Chai!
(Damaskus – Aleppo, Syrien im Juni 2004)

Stefan Schilli


home > berichte > 07. 08. 2004 - 3
 

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Auf unserem Weg durch den Westen Syriens treffen wir viele Menschen, welche uns spontan zu einem Chai (Tee) einladen, oder uns auf andere Weise behilflich sind. Fahren wir durch ein Dorf, gibt es oft jemanden der am Tee trinken ist und uns sofort eifrig entgegenwinkt und “Chai! Chai!” ruft. Einmal machen wir gerade Pause vor den Geschlossenen Toren eines Magazins, da kommen ein paar Arbeiter auf einem Traktor herangerauscht und beginnen mit der Zubereitung einer Mahlzeit, wir werden natuerlich auch gerade eingeladen. Nach dem Essen (Hackfleischsauce mit viel Zwiebeln, frische Tomaten, Gurken und Fladenbrot) wird Chai getrunken und ein wenig diskutiert, auch wenn das nur in limitiertem Umfang mit viel gestikulieren und erraten moeglich ist. Wir koennen dennoch ueber vieles sprechen, und so streift so ziemlich jedes Gespraech frueher oder spaeter das Thema Irak und die USA. Die Leute hier sind gedemuetigt und wuetend und ratlos. Diese Gespraeche werden nie aggressiv, sondern es ist eher eine lustige Angelegenheit, wenn mir jemand zu erklaeren versucht, was er von Bush haelt, uebrigens schneidet Blair nicht besser ab und Sharon schon gar nicht. Es ist nicht einfach, auf der einen Seite der Krieg in Israel, auf der anderen der Krieg in Irak.
Ein anderes mal haben wir ein Hotel in einem kleinen Staedtchen gefunden und ich befinde mich gerade auf der Suche nach einem Fernseher, um ein wichtiges Spiel der Fussball-EM zu sehen. Frei nach Murphy gibts gerade in diesem Kaff keinen Fernseher mit Fussball. In einem Shop frage ich, ob es denn nicht moeglich sei das Spiel zu sehen. Der Verkaeufer nimmt das Telephon in die Hand und ich denke schon “oje”, wieder einmal nicht durchgedrungen. Aber gleich darauf drueckt er mir das Phone ans Ohr und bedeutet mir zu sprechen. Keine Ahnung Mann; ich sage also einfach was ich will.... und der andere sagt: “no problem!”. Zwei Minuten spaeter sitze ich auf dem Motorrad des Verkaeufers und wir rasen durch die dunklen Gassen. Kurz darauf sitze ich in einer guten Stube und stelle mich und mein Anliegen vor und schon schaue ich zusammen mit einer fremden Familie das Fussballspiel und wir alle trinken Chai, was denn sonst?
Aleppo ist eine weitere, uralte und interessante Stadt in Syrien, die Altstaadt, welche durch ein Fort ueberragt wird, finde ich sogar besser als diejenige von Damaskus. Hier hat man die engen Gaesschen voll von Marktstaenden und werbenden Verkauefern. Zur Erholung gehen wir ins “Hamam”, in das Tuerkische Bad. Dort gibts Sauna, Abschruppen und Massage und auch einen neuen Hautbazillus, Danke schoen!
Wir befinden uns auf den letzten Metern in Syrien und verprasseln gerade das letzte syrische Geld mit einem Falafel-Sandwich (fritierter Kichererbsenbrei), da kommt ploetzlich ein Wandersmann des Weges, ein 65 jaehriger Franzose, welcher sich auf einem Pilgermarsch vom Westen Frankreichs zur heiligen Stadt befindet. Ich denke schon “nicht schlecht Opi...”, als er uns erzaehlt, dass er jeden Tag an die 40km geht, sage ich nichts mehr. Dieser alte Franzose soll mir ein Vorbild fuers Alter sein.

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24. August 2004 - og