Fruehstueck mit Cat Stevens
(Damaskus, Syrien im Juni 2004)

Stefan Schilli


home > berichte > 07. 08. 2004 - 2
 

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In Damas ergibt sich auf Grund einer allergischen Reaktion meiner Haut wieder einmal ein laengerer Aufenthalt, und das ist mir ganz recht. Die Stadt, vorallem mein Hotel und einige Plaetze in der Altstadt sind sehr gemuetlich. Das Hotel, ein altes Herrenhaus mit einem wunderbaren, nur mit Weinranken ueberdachten, Innenhof, laedt gerade so zum Lesen und Verweilen ein, zudem ist es hier kuehl und herrlich ruhig.
Wenn man mal ein paar Tage an einem Ort bleibt, gewoehnt man sich an gewisse Lokalitaeten und Ablaeufe und geniesst das Gefuehl, mit etwas verdraut zu sein, das ist Unterwegs, wo oft nur ein Blick zu genuegen hat, nicht der Fall. Hier habe ich mich an den morgendlichen Gang zu Kemel gewoehnt, einem immer gutgelaunten Sudanesen, welcher eine Mini-Teestube in der Naehe meines Hotels unterhaelt, welche aber vorallem als ein Treffpunkt fuer seine Landsmaenner gilt, in einem solchen Fall hallen die Gelaechter lustiger Diskussionen der Schwarzafrikaner durch die ganze Gasse.
Bei Kemel gibts ein einfaches Fruehstueck: Fladenbrot, Marmelade und Kaese, nach Wunsch ein gekochtes Ei und einen starken Nescafe und nach zwei Tagen weis Kemel was ich will. Die paar Kleinigkeiten kauft er dann seinerseits und je nach Auftrag gegenueber der Strasse, bei einem anderen, nicht ganz so kleinen Shop ein und bereitet sie dann zu, im kleinen Stil halt. Danach geniessen wir auf kleinen Hockern direkt am Gassenrand das Morgenessen und kommentieren das Geschehen auf der Gasse und andere, wichtigere Aktualitaeten, oder einfach nur das Wetter. Jeden Morgen gibt ein alter Kassettenspieler Yusuf Islam alias Cat Stevens zum Besten, ein bischen droehnen und ueberschlagen macht da gar nichts, es gehoert einfach dazu. Wenn ich meinen zweiten oder dritten Kaffee bestelle bekomme ich immer die gleiche Antwort: “Yes, why not?” Ja, warum eigentlich nicht noch ein bischen sitzen bleiben.....
Auch sonst laesst es sich in Damas gut leben. Das Essen schmeckt und ist billig, hier kriegt man die besten Shawerma (Doener mit Fladenbrot) ueberhaupt und auch das Baklawa (in Honig getraenktes Blaetterteiggebaeck mit Mandeln oder Pistazien) ist spitze. Selbst Bier findet sich in verschiedenen Kneipen und Hotels der Stadt, vorallem aber im Christlichen Viertel. Ich gehe sehr gerne in die Altstadt, welche hier den Namen auch wirklich verdient - Damas zaehlt zu den aeltesten andauernd bewohnten Staedten der Erde. Alles ist voller Leben, es wird gehandelt und geworben und dann wieder bei einem Tee ausgeruht. Auf den Gassen werden speziell ausgestattete Schubkarren herumgeschoben, hier werden Maiskolben gekocht und wahlweise geroestet, dort am Rand , eher stationaer, wird frischer Brombeersaft zubereitet und ein dritter verkauft das ganze Sortiment an geroesteten Nuessen, Kichererbsen und Kernen, dann haben wir noch den Wagen mit den Suessigkeiten und mittendrin, etwas verloren, ein Typ, welcher ausgestopfte Raubvoegel an den Mann bringt, als Trophaee fuer auf den TV.
Um auszuruhen, gehe ich gerne in die Omayad Moschee. Sie ist gigantisch in ihrem Ausmass und auch sehr alt, in einem Schrein soll sich der Kopf von Abraham “dem Taeufer” befinden. Es gibt einen riesigen, polierten Innenhof (die Mauern und Tuerme der Moschee spiegeln sich darin), welcher bei Islamischen Feiertagen auch zum Beten gebraucht wird, dann versammeln sich 100'000 Glaeubige in der Moschee. An normalen Tagen wird nur die Gebetshalle gebraucht, und die vielleicht hundert Betenden verlieren sich in ihrer Dimension. So bleibt der Innenhof frei fuer andere Aktivitaeten und viele Familien kommen nebst dem Gebet hierher, um sich auszuruhen, ein wenig zu spatzieren und um einmal in Ruhe ein Schwaetzchen zu halten, waehrenddem sich die Kinder austoben und einem Ball oder einer Taube nachjagen.

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24. August 2004 - og