Ueber die sieben Berge zu den sieben Zwergen...
(Aleppo – Ankara, Türkei im Juli 2004)

Stefan Schilli


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Nach den heissen Tagen in Syrien und an der türkischen Mittelmeerküste, wo einzig ein kühles Bad für etwas Erfrischung gesorgt hat, geht es nun in die Berge, das letzte Mal war das in der Sinai der Fall, in Jordanien hingegen gab es nur hohe Hügel. Es fällt mir auf, als ich durch die morgendliche Frische eines herrlichen Laubwaldes radle - das Rauschen eines Baches, das Zwitschern der Vögel und das beruhigende grünliche Licht der durch die jungen Blätter scheinden Sonne - dieser Ort ist voller Kraft und Leben, Kreation und nicht Verderben, er verleiht mir Energie und das Gefühl zuhause zu sein. Langsam gewinne ich an Höhe, die Strasse folgt verschiedenen Tälern, dazwischen windet sie sich Steilhänge hoch. Etliche Meter weiter oben spenden mir Kiefernwälder Schatten und würzige Luft zum Atmen.Von Zeit zu Zeit tauchen kleine Ortschaften auf, hier werden frische Waren feilgeboten; es gibt Kirschen, Pflaumen, Aprikosen und vieles mehr. Entlang der Strasse, viele kleine Brunnen mit klarem Wasser, das türkische Pendant zu den arabischen Tonkrügen. Kleine Lokantas (Beizchen) mit einer Veranda im Schatten der Bäume, bieten frisch gegrillte Spiesschen oder eine Forelle, dazu einen Salat sowie Fladenbrot. Bei einer Autoreise in der Türkei gehören solche Zwischenverpflegungen am Strassenrand einfach dazu und auch mir versüssen sie die langen und harten Aufstiege.
Zu meinem eigenen Erstaunen muss ich mittlerweilen feststellen, dass ich mich lieber über Berge kämpfe, als durch weite Ebenen zu radeln. Berge bedeuten Abwechslung, stetes Auf und Ab, dazu die Richtungswechsel, Sonne oder Wind einmal im Gesicht und dann wieder im Rücken. Distanzen werden abschätzbar, Zurückgelegtes überschaubar, nach einem mühsamen Aufstieg folgt eine rasante Abfahrt. Es ist Knochenarbeit; in den Bergen macht es so richtig Spass wenn man fit ist, andernfalls treibt es einem fast in den Wahnsinn. Doch die klare Luft, die prallen Farben, die plastische Umgebung und von Zuoberst dann die herrliche Aussicht auf eine “Tagesarbeit”, das alles verleiht mir zuweilen Flügel.
Nach vier Tagen Höhenluft fahre ich in Kappadokien ein. Für Natur- sowie Kulturliebhaber eine interessante Gegend, auch wenn touristisch zum Teil ein wenig überstrapaziert, schön und beeindruckend ist sie allemal. Zum einen hat die Natur hier, während tausenden von Jahren, aus dem weichen vulkanischen Tuffgestein eine einzigartig obskure Errosionslandschaft geschaffen. Seltsame Felszinnen, bis 20 Meter hoch, stehen einzeln oder in Gruppen, ihre Form reicht von fast perfekten Kegeln bis zu Pilzen, unteranderem werden sie fairy chimneys oder halt Feenkamine genannt.Was nun noch dazukommt zur ganzen Pracht sind nicht etwa die sieben Zwerge, sondern die Kappadokier, welche hier vor vielen Jahrhunderten Felswohnungen in diese faszinierenden Strukturen gebuddelt und gemeisselt haben. So besitzen die meisten Felskegel und Türme, aber auch einfache Felswände, viele Fensterchen und auch einige Türen. Neben Wohnungen wurden auch Kirchen und Klosteranlagen in den Fels gehauen. Bei Göreme sind ein paar dieser Höhlenkirchen mit wunderschönen und gut erhaltenen Freskenmalereien ausgeschmückt. Um das ganze Gebiet mit all seinen Schätzen zu erkunden, braucht man schon ein paar Tage, mit dem Velo geht das übrigens prima. Und mit ein wenig Glück wird man, wie ich zum Beispiel, noch von einem wütenden, kamerascheuen Kamel durch die Felszinnen gejagt; und das bei meiner Wüstenerfahrung, tststs....

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17. September 2004 - og