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Nach den heissen Tagen in Syrien und an der türkischen Mittelmeerküste,
wo einzig ein kühles Bad für etwas Erfrischung gesorgt hat,
geht es nun in die Berge, das letzte Mal war das in der Sinai der Fall,
in Jordanien hingegen gab es nur hohe Hügel. Es fällt mir
auf, als ich durch die morgendliche Frische eines herrlichen Laubwaldes
radle - das Rauschen eines Baches, das Zwitschern der Vögel und
das beruhigende grünliche Licht der durch die jungen Blätter
scheinden Sonne - dieser Ort ist voller Kraft und Leben, Kreation und
nicht Verderben, er verleiht mir Energie und das Gefühl zuhause
zu sein. Langsam gewinne ich an Höhe, die Strasse folgt verschiedenen
Tälern, dazwischen windet sie sich Steilhänge hoch. Etliche
Meter weiter oben spenden mir Kiefernwälder Schatten und würzige
Luft zum Atmen.Von Zeit zu Zeit tauchen kleine Ortschaften auf, hier
werden frische Waren feilgeboten; es gibt Kirschen, Pflaumen, Aprikosen
und vieles mehr. Entlang der Strasse, viele kleine Brunnen mit klarem
Wasser, das türkische Pendant zu den arabischen Tonkrügen.
Kleine Lokantas (Beizchen) mit einer Veranda im Schatten der Bäume,
bieten frisch gegrillte Spiesschen oder eine Forelle, dazu einen Salat
sowie Fladenbrot. Bei einer Autoreise in der Türkei gehören
solche Zwischenverpflegungen am Strassenrand einfach dazu und auch mir
versüssen sie die langen und harten Aufstiege.
Zu meinem eigenen Erstaunen muss ich mittlerweilen feststellen, dass
ich mich lieber über Berge kämpfe, als durch weite Ebenen
zu radeln. Berge bedeuten Abwechslung, stetes Auf und Ab, dazu die Richtungswechsel,
Sonne oder Wind einmal im Gesicht und dann wieder im Rücken. Distanzen
werden abschätzbar, Zurückgelegtes überschaubar, nach
einem mühsamen Aufstieg folgt eine rasante Abfahrt. Es ist Knochenarbeit;
in den Bergen macht es so richtig Spass wenn man fit ist, andernfalls
treibt es einem fast in den Wahnsinn. Doch die klare Luft, die prallen
Farben, die plastische Umgebung und von Zuoberst dann die herrliche
Aussicht auf eine “Tagesarbeit”, das alles verleiht mir
zuweilen Flügel.
Nach vier Tagen Höhenluft fahre ich in Kappadokien ein. Für
Natur- sowie Kulturliebhaber eine interessante Gegend, auch wenn touristisch
zum Teil ein wenig überstrapaziert, schön und beeindruckend
ist sie allemal. Zum einen hat die Natur hier, während tausenden
von Jahren, aus dem weichen vulkanischen Tuffgestein eine einzigartig
obskure Errosionslandschaft geschaffen. Seltsame Felszinnen, bis 20
Meter hoch, stehen einzeln oder in Gruppen, ihre Form reicht von fast
perfekten Kegeln bis zu Pilzen, unteranderem werden sie fairy chimneys
oder halt Feenkamine genannt.Was nun noch dazukommt zur ganzen Pracht
sind nicht etwa die sieben Zwerge, sondern die Kappadokier, welche hier
vor vielen Jahrhunderten Felswohnungen in diese faszinierenden Strukturen
gebuddelt und gemeisselt haben. So besitzen die meisten Felskegel und
Türme, aber auch einfache Felswände, viele Fensterchen und
auch einige Türen. Neben Wohnungen wurden auch Kirchen und Klosteranlagen
in den Fels gehauen. Bei Göreme sind ein paar dieser Höhlenkirchen
mit wunderschönen und gut erhaltenen Freskenmalereien ausgeschmückt.
Um das ganze Gebiet mit all seinen Schätzen zu erkunden, braucht
man schon ein paar Tage, mit dem Velo geht das übrigens prima.
Und mit ein wenig Glück wird man, wie ich zum Beispiel, noch von
einem wütenden, kamerascheuen Kamel durch die Felszinnen gejagt;
und das bei meiner Wüstenerfahrung, tststs....
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