Ein Stich ins Wespennest
(Kairo – Suez, Aegypten im Mai 2004)

Stefan Schilli


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Die Sinai. Moses durchquerte sie mit dem Volke Israel auf ihrem Weg ins gelobte Land. Hier sah er den brennenden Busch und hat auf einem ihrer Berge die zehn Gebote Gottes empfangen. Auf ihrem Boden wurden viele Schlachten geführt und oft wechselte ihr Besitzer. Mich ziehen vorallem die landschaftliche Schönheit der Wüste und Berge sowie die bizarre Unterwasserwelt des roten Meeres auf die Sinai.
Zuerst muss ich aber meine letzten hundert Kilometer auf dem eigentlichen Afrikanischen Kontinent zurücklegen und ich beschliesse das auf einer Nebenstrasse zu tun. Schon fast routinemässig umfahre ich einen Checkpoint – in Aegypten sollen die Touristen auf den Hauptstrassen bleiben. Am nächsten Tag werde ich prompt von ein paar Militärpolizisten abgefangen; es stellt sich schnell heraus, dass ich mich in einem Militärsperrgebiet befinde. Was zuerst wie ein kleines Missverständnis aussieht, weitet sich bald zum Spionageakt aus. Die nächsten einenhalb Tage werde ich von Militär und Polizei festgehalten, es ist zu abstrakt um wahr zu sein, aber auch zu anstrengend und beängstigend um es einfach zu vergessen.
Ich werde zwischen den Behörden weitergereicht, eine Stunde Verhör um dann wieder drei Stunden warten zu müssen. Zwischen mir und der Freiheit stehen drei vorgeblich besorgte, aber immer zu grinsende Bewacher. Ich weiss nicht ob die Sache ernst ist, oder es sich nur um einen dummen Witz handelt. Ich werde dauernd vertröstet und angelogen, kann mich nicht mehr frei bewegen und das macht mir Angst. Man verfrachtet mich nach Suez zur Militärjustiz und natürlich macht der Jeep schlapp - es sind zwar die letzten Kilometer, aber wir befinden uns ja immerhin noch in Afrika. Nun habe ich die Schnauze voll und will raus, der Polizist grinst und verrührt seine Arme. Nachdem ich ihm meine Meinung über seinen verdammten Polizeistaat ins Gesicht geschrieen habe, braucht er ein paar Sekunden um seinen Gehörtrakt zu reaktivieren und ich springe raus. Das sind sie sich nicht gewohnt und für eine Viertelstunde geniesse ich bei einer Cola ihre Hilflosigkeit.
Am nächsten Morgen um drei Uhr darf ich mich in einem Büro auf einem unbequemen Sessel schlafen legen. Während dem Verhör kurz zuvor, hat mich der Dolmetscher in seinem künstlich gehüstelten Oxford-Englisch gefragt, ob ich schon was gegessen habe. Nein! Natürlich nicht, wie sollte ich auch... „You shouldn´t be that hard to yourself“ war sein Kommentar und eigentlich als Einladung gedacht, wäre diese Bemerkung fast der Funke gewesen, welcher normalerweise einen Flächenbrand auslöst, aber ich war zu müde und irritiert um darauf zu reagieren.
Abends um fünf ist dann endlich Schluss. Nach insgesamt sechs Verhören und einigen Materialdurchsuchungen bin ich müde, im Hotel geniesse ich noch in den Klamotten eine warme Dusche und beschliesse, dass ein halbes Kilo Süssgebäck nun genau das Richtige wäre. Zurück im Zimmer muss ich dann aber konsterniert feststellen, dass mir diese blöden Militärwichser einen wichtigen Teil der Garderobe geklaut haben. Mit triefenden Kleidern begebe ich mich nach draussen, der Wind kühlt mich ab und das ist ganz gut so. Ich setze mich in die nächste Kneipe und rauche eine Schischa. Diese blöden Wichser...

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22. Juni 2004 - og