Big Brother Police
(Luxor - El Kharga, Aegypten im April 2004)

Andreas Kunz


home > berichte > 07. 05. 2004 - 1
 

< letzter Bericht | nächster Bericht >


In Luxor wimmelt es von Touristen und Polizisten. Seit dem Anschlag im Hatshepsut-Tempel vor sechs Jahren versucht die Tourismusbehoerde mit tausenden von Polizisten, alle schwerbewaffnet, den Touristen Sicherheit vorzuspielen. An jeder Ecke sieht man die Jungs. Meist stuetzen sie sich halb schlafend auf ihre Maschinenpistolen oder sie schauen und pfeiffen den knappbekleideten europaeischen Touristinnen nach. Ob sich mit all diesen arbeitseiferigen Polizisten ein weiterer Anschlag verhindern laesst? Ich habe da meine Zweifel. Nach der Nacht auf dem Polizeiposten und der Eskorte nach Luxor hinein, fuehle ich mich trotz immensem Polizeiaufgebot keinen Deut sicherer. Vielmehr schraenkt die Polizei meine Freihheiten ein und ich komme mir total kontrolliert und beobachtet vor. Luxor war in pharaonischen Zeiten ein wichtiger Ort. Fast jeder Pharao liess sich hier einen Tempel oder Grab bauen oder brachte unvollendete Arbeiten seiner Vorgaenger zu Ende. Noch heute, nach 3000 Jahr en, wirken die riesigen Tempelanlagen mit ungeheurer Ausstrahlung auf die Betrachter. Wie muss das erst in pharaonischen Zeiten gewirkt haben, als die Tempel neu und bemalt gewesen waren?

Wir entscheiden uns, von Luxor auf der Wuestenstrasse durch die Oasen des "New Valley" nach Kairo zu fahren. Nur so koennen wir den muehsamen Polizeikontrollen und Eskorten entfliehen. Ich haben nach Luxor null Bock darauf, jeden Meter von Polizisten begleitet zu werden und um Erlaubnis fragen zu muessen, wenn ich mal muss. Aegypten macht das grosse Geld mit Massentourismus, an Idividualreisenden wie Radfahrern sind sie nicht interessiert. So sind die 300 Km Strasse vom Niltal in die erste Oase fuer uns gesperrt. Wir stossen unsere Velos ueber Felder und Bewaesserungsgraeben und umgehen so den Kontrollposten einfach, um ohne Probleme und Diskussionen mit den Ordnungshuetern auf die gewuenschte Strasse zu kommen. Der Plan geht auf, einmal auf der Wuestenstrasse interessiert es niemanden mehr, was wir hier machen. Um so erstaunter schauen uns die Polizisten beim Kontrollposten am Ende des gesperrten Streckenabschnittes an. "Where are you coming from?", fragen sie uns verdutzt. Sie erhoffen sich wohl eine Erklareung, warum wir ueberhaupt auf dieser Strasse fahren. "We are from Switzerland", lenken wir ab und gehen gleich zum Angriff ueber; wie schoen Aegypten doch sei und wie hungerig und durstig wir nach 3 Tagen Wueste sind. Die Polizisten geben sich mit der Antwort zufrieden, sie gehoeren wohl nicht zu den eiferigsten. Tia, wer nicht so streng arbeitet hat Zeit fuer anderes. Und so servieren sie uns Tee, Ful aus der Buechse und frisches Brot. Waehrend diesem kurzen Rast ist die Polizei fuer einmal Freund und Helfer.

< letzter Bericht | nächster Bericht >

   

10. Mai 2004 - og