Touristen und Polizisten
(Wadi Halfa – Luxor, Aegypten im April 2004)

Stefan Schilli


home > berichte > 16. 04. 2004 - 4
 

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Nach zwei gemuetlichen Tagen in Wadi Halfa, wo man ausser Tee trinken und Daeumchen drehen nicht viel machen kann, bringt uns die Faehre nach Aswan in Aegypten. Und hier ist die Hoelle los! Es sind Osterferien in Europa und so hat es tausende von Touristen, welche zu Fuss oder auf Kutschen durch die Gassen stroemen. Ich bin mir Touristen gar nicht mehr gewoehnt, denn in den letzten Monaten haben wir fast nur noch Reisende getroffen. Den Unterschied zwischen Tourist und Reisendem sehe ich im Fakt, dass ein Reisender auch ohne touristische Einrichtungen auskommt, es sogar schaetzt, die Dinge selbst zu organisieren und sich mit dem begnuegt, was auch den Einheimischen zur Verfuegung steht. Der Tourist hingegen moechte moeglichst denselben Komfort wie zuhause, nur ein wenig billiger. Die Aegypter haben laengst bemerkt, dass „ein wenig billiger“ immer noch viel mehr Kohle als normal bedeutet und so werden hier Tag fuer Tag Phantasiepreise verlangt und bezahlt, was fuer uns viel Verhandlungsarbeit bedeutet, zum Teil aber nur Nerven kostet. Aber es ist natuerlich geil wiedereinmal ein wirklich kaltes Bier und ein saftiges Steak geniessen zu koennen, Touristen sei Dank!
Es ist sehr interessant, bei einer gemuetlichen Sheesha (Wasserpfeiffe) den Unmengen von Touristen zuzuschauen um sich mental schon einmal auf Europa vorzubereiten. Aegypten hat tausende von Polizisten im ganzen Land verteilt, welche den Touristen die Illusion von totaler Sicherheit vermitteln sollen. Fuer uns als Radler ist das ziemlich muehsam, denn es herrscht Konvoiplicht und so muessen wir versuchen, alle die Checkpoints zu umfahren. Von Aswan gehts dem Westufer entlang Richtung Luxor. Wir sind wieder alleine, also Reisende und fahren durch leuchtend gruene und herrlich duftende Felder – in das ruhige Leben hier vermag die Hektik der Stadt nicht einzudringen. Am zweiten Tag schaffen wir es nicht mehr bis Luxor. Direkt am Ufer des Nils schlagen wir unser Zelt auf. Leider bekommt die Polizei Wind davon und so verbringen wir den Rest der Nacht auf der Polizeistation. Am naechsten Tag bekommen wir Polizeischutz; ein Minitaxi mit einem Bullen als einzigem Passagier, begleitet uns fuer die letzten zwanzig Kilometer. Mit der superlaut Hupe verscheuchen sie schwangere Frauen und andere Radfahrer sowie Hunde und Huehner und leider auch die Freude am Reisen.

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19. April 2004 - og