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letzter Bericht
Das hätte ich nun wirklich nicht erwartet: von Sochi bis Anapa,
an der Schwarzmeerküste ist im Sommer die Hölle los. Schätzungsweise
eine halbe Million RussInnen pilgern Jahr für Jahr in den Süden
um ein bischen etwas von Sun und Fun abzukriegen. Ob es sich beim Strand
nun um weissen Sand oder groben Kies handelt spielt dabei keine Rolle.
Hauptsache viele Leute und Action, möglichst einfach erreichbar
- gerade mit Auto und Zelt an den Strand -, das sind die Kriterien für
den Strand der Wahl. Man quartiert sich privat bei einer Familie ein,
welche ein paar komnatas (Zimmer) zu vermieten hat, oder geht ins Sanatorium,
meist riesige, eingezäumte Gelände inklusiv Strandabschnitt
mit Schlafmöglichkeiten, Restaurants, weitläufigen Parks und
jeder Menge Entertainment - das volle Programm.
Am Strand reihen sich für Kilometer die Leute, jung und alt, dick
und dünn, alles schön durcheinander. Man kriegt gar nicht
richtig mit, wo genau eine Stadt aufhört oder das nächste
Dorf anfängt, der Strand ist wie eine alles verbindende Menschenmenge.
Die einzigen Hinweise auf Aglomerationen sind die vermehrt auftretenden
Attraktionen wie gigantische Rutschbahnen, Jetski und Bananenboote,
Pedaloverleih und die kleinen Imbiss- und Bierstände. Die Russen
lassen sich ihren Urlaub gerne mit einem kitschigen Strandfoto verewigen.
Da gibts die gemalten Plakate mit Taucher und Wassernixe oder einem
üppigen Bikinigirl, wo man den Kopf durchstecken kann um abgelichtet
zu werden. Auch beliebt sind die Fotos bei Sonnenuntergang; die zu fotographierende
Person streckt die Handfläche gegen den Himmel, so dass es dann
auf dem Foto aussieht, als hielte sie die Sonne in der Hand. Der absolute
Renner sind aber ein paar schwarze Jungs, welche geschmückt mit
Strohröcklein und Federn, sich für ein paar Rubels mit einer
Person ablichten lassen und diese dann ein echtes “Südsee”-Urlaubsfoto
mit nach Hause nehmen kann.
Ich vermute mal, der Hauptgrund eines russischen Strandurlaubes liegt
darin, braun zu werden. Dazu gehört es selbstverständlich,
dass man zuerst einmal zwei Tage lang rot wie eine Tomate ist, Sonnencrème
scheint nur wenig verbreitet. Danach macht sich Frau und Herr RusseIn
daran, möglichst gleichmässig und überall braun zu werden,
Ich habe das Gefühl, ein String-Badehöschen wird nicht getragen,
weil es sexy ist, sondern ganz einfach nur der Bräunung wegen.
Badehosen und Bikinis werden hochgezogen und runtergerollt bis sie gänzlich
nicht mehr zu sehen sind, man kennt da keine Scham und niemand dreht
auch nur den Kopf wenn eine Frau mit fast nichts bedeckt vorübergeht,
ok, fast niemand :-)
Die Sonnenanbeter liegen in den verschiedensten Positionen, mal auf
dem Bauch mit gespreizten Beinen und verdrehten Armen, dann wieder ziemlich
normal auf dem Rücken und natürlich wird, von Zeit zu Zeit,
neu nach der Sonne ausgerichtet. Am Abend ist es am Schönsten.
Um die letzten flachen Sonnenstrahlen auszunutzen, stehen die Leute
auf und schauen gegen die untergehende Sonne. Es ist als hätte
jemand die Zeit angehalten, als wären die Menschen erstarrt. Verstreut
stehen sie herum und alle schauen auf das Meer hinaus. Ich schlendere
durch diesen Menschenwald und geniesse die Ruhe. Eine Woche später;
von Sibirien her weht ein kalter Wind, die ersten Blätter fallen
von den Bäumen, die Srände sind fast leer, viele Shops geschlossen,
die Ferien sind vorbei. Der Strand gehört wieder dem Meer und auch
für mich wird es langsam Zeit.
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