Durch den Osten
(Ankara - Kars - Rize, Türkei im Juli 2004)

Stefan Schilli


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Besuch aus der Schweiz. Rönz, der alte Knochen, hat während seinem ersten Jahr an der technisch kaufmännischen Schule das eine oder andere Kilo Speck angesetzt und will diese nun wieder wegstrampeln. Mit dem obligaten Döner und fehlendem Bier (gibts keines im Ankara Flughafen)hole ich ihn ab. Es gibt natürlich viel zu erzählen und auch ein oder zwei Bierchen zu trinken, ach immer dieser negative Einfluss.... Nächster Tag: 14 stündige Busfahrt nach Erzurum im Osten der Türkei. Im luxuriösen Reisebus spüre ich schon bald meinen Hintern, das war bei den harten Sitzen in Afrika nie der Fall. Dann endlich auf dem Fahrrad, die erste Steigung ist länger und steiler als geplant (scheiss Touristenkarte) und stellt sich dann als eintägiger Anstieg zu einem 3000 Meter hohen Pass heraus. Oben angekommen sieht René nicht mehr ganz so frisch aus. Doch der anschliessende Downhill baut uns wieder auf.
Kahle Hügel, weite Täler, oben ziehen sich Schneefelder entlang der Kuppen, weiter unten fliessen träge, dunkle Gewässer durch üpiges Gras- und Buschland. Eine gemütliche und entspannende Landschaft, zudem wenig Verkehr und nur ab und zu eine Ortschaft. Es sind vorwiegend einfache Häuschen, zum Teil mit Grasdach, Gehege für Ziegen und Schafe, Gänse marschieren über die steinige Strasse, hier weidet eine Kuh und dort ist ein Pferd angepflockt und schüttelt gelangweilt den Kopf, sehr idyllisch halt. Vor jedem Haus wird eine Art Torf (oder ist es etwa Kuhmist?) getrocknet und dann zu kleinen Pyramiden gestappelt, Brennmaterial für die langen und harten Winter. Es ist die Zeit um das Gras zu schneiden, überall in den Hügeln sind die Männer mit ihren Sensen am Arbeiten, oft auch am Pausieren und Tee trinken. Wo es flach genug ist, wird mit Pferd und entsprechender Maschinerie das Gras gewendet. Unsere Tour kommt mir, wie eine Reise in die ländliche Schweiz vergangener Tage, vor.
Im Osten wird langsam der Mt. Ararat sichtbar, majestätisch erhebt er sich aus der weiten Grassteppe, sein weisser Gipfel meist von Wolken verhüllt. Die sonst sehr netten Türken sind hier ein wenig anstrengend und aus Kinderhand fliegt der eine oder andere Stein. Bizzare Landschaftsformen und Farben vulkanischen Ursprungs, wechseln sich mit saftigen, leuchtend grünen Wiesen und sanften Hügelketten ab. Eines Abends campieren wir am Ufer eines Sees nahe der armenischen Grenze. Schwere graue Woken hängen über uns, es sieht nach Regen aus. Ganz am Horizont findet die Sonne eine freie Spalte und taucht die düstere Umgebung in ein künstliches Licht und der zuvor beinahe schwarze See erscheint nun in türkisblau-rosarot. Das Schauspiel ist bald vorbei, die dunklen Wolken jedoch noch da, doch mit viel Glück bleiben wir trocken. Von Ardahan nach Hopa, durch das Küstengebirge runter zum Schwarzen Meer, nehmen wir den Bus. Diese Entscheidung bereuen wir beide, denn die Strasse fällt stetig, von 2500m.ü.M. rasen wir runter, durch die Wolkendecke tauchen plötzlich steile Tannenwälder, schroffe Felswände, Alpweiden und das eine oder andere Chalet auf - es ist wie aus einem Traum zu erwachen und wieder zuhause zu sein. Beinahe fliegend geht die Fahrt weiter und nach ein paar Stunden sind wir unten an der Küste. René verabschiedet sich am nächsten Tag mit akkutem Durchfall, auf einen letzten gemeinsamen Döner verzichtet er aber deshalb noch lange nicht. Guter Mann!

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17. September 2004 - og