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Besuch aus der Schweiz. Rönz, der alte Knochen, hat während
seinem ersten Jahr an der technisch kaufmännischen Schule das eine
oder andere Kilo Speck angesetzt und will diese nun wieder wegstrampeln.
Mit dem obligaten Döner und fehlendem Bier (gibts keines im Ankara
Flughafen)hole ich ihn ab. Es gibt natürlich viel zu erzählen
und auch ein oder zwei Bierchen zu trinken, ach immer dieser negative
Einfluss.... Nächster Tag: 14 stündige Busfahrt nach Erzurum
im Osten der Türkei. Im luxuriösen Reisebus spüre ich
schon bald meinen Hintern, das war bei den harten Sitzen in Afrika nie
der Fall. Dann endlich auf dem Fahrrad, die erste Steigung ist länger
und steiler als geplant (scheiss Touristenkarte) und stellt sich dann
als eintägiger Anstieg zu einem 3000 Meter hohen Pass heraus. Oben
angekommen sieht René nicht mehr ganz so frisch aus. Doch der
anschliessende Downhill baut uns wieder auf.
Kahle Hügel, weite Täler, oben ziehen sich Schneefelder entlang
der Kuppen, weiter unten fliessen träge, dunkle Gewässer durch
üpiges Gras- und Buschland. Eine gemütliche und entspannende
Landschaft, zudem wenig Verkehr und nur ab und zu eine Ortschaft. Es
sind vorwiegend einfache Häuschen, zum Teil mit Grasdach, Gehege
für Ziegen und Schafe, Gänse marschieren über die steinige
Strasse, hier weidet eine Kuh und dort ist ein Pferd angepflockt und
schüttelt gelangweilt den Kopf, sehr idyllisch halt. Vor jedem
Haus wird eine Art Torf (oder ist es etwa Kuhmist?) getrocknet und dann
zu kleinen Pyramiden gestappelt, Brennmaterial für die langen und
harten Winter. Es ist die Zeit um das Gras zu schneiden, überall
in den Hügeln sind die Männer mit ihren Sensen am Arbeiten,
oft auch am Pausieren und Tee trinken. Wo es flach genug ist, wird mit
Pferd und entsprechender Maschinerie das Gras gewendet. Unsere Tour
kommt mir, wie eine Reise in die ländliche Schweiz vergangener
Tage, vor.
Im Osten wird langsam der Mt. Ararat sichtbar, majestätisch erhebt
er sich aus der weiten Grassteppe, sein weisser Gipfel meist von Wolken
verhüllt. Die sonst sehr netten Türken sind hier ein wenig
anstrengend und aus Kinderhand fliegt der eine oder andere Stein. Bizzare
Landschaftsformen und Farben vulkanischen Ursprungs, wechseln sich mit
saftigen, leuchtend grünen Wiesen und sanften Hügelketten
ab. Eines Abends campieren wir am Ufer eines Sees nahe der armenischen
Grenze. Schwere graue Woken hängen über uns, es sieht nach
Regen aus. Ganz am Horizont findet die Sonne eine freie Spalte und taucht
die düstere Umgebung in ein künstliches Licht und der zuvor
beinahe schwarze See erscheint nun in türkisblau-rosarot. Das Schauspiel
ist bald vorbei, die dunklen Wolken jedoch noch da, doch mit viel Glück
bleiben wir trocken. Von Ardahan nach Hopa, durch das Küstengebirge
runter zum Schwarzen Meer, nehmen wir den Bus. Diese Entscheidung bereuen
wir beide, denn die Strasse fällt stetig, von 2500m.ü.M. rasen
wir runter, durch die Wolkendecke tauchen plötzlich steile Tannenwälder,
schroffe Felswände, Alpweiden und das eine oder andere Chalet auf
- es ist wie aus einem Traum zu erwachen und wieder zuhause zu sein.
Beinahe fliegend geht die Fahrt weiter und nach ein paar Stunden sind
wir unten an der Küste. René verabschiedet sich am nächsten
Tag mit akkutem Durchfall, auf einen letzten gemeinsamen Döner
verzichtet er aber deshalb noch lange nicht. Guter Mann!
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