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Die Sinai. Moses durchquerte sie mit dem Volke Israel auf ihrem Weg
ins gelobte Land. Hier sah er den brennenden Busch und hat auf einem
ihrer Berge die zehn Gebote Gottes empfangen. Auf ihrem Boden wurden
viele Schlachten geführt und oft wechselte ihr Besitzer. Mich ziehen
vorallem die landschaftliche Schönheit der Wüste und Berge
sowie die bizarre Unterwasserwelt des roten Meeres auf die Sinai.
Zuerst muss ich aber meine letzten hundert Kilometer auf dem eigentlichen
Afrikanischen Kontinent zurücklegen und ich beschliesse das auf
einer Nebenstrasse zu tun. Schon fast routinemässig umfahre ich
einen Checkpoint – in Aegypten sollen die Touristen auf den Hauptstrassen
bleiben. Am nächsten Tag werde ich prompt von ein paar Militärpolizisten
abgefangen; es stellt sich schnell heraus, dass ich mich in einem Militärsperrgebiet
befinde. Was zuerst wie ein kleines Missverständnis aussieht, weitet
sich bald zum Spionageakt aus. Die nächsten einenhalb Tage werde
ich von Militär und Polizei festgehalten, es ist zu abstrakt um
wahr zu sein, aber auch zu anstrengend und beängstigend um es einfach
zu vergessen.
Ich werde zwischen den Behörden weitergereicht, eine Stunde Verhör
um dann wieder drei Stunden warten zu müssen. Zwischen mir und
der Freiheit stehen drei vorgeblich besorgte, aber immer zu grinsende
Bewacher. Ich weiss nicht ob die Sache ernst ist, oder es sich nur um
einen dummen Witz handelt. Ich werde dauernd vertröstet und angelogen,
kann mich nicht mehr frei bewegen und das macht mir Angst. Man verfrachtet
mich nach Suez zur Militärjustiz und natürlich macht der Jeep
schlapp - es sind zwar die letzten Kilometer, aber wir befinden uns
ja immerhin noch in Afrika. Nun habe ich die Schnauze voll und will
raus, der Polizist grinst und verrührt seine Arme. Nachdem ich
ihm meine Meinung über seinen verdammten Polizeistaat ins Gesicht
geschrieen habe, braucht er ein paar Sekunden um seinen Gehörtrakt
zu reaktivieren und ich springe raus. Das sind sie sich nicht gewohnt
und für eine Viertelstunde geniesse ich bei einer Cola ihre Hilflosigkeit.
Am nächsten Morgen um drei Uhr darf ich mich in einem Büro
auf einem unbequemen Sessel schlafen legen. Während dem Verhör
kurz zuvor, hat mich der Dolmetscher in seinem künstlich gehüstelten
Oxford-Englisch gefragt, ob ich schon was gegessen habe. Nein! Natürlich
nicht, wie sollte ich auch... „You shouldn´t be that hard
to yourself“ war sein Kommentar und eigentlich als Einladung gedacht,
wäre diese Bemerkung fast der Funke gewesen, welcher normalerweise
einen Flächenbrand auslöst, aber ich war zu müde und
irritiert um darauf zu reagieren.
Abends um fünf ist dann endlich Schluss. Nach insgesamt sechs Verhören
und einigen Materialdurchsuchungen bin ich müde, im Hotel geniesse
ich noch in den Klamotten eine warme Dusche und beschliesse, dass ein
halbes Kilo Süssgebäck nun genau das Richtige wäre. Zurück
im Zimmer muss ich dann aber konsterniert feststellen, dass mir diese
blöden Militärwichser einen wichtigen Teil der Garderobe geklaut
haben. Mit triefenden Kleidern begebe ich mich nach draussen, der Wind
kühlt mich ab und das ist ganz gut so. Ich setze mich in die nächste
Kneipe und rauche eine Schischa. Diese blöden Wichser...
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