A clean and beautiful city?
(El Kharga - Dakhla, Aegypten im April 2004)

Andreas Kunz


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Auf unserem Weg durch die "Western Dessert" liegen einige Oasen. Unter Oasen stellte ich mir eher kleine Doerfchen mit Palmgaerten vor und war einmal mehr ueberrascht wie sehr sich die Realitaet von meinen Reisevortsellungen unterscheidet. El Kharga ist eine Grossstadt und scheint im Zuge von ueberstuertzter Modernisierung allen Charme einer Oasenstadt verloren zu haben. Neue Blocksiedlungen ziehen sich entlang der Strassen, dazwischen die baufaelligen, alten Lehmhaeuser. Ueberall Abfall, es stinkt nach Abwasser und verbrantem Muell. Ein riesiges Plakat erinnert die Bewohener an die (vielleicht einstige) Schoenheit ihrer Stadt: El Kharga - a clean and beautyful city!
Nach diesem ersten, enttaeuschenden Eindruck von den Oasen, aendere ich in den Dakhla Oasen meine Meinung. Die kleinen Palmgaerten und Felder sind paradiesisch, ueberall gurgelt das Wasser in den Bewaesserungsgraeben. In einer der vielen heissen Quellen waschen wir uns den Staub vom Leibe. Es ist das beste Bad seit langem. Wir liegen in einem natuerlichen Becken, unter uns blubert und sprudelt das Wasser aus der Erde, ueber uns faerbt die untergehende Sonne die Dattelpalmen in rot-oranges Licht. In den kleinen Oasendoerfchen geht das Leben einen eigenen, bedaechtigen Lauf. Vom hektischen Touribusiness ist hier nicht viel zu spueren. Die Bewohner stammen von Beduinenfamilien, die seit jeher in der Wueste und den Oasen leben. Diese Menschen begegnen mir anders als die Aegypter im Niltal. Sie interessieren sich fuer meine Person, nicht fuer mein Geld. Es kommt wieder zu den spontanen Gespraechen am Strassenrand ueber Gott und die Welt, man laedt uns zum Tee ein. Dabei kommt immer wieder der Krieg im Irak zur Sprache. Die Aegypter verurteilen die Pruegelpolitik von Bush und Blaire aufs Schaerfste. Auch Israel gegenueber bekunden sie grosse Ablehnung. Viele denken, der 11. September sei vom Mossat geplant und durchgefuehrt worden um Amerika einen Grund zur Hetzjagd gegen den islamischen Terrorismus zu geben. Wir werden immer mit Respekt und Hoefflichkeit behandelt. Nie kaeme es einem hitzig diskutierenden Aegypter in den Sinn, uns mit Amerika in den gleichen Topf zu werfen. Vielmehr bekunden diese Menschen ihre Wut und Trauer ueber den Verlauf der Konflikte in Israel und Irak.

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10. Mai 2004 - og