Sightseeing bei den Haschemiten
(Aqaba – Jerash, Jordanien im Juni 2004)

Stefan Schilli


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Morgens um ein Uhr dürfen wir offiziell in Jordanien einreisen. Mein seit Aethiopien nur noch "temporärer" Pass wurde von der Immigration nicht anerkannt und es waren zwei Stunden hitzige Diskussionen, Drohungen und Rezitieren aus dem Koran noetig (Peter übernahm das), bis man mir schliesslich doch noch grünes Licht gab. Bei der anschliessenden Runde "Chai" beruhigten sich die Gemüter und wir wurden im Haschemitischen Königreich von Jordanien willkommen geheissen.
Die jordanischen Städte sind mit unzähligen Plakaten von König Abdallah und seinem verstorbenen Vater König Hussein geschmückt. Der junge Landesführer grinst einem von Spitälern, Kreuzungen, Banken, Tankstellen entgegen, die langsam vergilbenden Plakate seines Vaters verdrängend. Dabei ist Abdallah in allen erdenklichen und meist sinnlos ueberdekorierten Uniformen (sie erinnern mich an diejenigen von Idi Amin) zu sehen, mal als Leiter der Marine, dann wieder als Kampfjetpilot, zum Teil zeigen ihn die Bilder aber auch als "simplen" Geschäftsmann oder mit seiner reizenden Frau. Mein Favorit ist ein einfaches Foto zusammen mit seinem Vater, beide sehen ungestellt glücklich aus. Seit dem Golfkrieg ist der König ein wenig unter Druck geraten, weil die Amerikaner von Jordanien aus operieren durften, währenddem sich Abdallah in der Oeffentlichkeit gegen den Krieg stellte. Die Jordanier, welche ich getroffen habe, sind freundliche Leute, Gespräche mit ihnen können relativ offen geführt werden, oft sprechen sie ein wenig Englisch. Es fällt auf, dass Jordanien eine gute Infrastruktur besitzt und einen ordentlich geplanten Eindruck macht – das war in Aegypten vielerorts nicht der Fall...
Die Tour durch Jordanien gestaltet sich wie ein Sightseeing-Trip, auf kleinem Raum hat dieses Land unglaublich viel zu bieten. Spektakuläre Landschaften wechseln sich mit beeindruckenden Zeugnissen vergangener Tage ab. Im Wadi Rum bestaunen wir Granitformationen, welche sich wie Geschwüre aus der flachen rötlichen Sandwüste erheben. Die unförmigen, bis zu 700m aufragenden Kuppeln werden von tiefen, gelegentlich nur wenigen Metern breiten Canyons durchschnitten, ein Eldorado für Sportkletterer. In diesen Schluchten, im Herzen der Berge, links und rechts steil aufragende Felswände, grotesk und unförmig, wandere ich umher, überlege ob ich so etwas schon mal gesehen habe und als einzig Vergleichbares kommt mir Gaudi's Sagrada Familia in den Sinn. Abends schauen wir zu wie die Berge mit der untergehenden Sonne die Farbe wechseln: zuerst ocker, dann orange, leuchtend rot und schliesslich braun und dann alt und grau im Mondschein.
Die Königsstrasse schlängelt sich entlang einer Hügelkette nach Norden. Die Landschaft ist karg, dennoch werden verschiedene Sorten Trockengetreide angebaut. Die Beduinen leben in länglichen Zelten aus einem starken braunen Stoff (von der Form her wie Partyzelte). Es stehen immer nur ein paar Zelte zusammen an einem Ort und wirken daher etwas verloren. Schwarz vermummte Frauen hüten die Ziegen und Schafe, wärenddem die Männer, mit rot- oder schwarzkariertem Kopftuch und langem Gewand, in ihren Isuzu-Pickups irgendwelche Geschäfte erledigen.
Als nächstes kommt Petra, vor rund 2300 Jahren die Hauptstadt der Nabatäer. Zuert geht man eine halbe Stunde durch eine tiefe Felsenschlucht um dann direkt am anderen Ende vor einem gewaltigen, in den farigen Fels gehauenen Grabmal zu stehen. Riesige Säulen tragen verzierte Portale, zahlreiche Statuen schmücken die Front, eine Treppe führt hinauf in einen grossen Raum im Innern des Berges, es wurde alles mühsam ausgemeiselt. Der Sandstein aus roten, grauen und blauen Schichten selbst ist schon sehenswert, wie sich die Farben durch die einzelnen Strukturen der Grabtempel fortsetzen lässt sich nicht beschreiben, dass muss man gesehen haben.
Ein Abstecher bringt uns ans Tote Meer. Von 1500m auf minus 400m, was für eine Abfahrt! Dann schwimmen gehen, sich treiben lassen, muss aufpassen, dass ich nicht umkippe im Wasser, ein seltsames Vergnügen. Leider kommt mir ein bischen Wasser in Mund und Augen und der Spass ist vorbei. Am nächten Tag ein langer Anstieg zurück in die Berge. Oben ist die Luft von vielen aromatischen Düften erfüllt, wir fahren durch Olivenhaine und Kiefernwälder. An den Strassen werden Aepfel, Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und Maulbeeren angeboten, es ist Freitag (im Islam wie unser Sonntag) und viele Familien nutzen den freien Tag fuer ein gemütliches Picknick im Schatten eines Baumes direkt an der Strasse - es wird kein Meter zu Fuss zurückgelegt.
An unserem letzten Tag in Jordanien schlendern wir durch eine 2000 Jahre alte Säulenpromenade der römischen Ruinenstadt von Jerash. Die Sonne steht tief und taucht alles in ein sanftes Licht. Die Anlage beeindruckt durch ihre schiere Grösse und verstreut liegen viele Bruchstücke herum. Ich frage mich, ob in der Zukunft auch jemand auf den Trümmern unserer Städte herumspazieren wird.

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22. Juni 2004 - og