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Es ist heiss, sicher 40° Celsius, dazu gesellen sich 30 Prozent
Smog. Ich werde von der wirbligen Hektik Kairos umspühlt. Diese
Stadt ist mir ihren 15 Milionen Einwohnern eine der grössten in
Afrika und vermutlich die hektischste. Die chaotische Gleichgültigkeit
und Gelassenheit anderer Afrikanischen Grosstädte (vornehmlich
im südlicheren Afrika), ist einer chaotischen Zielstrebigkeit und
Betriebsamkeit gewichen, das ein Ozean, das andere ein Fluss.
Am frühen Morgen braucht die Stadt ein wenig um in die Gänge
zu kommen, aber dann strömen ununterbrochen Autos durch ihre Venen,
fast alles Taxis. Daneben bahnen sich die Menschhen ihren Weg durch
das Gewühl. Aufreizende Westliche und verdeckende Arabische Kleidung
halten sich die Waage und ab und zu wie eine verlorene Blume, etwas
buntes Afrikanisches. Die Autolenker fühlen sich hinter einem Schutzschild
aus Hupsignalen sicher und breschen durch die überfüllten
Strassen. Eine solche zu überqueren wird zum Adrenalinkick und
erinnert mich an dieses alte Computerspiel, bei dem ein Frosch ueber
eine mehrspurige Strasse manövriert werden musste.
Neben dem allgegenwärtigen Hupkonzert hallen die Ausrufe der Strassen-verkäufer
durch die Häuserschluchten, in deren Erdgeschossen sich kilometerlang
Shop an Shop reihen. Hier wird ganz tüchtig der Konsum-gesellschaft
der ersten Welt nachgeeifert und den Abfallbergen rund um Kairo nach
zu urteilen, hat man schon vieles erreicht. Ein paar tausend Kilometer
weiter südlich dient dieser „Abfall“ nochmals als Rohstoff
für weitere Produkte wie Laternen, Spielzeug, Schmuck und Mobiliar-ähnliche-Gegenstände.
So kann ein bescheidenes Einkommen und damit etwas zu Essen erzeugt
werden, und als wäre es die natürlichste Sache der Welt, reduziert
sich der Abfall auf wenige Krümmel und mit etwas Glück findet
sich eine Ziege ein, welche auch noch die letzten Beweise menschlichen
Fortschritts genüsslich verspeist.
Eigentlich sollten wir ja anstelle Informatikgenies aus Indien, Recyclingkünstler
aus Afrika einstellen. Viele von uns würden Bauklötze staunen,
wenn sie dann einer beachtlichen Palette von neuen, wunderbar improvisierten
Erzeugnissen aus unserem eigenen Müll gegenüber ständen.
Geht das Herr Blocher?
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