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Nach vier beschwerlichen Tagen kuendigt uns ein gruenes Band am Horizont
den Nil an. Bald saeumen Dattelpalmen die eine Seite der Strasse, auf
der anderen nur weites Nichts. Wir fahren entlang duftender Felder mit
Weizen, Bohnen, Zwiebeln und Klee. Es weiden Kuehe, Schafe und Ziegen
und viele Esel, welche mit oder ohne Karren als wichtigstes Kurzstrecken-Transportmittel
dienen. Die Farben wirken neben der eintoenigen Wueste intensiv, speziell
am spaeten Nachmittag halte ich ein paar mal einfach an um den gruenen
Klee zu bestaunen, waehrend dem mich die Bauern ringsum mit kritischen
aber doch verstaendnisvollen Blicken betrachten. Ueberall in den Feldern
wird gearbeitet, nicht emsig, eher gemuetlich. Es gilt die Voegel zu
verdreiben, das Wasser in die richtigen Bewaesserungskanaele zu leiten
und hin und da ein wenig Klee oder anderes zu ernten. In den Doerfern
entlang des Nils sieht man selten jemand in Eile, alles macht einen
relaxten Eindruck. Die Menschen schlendern durch die Strassen, man haelt
an und gruesst sich gegenseitig, man laesst sich Zeit. Es wird viel
geschlafen und geruht - verstaendlicherweise, denn durch den Tag wird
es echt heiss. In den Fressbuden wird gemuetlich Fool konsumiert um
dann bei einem Chai die wenigen Neuigkeiten des Tages auszutauschen,
zum Beispiel, dass da zwei Spinner auf dem Fahrrad durch die Wueste
fahren.
An den Ufern des Nils, zwischen den Feldern und der Wueste, liegen viele
kleine Doerfer. Die einstoeckigen Haeuser bestehen aus dicken abgerundeten
Lehmmauern, zum Teil wird ein paar mal angebaut und so entstehen grossflaechige
Behausungen. Diese werden immer von einer maechtigen, modellierten Lehmmauer
umschlossen, welche ohne dominante Kanten auskommt, so dass es scheint,
als waere sie vom Regen und den regelmaessigen Nilfluten schon ziemlich
in Mitleidenschaft gezogen worden. Zum Teil sind diese Mauern strahlend
weiss gestrichen, die Fensterlaeden in einem tuerkisgruen oder himmelblau
und die Eingangsportale sind mit farbigen nubischen Mustern verziert.
In ganz Nordsudan gibts fast keine touristische Einrichtungen und in
den kleineren Doerfern nicht mal einen Markt. Einmal halten wir an um
zu fragen, wo es etwas zu essen gaebe. Man bietet und sofort einen Stuhl
und Chai an und ein paar Minuten spaeter wird uns ein Tablett voller
Speisen serviert. Nach dem Essen wird wieder Chai getrunken und dann
duerfen wir uns im Schatten ausruhen, und unsere Gastgeber sorgen dafuer,
dass jegliche Quellen stoerenden Laerms fernbleiben. Es ist die reine
Gastfreundlichkeit, man denkt nicht einmal daran nach Geld zu fragen
und Geld anzubieten ist fast ein wenig beleidigend, denn wir sind die
Gaeste und die Einladung kommt von Herzen und ist mit Geld nicht bezahlbar.
Durch diese anhaltende, erholsame Freundlichkeit koennen wir die noetige
Energie aufbringen um der Hitze von zum Teil ueber 40 Grad zu trotzen.
Langsam aber stetig kommen wir vorwaerts. Die letzten 120km bis Wadi
Halfa sind nochmals die Hoelle: Wellblech ohne Ende und starker Gegenwind,
aber wir befinden uns auf dem letzten Stueck Piste in Afrika und das
spornt nochmal maechtig an.
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