Früh morgens, um 8:14 Uhr sitzen wir samt Pino bereits wieder im Zug nach Košice. Die Fahrt ist angenehm, die Wagen
gekühlt und vereinzelt stellen wir este sprachliche Schwierigkeiten fest. Doch unser redseliger Abteilungsgenosse
schöpfte mit seinen Englischkenntnissen aus dem Vollen - die Verständigung war dennoch lückenhaft.
Je näher wir der Zieldestination kamen, desto schöner und abwechslungsreicher wurde die Landschaft.
Die riesigen Getreidefelder, welche sich in der Ebene bis an den Horizont erstreckten, wurden durch eine sanfte
Hügelkulisse mit Wäldern abgelöst. Die Hügel und Berge des Tatragebirges weckten die innere Unruhe,
sogleich in die Pedale treten zu können. Da wir durch den begrenzten Zeitrahmen von drei Wochen eingeschränkt sind,
wollen wir uns an den von uns gesetzten Fahrplan halten und das Gebiet auf ein ander Mal vertagen.
In Košice angekommen, packen wir unsere Taschen an das blitz-blank glänzende Pino und stürtzen uns ins Getummel der
Stadt. Sogleich können wir uns im Lidel mit gewohnter deutscher Qualität eindecken.
Nach ein paar wirren Schlaufen auf den mehrspurigen Strassen, fanden wir ein sich stolz präsentierendes Zentrum vor,
das zum verweilen einlädt. Beim Durchqueren wurde uns schnell klar, dass wir mit unserem Spezialgefährt
auf reges Interesse stossen und uns erst an die Blicke, Zurufe und sonstigen Gesten gewöhnen müssen.
Mit dem Wichtigsten eingedeckt - vor allem einer guten Strassenkarte im Massstab 1:200'000 - geht es los, Richtung Osten,
Richtung Ukraine. Kaum haben wir das Stadtzentrum hinter uns gelassen, geht es auf viel befahrener Strasse steil den Berg
hinauf, wobei die Mittagssonne unerbittlich auf uns nieder brennt. Beide denken wir stillschweigend das geiche; "hoffentlich geht
das nicht Tag für Tag so weiter, das ist kaum auszuhalten, einfach die falsche Region zum Radfahren ausgewählt".
Das wenige Wasser, das wir für den Abend mit uns führen, neigte sich bereits nach wenigen Kilometern dem Ende zu.
Nach 36 Km berghoch und -runter sind wir erledigt und völlig durchgeschwitzt, von einer geeigneten
Übernachtungsmöglichkeit ist jedoch noch weit und breit nichts auszumachen, zu nahe befinden wir uns noch
an der Stadt Košice. Die Besiedlung ist relaiv dicht und wo keine Hä:user stehen, sich unendliche Getreidemonokulturen
ausdehnen, machen sich Abfallhalden breit.
Kurz vor Herlany (SK) entdecken wir in einem lichten Wald einige Ferienhäuschen, die wir ansteuern, in der Hoffnung jemanden
anzutreffen, den wir um Campiererlaubnis bitten können. Tatsächlich ist in einem der Häuschen
eine ältere Dame anwesend, die uns nach einigem Zögern und sprachlichen Schwierigkeiten auf dem
Flecken Niemandsland zwischen den verschieden Parzellen gewähren lässt. Das Hotel Hilleberg aufgestellt und
eingerichtet, fährt auf dem Grundstück nebenan ein Pärchen mittleren Alters vor, das schon ein wenig
"getankt" hatte und in angeheitertem Zustand reges Interesse an uns zeigte. So wurden wir quasi per sofort verpflichtet,
ihre Dusche und Toilette zu benutzen. Die für unsere Verhältnisse elends warme Nacht war durchzogen von
einer Gruppe singender und grölender Menschen irgendwo in der Nähe, was unser Nachtruhe jedoch
nicht weiter beeinflusste.