Kairo mittendrin
(Kairo, Aegypten im Mai 2004)

Stefan Schilli


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Es ist heiss, sicher 40° Celsius, dazu gesellen sich 30 Prozent Smog. Ich werde von der wirbligen Hektik Kairos umspühlt. Diese Stadt ist mir ihren 15 Milionen Einwohnern eine der grössten in Afrika und vermutlich die hektischste. Die chaotische Gleichgültigkeit und Gelassenheit anderer Afrikanischen Grosstädte (vornehmlich im südlicheren Afrika), ist einer chaotischen Zielstrebigkeit und Betriebsamkeit gewichen, das ein Ozean, das andere ein Fluss.
Am frühen Morgen braucht die Stadt ein wenig um in die Gänge zu kommen, aber dann strömen ununterbrochen Autos durch ihre Venen, fast alles Taxis. Daneben bahnen sich die Menschhen ihren Weg durch das Gewühl. Aufreizende Westliche und verdeckende Arabische Kleidung halten sich die Waage und ab und zu wie eine verlorene Blume, etwas buntes Afrikanisches. Die Autolenker fühlen sich hinter einem Schutzschild aus Hupsignalen sicher und breschen durch die überfüllten Strassen. Eine solche zu überqueren wird zum Adrenalinkick und erinnert mich an dieses alte Computerspiel, bei dem ein Frosch ueber eine mehrspurige Strasse manövriert werden musste.
Neben dem allgegenwärtigen Hupkonzert hallen die Ausrufe der Strassen-verkäufer durch die Häuserschluchten, in deren Erdgeschossen sich kilometerlang Shop an Shop reihen. Hier wird ganz tüchtig der Konsum-gesellschaft der ersten Welt nachgeeifert und den Abfallbergen rund um Kairo nach zu urteilen, hat man schon vieles erreicht. Ein paar tausend Kilometer weiter südlich dient dieser „Abfall“ nochmals als Rohstoff für weitere Produkte wie Laternen, Spielzeug, Schmuck und Mobiliar-ähnliche-Gegenstände. So kann ein bescheidenes Einkommen und damit etwas zu Essen erzeugt werden, und als wäre es die natürlichste Sache der Welt, reduziert sich der Abfall auf wenige Krümmel und mit etwas Glück findet sich eine Ziege ein, welche auch noch die letzten Beweise menschlichen Fortschritts genüsslich verspeist.
Eigentlich sollten wir ja anstelle Informatikgenies aus Indien, Recyclingkünstler aus Afrika einstellen. Viele von uns würden Bauklötze staunen, wenn sie dann einer beachtlichen Palette von neuen, wunderbar improvisierten Erzeugnissen aus unserem eigenen Müll gegenüber ständen. Geht das Herr Blocher?

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22. Juni 2004 - og