Türk Traktör
(Türkei im Juli 2004)

Stefan Schilli


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Etwas ist anders; nicht nur, dass ich ein weiteres Mal kein Wort mehr verstehe, neben der Sprache ist auch das besondere arabische Flair verschwunden, seit kurzem habe ich das Gefühl, zurück in Europa zu sein. Die exotische Komponente, in Afrika so überwältigend allgegenwärtig, hat sich durch den arabischen Raum fortgesetzt und droht nun zur europäischen Norm zu verkommen. Hier ist noch nicht die Schweiz, doch macht sich nun das Gefühl breit, dass die Reise zurück in den Alltag begonnen hat. Unterwegs wundere ich mich oft, auf welch spezielle, zum Teil recht witzige, aber meistens mit fast peinlicher logischen Einfachheit, Arbeiten erledigt und Mittel zum Zweck verwendet werden. “Peinlich”, weil selbst noch nie darauf gekommen. War dies in Afrika zu Beginn der Reise fast jeden Augenblick der Fall, kommt es nun nur noch selten vor und wenn ich mich über nichts mehr wirklich zu wundern brauche, bin ich zuhause. So weit sind wir aber noch lange nicht, die Türkei hat viel unbekanntes und interessantes zu bieten.
Was ich nicht erwartet hätte, ist die massive Militärpräsenz; fast in jeder Ortschaft gibt es ein gesperrtes Militärgebiet oder eine Kaserne, nur in Aegypten war das noch auffallender. Das Militär hier macht dem Reisenden aber keine Probleme. Ueberhaupt sind die TürkInnen sehr nett und hilfsbereit, ziemlich oft werde ich spontan mit einem “Hallo, wie geht es?” empfangen, viele Männer haben ein paar Jahre in Deutschland gearbeitet und sind dann mit gutem Geld heimgekehrt. Aber das Lohne sich heute wegen der hohen Steuern nicht mehr, erklärt man mir. Grinsend erwähnen sie, dass Deutsch nicht ihre Stärke sei, für ein paar obszöne Ausdrücke und ein “Nix verstehen” reicht es dann doch noch. Kulinarisch finde ich die Türkei echt Spitze, auch wenn ich mich nicht gerade vorbildlich ernähre. Zu gut sind Döner Kebab (Lammfleisch Sandwich), Shish Tavuk (Hühnerspiesschen), Köfte (Fleischbälle), Pide (Käse- oder Hackfleischpizza) und Co. Super praktisch finde ich die Lokantas, kleine kantinenmässige Beizchen entlang der Strasse, wo ein entkräfteter Biker eine zünftige, bodenständige Gersten- oder Linsensuppe serviert kriegt.
Die Türken und ihr Auto, das ist nicht nur in der Schweiz eine besondere Beziehung. Oft gewaschen, gepflegt und mit jedem Schnörkel ausgestattet, man sieht und spürt die Zuneigung des Besitzers. Oft sind auch Taxis oder gar Minibuse bis zum Anschlag getuned. Apropos Fahrzeuge, der Traktor, mit der Aufschrift “Türk Traktör”, war zwar nicht frisiert, grinsen musste ich aber trotzdem, diese vielen Umlaute überall. Nun ratet mal wie man grüsst... Richtig: Salaam aleiküm!
Die Türkei ist vorwiegend ein moslemisches Land, visuell zumindest scheint das so. Fast jedes Dorf wird von einem Minaret überragt und regelmässig vom Gesang des Muezzin erschüttert. Sehr viele Frauen tragen ein Kopftuch, Männer hingegen nur selten einen Bart, sie sind eher Schnauzträger. Dazu kommen nun neu die Symbole einer westlichen Konsumgesellschaft: Werbung, Supermärkte, Mode, Lifestyle, Popmusik usw. Der Mix aus diesen zwei Komponenten finde ich zum Teil ein wenig schwierig, das eine nimmt des anderen Würze.

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17. September 2004 - og