Relaxed
(Dongola – Wadi Halfa, Sudan im April 2004)

Stefan Schilli


home > berichte > 16. 04. 2004 - 3
 

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Nach vier beschwerlichen Tagen kuendigt uns ein gruenes Band am Horizont den Nil an. Bald saeumen Dattelpalmen die eine Seite der Strasse, auf der anderen nur weites Nichts. Wir fahren entlang duftender Felder mit Weizen, Bohnen, Zwiebeln und Klee. Es weiden Kuehe, Schafe und Ziegen und viele Esel, welche mit oder ohne Karren als wichtigstes Kurzstrecken-Transportmittel dienen. Die Farben wirken neben der eintoenigen Wueste intensiv, speziell am spaeten Nachmittag halte ich ein paar mal einfach an um den gruenen Klee zu bestaunen, waehrend dem mich die Bauern ringsum mit kritischen aber doch verstaendnisvollen Blicken betrachten. Ueberall in den Feldern wird gearbeitet, nicht emsig, eher gemuetlich. Es gilt die Voegel zu verdreiben, das Wasser in die richtigen Bewaesserungskanaele zu leiten und hin und da ein wenig Klee oder anderes zu ernten. In den Doerfern entlang des Nils sieht man selten jemand in Eile, alles macht einen relaxten Eindruck. Die Menschen schlendern durch die Strassen, man haelt an und gruesst sich gegenseitig, man laesst sich Zeit. Es wird viel geschlafen und geruht - verstaendlicherweise, denn durch den Tag wird es echt heiss. In den Fressbuden wird gemuetlich Fool konsumiert um dann bei einem Chai die wenigen Neuigkeiten des Tages auszutauschen, zum Beispiel, dass da zwei Spinner auf dem Fahrrad durch die Wueste fahren.

An den Ufern des Nils, zwischen den Feldern und der Wueste, liegen viele kleine Doerfer. Die einstoeckigen Haeuser bestehen aus dicken abgerundeten Lehmmauern, zum Teil wird ein paar mal angebaut und so entstehen grossflaechige Behausungen. Diese werden immer von einer maechtigen, modellierten Lehmmauer umschlossen, welche ohne dominante Kanten auskommt, so dass es scheint, als waere sie vom Regen und den regelmaessigen Nilfluten schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen worden. Zum Teil sind diese Mauern strahlend weiss gestrichen, die Fensterlaeden in einem tuerkisgruen oder himmelblau und die Eingangsportale sind mit farbigen nubischen Mustern verziert.
In ganz Nordsudan gibts fast keine touristische Einrichtungen und in den kleineren Doerfern nicht mal einen Markt. Einmal halten wir an um zu fragen, wo es etwas zu essen gaebe. Man bietet und sofort einen Stuhl und Chai an und ein paar Minuten spaeter wird uns ein Tablett voller Speisen serviert. Nach dem Essen wird wieder Chai getrunken und dann duerfen wir uns im Schatten ausruhen, und unsere Gastgeber sorgen dafuer, dass jegliche Quellen stoerenden Laerms fernbleiben. Es ist die reine Gastfreundlichkeit, man denkt nicht einmal daran nach Geld zu fragen und Geld anzubieten ist fast ein wenig beleidigend, denn wir sind die Gaeste und die Einladung kommt von Herzen und ist mit Geld nicht bezahlbar. Durch diese anhaltende, erholsame Freundlichkeit koennen wir die noetige Energie aufbringen um der Hitze von zum Teil ueber 40 Grad zu trotzen. Langsam aber stetig kommen wir vorwaerts. Die letzten 120km bis Wadi Halfa sind nochmals die Hoelle: Wellblech ohne Ende und starker Gegenwind, aber wir befinden uns auf dem letzten Stueck Piste in Afrika und das spornt nochmal maechtig an.

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19. April 2004 - og