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Auf unserem Weg durch den Westen Syriens treffen wir viele Menschen,
welche uns spontan zu einem Chai (Tee) einladen, oder uns auf andere
Weise behilflich sind. Fahren wir durch ein Dorf, gibt es oft jemanden
der am Tee trinken ist und uns sofort eifrig entgegenwinkt und “Chai!
Chai!” ruft. Einmal machen wir gerade Pause vor den Geschlossenen
Toren eines Magazins, da kommen ein paar Arbeiter auf einem Traktor
herangerauscht und beginnen mit der Zubereitung einer Mahlzeit, wir
werden natuerlich auch gerade eingeladen. Nach dem Essen (Hackfleischsauce
mit viel Zwiebeln, frische Tomaten, Gurken und Fladenbrot) wird Chai
getrunken und ein wenig diskutiert, auch wenn das nur in limitiertem
Umfang mit viel gestikulieren und erraten moeglich ist. Wir koennen
dennoch ueber vieles sprechen, und so streift so ziemlich jedes Gespraech
frueher oder spaeter das Thema Irak und die USA. Die Leute hier sind
gedemuetigt und wuetend und ratlos. Diese Gespraeche werden nie aggressiv,
sondern es ist eher eine lustige Angelegenheit, wenn mir jemand zu erklaeren
versucht, was er von Bush haelt, uebrigens schneidet Blair nicht besser
ab und Sharon schon gar nicht. Es ist nicht einfach, auf der einen Seite
der Krieg in Israel, auf der anderen der Krieg in Irak.
Ein anderes mal haben wir ein Hotel in einem kleinen Staedtchen gefunden
und ich befinde mich gerade auf der Suche nach einem Fernseher, um ein
wichtiges Spiel der Fussball-EM zu sehen. Frei nach Murphy gibts gerade
in diesem Kaff keinen Fernseher mit Fussball. In einem Shop frage ich,
ob es denn nicht moeglich sei das Spiel zu sehen. Der Verkaeufer nimmt
das Telephon in die Hand und ich denke schon “oje”, wieder
einmal nicht durchgedrungen. Aber gleich darauf drueckt er mir das Phone
ans Ohr und bedeutet mir zu sprechen. Keine Ahnung Mann; ich sage also
einfach was ich will.... und der andere sagt: “no problem!”.
Zwei Minuten spaeter sitze ich auf dem Motorrad des Verkaeufers und
wir rasen durch die dunklen Gassen. Kurz darauf sitze ich in einer guten
Stube und stelle mich und mein Anliegen vor und schon schaue ich zusammen
mit einer fremden Familie das Fussballspiel und wir alle trinken Chai,
was denn sonst?
Aleppo ist eine weitere, uralte und interessante Stadt in Syrien, die
Altstaadt, welche durch ein Fort ueberragt wird, finde ich sogar besser
als diejenige von Damaskus. Hier hat man die engen Gaesschen voll von
Marktstaenden und werbenden Verkauefern. Zur Erholung gehen wir ins
“Hamam”, in das Tuerkische Bad. Dort gibts Sauna, Abschruppen
und Massage und auch einen neuen Hautbazillus, Danke schoen!
Wir befinden uns auf den letzten Metern in Syrien und verprasseln gerade
das letzte syrische Geld mit einem Falafel-Sandwich (fritierter Kichererbsenbrei),
da kommt ploetzlich ein Wandersmann des Weges, ein 65 jaehriger Franzose,
welcher sich auf einem Pilgermarsch vom Westen Frankreichs zur heiligen
Stadt befindet. Ich denke schon “nicht schlecht Opi...”,
als er uns erzaehlt, dass er jeden Tag an die 40km geht, sage ich nichts
mehr. Dieser alte Franzose soll mir ein Vorbild fuers Alter sein.
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