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Endlich kann ich dieses Netz aus Polizei- und Militärbehörden
zurücklassen. Ich will auf den abgelegensten Pfaden durch die zentrale
Sinai, wuerde sogar auf den Mond radeln, wenn das nur möglich wäre,
nur um diesen uniformierten Banditen zu entkommen. Die gewählte
Strasse entpuppt sich schnell als besserer Feldweg mit vielen Verzweigungen.
Huegelketten und ausgetrocknete Flussläufe weisen mir einen Weg,
ob es der richtige ist? Ich verliere mich in der Weite der Wüste
und es ist mir ganz recht. Nach den Strapazen im Behördendschungel
erscheint mir das banale Gesetz der Wüste gerechter und ich geniesse
es dieses Mal ganz klein zu sein, hier wird wenigstens mit offenen Karten
gespielt.
Die Errosionslandschaft um mich herum ist wunderschön und so fremd.
Ich fahre auf schwarzem Grund, zu meiner linken erheben sich ausgewaschene
Bergflanken, so weiss und ausgehölt, als wären sie die Gerippe
einst mächtiger Berge. Mein Schlafplatz befindet sich in einem
Canyon mit crèmefarbenen, rundgeschliffenen Felsskulpturen. Stellenweise
wird das Elfenbein von rostigen Schichten durchzogen, zuerst im scharfen
Kontrast um sich dann wieder wellenförmig zu verlieren. Es muss
sich um einen alten Windstoss handeln, welcher in diesen Felsen eingesperrt
wurde. Die Sonne verschwindet langsam und blutrot hinter einem pyramidenförmigen
Berg, einige Wolkenfragmente leuchten ein letztes Mal auf und mein Canyon
durchwandert alle erdenklichen Frabtöne, an seinem Ende verliert
er sich in den Weiten der schon recht düsteren Wüste. In diesem
Moment bin ich der kleine Prinz.
Am nächsten Tag muss ich mit Schrecken feststellen, dass hin und
wieder ein Militärposten aus dem Nichts auftaucht. Schon fast paranoid
vermeide ich es gesehen zu werden, aber schon beim nächsten steht
ein Typ am Wegrand und die Wachhunde begrüssen mich recht feindlich.
Der Mann ist sehr nett und hat einen Krug mit kaltem Wasser dabei. Danach
werde ich jeweils via Funk vorangekündigt und ich sehe schon von
weitem, dass mich jemand erwartet. So kommt es, dass ich zu kaltem Wasser,
Tee und schlussendlich sogar zu einer Schischa in einem der Wachposten
eingeladen werde und sich meine Aengste wieder verflüchtigen. Gegen
Abend versperrt mir ein tiefes Wadi den Weg, so dass ich runterfahren
und im folgen muss. Leider wähle ich dann den falschen Lauf und
befinde mich plötzlich inmitten grünster Mariuanafelder. Ich
rekapituliere kurz meine Lage (das dauert cirka eine Stunde) und beschliesse
dann, meine Wasservorräte und Ausrüstung zu behalten und meine
Taschen nicht mit Gras vollzustopfen. Vielleicht eine Eingebung Gottes,
denn kurz darauf stehen ein paar Beduinen-Brüder auf der Matte
und schauen mich finster an. Wahrscheinlich halten sie mich fuer einen
dieser krassen Kiffer, welche in der Einsamkeit der Wüste Erleuchtung
suchen und dazu jede Menge Grass benötigen. Ich spiele den verwirrten
Verirrten und schon bald entspannt sich die Lage.
Am nächsten Morgen hört der Feldweg vollends auf zu existieren.
Zufällig getroffene Beduinen erklären mir den Weg und für
die nächsten vier Stunden schiebe ich mein Rad zum Teil fluchend
über einen steinigen Trampelpfad, welcher plötzlich mit einen
500m Abhang endet. Ich geniesse die Aussicht auf die seltsame Wüstenlandschaft
und mache mich dann an den Abstieg. Der Downhill ist von der gröberen
Sorte und ich bin froh, dass Aendu nicht mehr dabei ist, sein „(G)oldi“
wäre dabei vermutlich zu Staub zerfallen.
In Katherine treffe ich Peter, den fliegenden Holänder, wieder
und zusammen besteigen wir den Mt. Sinai, auf dessen Gipfel Moses die
zehn Gebote empfangen haben soll. Es ist später Nachmittag, die
Kioskbesitzer und Kameltreiber, welche wir auf dem Weg nach oben treffen,
versuchen ihr letztes Geschäft zu landen und mit dem Sonnenuntergang
erreichen wir die Kappelle auf dem Gipfel. Ein schöner und mystischer
Ort. Wie ging das gleich nochmal? Du sollst nicht töten? Nicht
lügen? Deinen Nächsten lieben wie dich selbst? Hier oben scheint
mir das alles möglich, ja sogar natürlich. Aber unten? Die
Sonne ist verschwunden, Himmel und Erde trennt ein feuriges Band. Wir
begeben uns an den Abstieg.
In Dahab (von diesem Ort habe ich bereits im Sudan erfahren, dass das
Bier nur einen Dollar kosten soll) treffen wir uns mit Sandra wieder,
welche uns von Kairo aus besuchen kommt. Wir treffen noch weitere gute
Leute und zusammen wird gelacht, gefuttert und reichlich die „ein-Dollar-Bierchen“
komsummiert und natürlich Schischa geraucht. Es sind ein paar erholsame
Tage am roten Meer. Die einzige sportliche Aktivität bildet das
Schnorcheln. Das türkisblaue Wasser ist klar wie Luft und so schwimme
oder fliege ich über bizarre Korallengärten und um mich herum
fliegen Fische, einer prächtiger als der andere.
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