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Morgens um ein Uhr dürfen wir offiziell in Jordanien einreisen.
Mein seit Aethiopien nur noch "temporärer" Pass wurde
von der Immigration nicht anerkannt und es waren zwei Stunden hitzige
Diskussionen, Drohungen und Rezitieren aus dem Koran noetig (Peter übernahm
das), bis man mir schliesslich doch noch grünes Licht gab. Bei
der anschliessenden Runde "Chai" beruhigten sich die Gemüter
und wir wurden im Haschemitischen Königreich von Jordanien willkommen
geheissen.
Die jordanischen Städte sind mit unzähligen Plakaten von König
Abdallah und seinem verstorbenen Vater König Hussein geschmückt.
Der junge Landesführer grinst einem von Spitälern, Kreuzungen,
Banken, Tankstellen entgegen, die langsam vergilbenden Plakate seines
Vaters verdrängend. Dabei ist Abdallah in allen erdenklichen und
meist sinnlos ueberdekorierten Uniformen (sie erinnern mich an diejenigen
von Idi Amin) zu sehen, mal als Leiter der Marine, dann wieder als Kampfjetpilot,
zum Teil zeigen ihn die Bilder aber auch als "simplen" Geschäftsmann
oder mit seiner reizenden Frau. Mein Favorit ist ein einfaches Foto
zusammen mit seinem Vater, beide sehen ungestellt glücklich aus.
Seit dem Golfkrieg ist der König ein wenig unter Druck geraten,
weil die Amerikaner von Jordanien aus operieren durften, währenddem
sich Abdallah in der Oeffentlichkeit gegen den Krieg stellte. Die Jordanier,
welche ich getroffen habe, sind freundliche Leute, Gespräche mit
ihnen können relativ offen geführt werden, oft sprechen sie
ein wenig Englisch. Es fällt auf, dass Jordanien eine gute Infrastruktur
besitzt und einen ordentlich geplanten Eindruck macht – das war
in Aegypten vielerorts nicht der Fall...
Die Tour durch Jordanien gestaltet sich wie ein Sightseeing-Trip, auf
kleinem Raum hat dieses Land unglaublich viel zu bieten. Spektakuläre
Landschaften wechseln sich mit beeindruckenden Zeugnissen vergangener
Tage ab. Im Wadi Rum bestaunen wir Granitformationen, welche sich wie
Geschwüre aus der flachen rötlichen Sandwüste erheben.
Die unförmigen, bis zu 700m aufragenden Kuppeln werden von tiefen,
gelegentlich nur wenigen Metern breiten Canyons durchschnitten, ein
Eldorado für Sportkletterer. In diesen Schluchten, im Herzen der
Berge, links und rechts steil aufragende Felswände, grotesk und
unförmig, wandere ich umher, überlege ob ich so etwas schon
mal gesehen habe und als einzig Vergleichbares kommt mir Gaudi's Sagrada
Familia in den Sinn. Abends schauen wir zu wie die Berge mit der untergehenden
Sonne die Farbe wechseln: zuerst ocker, dann orange, leuchtend rot und
schliesslich braun und dann alt und grau im Mondschein.
Die Königsstrasse schlängelt sich entlang einer Hügelkette
nach Norden. Die Landschaft ist karg, dennoch werden verschiedene Sorten
Trockengetreide angebaut. Die Beduinen leben in länglichen Zelten
aus einem starken braunen Stoff (von der Form her wie Partyzelte). Es
stehen immer nur ein paar Zelte zusammen an einem Ort und wirken daher
etwas verloren. Schwarz vermummte Frauen hüten die Ziegen und Schafe,
wärenddem die Männer, mit rot- oder schwarzkariertem Kopftuch
und langem Gewand, in ihren Isuzu-Pickups irgendwelche Geschäfte
erledigen.
Als nächstes kommt Petra, vor rund 2300 Jahren die Hauptstadt der
Nabatäer. Zuert geht man eine halbe Stunde durch eine tiefe Felsenschlucht
um dann direkt am anderen Ende vor einem gewaltigen, in den farigen
Fels gehauenen Grabmal zu stehen. Riesige Säulen tragen verzierte
Portale, zahlreiche Statuen schmücken die Front, eine Treppe führt
hinauf in einen grossen Raum im Innern des Berges, es wurde alles mühsam
ausgemeiselt. Der Sandstein aus roten, grauen und blauen Schichten selbst
ist schon sehenswert, wie sich die Farben durch die einzelnen Strukturen
der Grabtempel fortsetzen lässt sich nicht beschreiben, dass muss
man gesehen haben.
Ein Abstecher bringt uns ans Tote Meer. Von 1500m auf minus 400m, was
für eine Abfahrt! Dann schwimmen gehen, sich treiben lassen, muss
aufpassen, dass ich nicht umkippe im Wasser, ein seltsames Vergnügen.
Leider kommt mir ein bischen Wasser in Mund und Augen und der Spass
ist vorbei. Am nächten Tag ein langer Anstieg zurück in die
Berge. Oben ist die Luft von vielen aromatischen Düften erfüllt,
wir fahren durch Olivenhaine und Kiefernwälder. An den Strassen
werden Aepfel, Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und Maulbeeren angeboten,
es ist Freitag (im Islam wie unser Sonntag) und viele Familien nutzen
den freien Tag fuer ein gemütliches Picknick im Schatten eines
Baumes direkt an der Strasse - es wird kein Meter zu Fuss zurückgelegt.
An unserem letzten Tag in Jordanien schlendern wir durch eine 2000 Jahre
alte Säulenpromenade der römischen Ruinenstadt von Jerash.
Die Sonne steht tief und taucht alles in ein sanftes Licht. Die Anlage
beeindruckt durch ihre schiere Grösse und verstreut liegen viele
Bruchstücke herum. Ich frage mich, ob in der Zukunft auch jemand
auf den Trümmern unserer Städte herumspazieren wird.
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