem Lauf des Nils folgen zu koennen.
Khartum ist bald verlassen. Die Stadt habe ich nicht gut kennengelernt,
zu heiss und staubig waren ihre Strassen und zu muede war ich noch von
Aethiopien. In Erinnerung bleiben die unzaehligen Minarete, welche wie
widerspenstige Grasshalme in einem englischen Rasen, aus der Stadt hervorragen.
Die Strecke ist flach und die Strasse gut, doch schon bald erkennen
wir die wahre Herausforderung dieser Strecke; heftiger, konstant anhaltender
Gegenwind. Die Vegetation lichtet sich, die Menge der Planzen pro Flaeche
nimmt stetig ab, nur der Wind bleibt gleich stark. Wir radeln abwechslungsweise
im Windschatten und kommen so recht gut voran, doch das stetige Rauschen
und Blasen ist ziemlich anstrengend und ermuedend. Wir fahren bis in
die Nacht hinein - der Wind ist dann nicht mehr so stark. Am Abend sind
wir total erschoepft und ich versuche mir mit Dehnuebungen die Illusion
zu verschaffen, dass ich am naechsten Tag wieder gute Beine habe. Aendu
kocht derweil die Spaghetti „Sauce Afirque Special“, mit
Tomatenpaste und Thunfisch aus der Dose; „Special“ aber
nur, wenn es dazu eine frische Zwiebel gibt. Das Zelt stellen wir nicht
auf und so werden wir von den leuchtenden Sternen fuer die Muehen des
Tages entschaedigt, waehrend dessen uns der Sandmann mit einer frisch
aufkommenden Brise Sandkoerner in die Augen straeut.
Alle vier bis fuenf Stunden kommt ein „Pit-stop“, so nennen
wir die Moscheen, welche auch immer eine kleine Fressbude haben. Das
Essen variiert nur minimal: Fool, das sind zu Gruetze zermanschte Bohnen
mit Unmengen von Oel, etwa gleich oed wie die uns umgebende Wueste.
Nach Wunsch und Verfuegbarkeit kann es mit Tomaten und Zwiebeln aufgelockert
werden, was ein bischen Farbe in die Ganze Sache bringt. Das Fool wird
mit Brot aufgegabelt und gegessen. Danach gibts natuerlich einen Chai
(Schwarztee, stark ueberzuckert), bevor man sich auf einer Pritsche
oder Matte ausruht. An einem spaeten Nachmittag ueberholt uns ein Camper
mit deutschen Nummernschild. Er haelt an und es steigt ein Typ im Mullah-Gewand
aus – es vermag seinen Bierbauch nur spaerlich zu verdecken, vermutlich
betont es ihn noch zusaetzlich. Mit Ghadafi Maehne und Sonnenbrille
begruesst er uns mit den Worten „Na, wo kommt ihr zwei Arschloecher
denn her?“. Ich laechle freundlich und denke etwa das Gleiche.
Es entwickelt sich ein lustiges Gespraech, in dessen Verlauf uns der
Typ und seine Begleiterin ihr selbstgebautes Wohnmobil zeigen und uns
ein praechtiges Salamisandwich zubereiten.
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