Nachdem ihre Nachbarn uns gestern so gastfreundlich aufgenommen hatten, will sich unsere ursprüngliche Gastgeberin
nicht lumpen lassen und lädt uns am nächsten Morgen zum Frühstück ein. Sie spricht einige
Worte Deutsch und erzählt, dass sie früher Mathematiklehrerin war und als Lehrerin sei sie es gewohnt zu
bestimmen. Mit einem Lächeln bestimmt sie dann auch sehr energisch, dass wir nun noch bei ihr zu duschen
hätten. Die kalte Freiluftdusche ist zwar nichts für zimperliche Geister, doch wir stehen beide tapfer unter
den dünnen Wasserstrahl. Damit ist auch die Mathematiklehrerin zufrieden und wir können unsere Sachen
zusammenpacken. Nach einer wortreichen Verabschiedung und etlichen Warnungen vor der "gefärlichen" Ukraine,
nehmen wir unsere Stellung auf dem Pino ein und holpern winkend über die Wiese auf und davon.
Die Landschaft gefällt uns beiden gut. Es sind kleine Landstrassen, die wir befahren, gesäumt von Apfelbäumen,
brach liegenden Feldern und immer wieder ein laubwaldbestockter Hügel. Mit dem Schwung der letzten Talfahrt
durchkreuzen wir kleinere und grössere Ortschaften in den Talsohlen. Schnell haben wir
herausgefunden, dass es wirklich in jedem noch so kleinen Dorf einen Tante-Emma-Laden gibt, dessen mehr oder weniger
kalten Getränke wir bei der brütenden Hitze dringend benötigen.
Am Mittag messen wir 44°C und so wundert es nicht, dass wir bis zum Ende des Tages zusammen über 10 Liter Wasser
irgendwo in unserem Körper versickern liessen.
Genau richtig zur Mittagspause so gegen 13:00 Uhr überquert unsere Strasse den Fluss Ondava und wir sehen ein
schönes Rastplätzchen für unsere Siesta. Allerdings haben wir gerade unsere Brötchen
gegessen und wollen zum Dessert übergehen, als eine Gruppe von ungefähr 10 Romajungs zum Baden eintrifft.
Als sie unser Tandem entdecken ist es vorbei mit der Ruhe und Gemütlichkeit. Florin erklärt mit Händen
und Füssen das Tandem, wobei ein Junge seine zwei englischen Wörter immer wieder voller Stolz in die
Unterhaltung einbringt.
Das Ziel unserer heutigen Fahrt ist die Stadt Snina. Auf unserer Karte ist ein Campingplatz eingezeichnet auf dem wir unser
Zelt aufschlagen wollen.
Snina empfängt uns mit einigen grossen Plattenbauten, einer Menge Industrie und wirkt eher trist.
Auf den Strassen wird gebaut und es hat sehr grosse Lebensmitteldiscounter mit entsprechenden Parkplatzflächen
davor. Auf der Suche nach dem Zeltplatz fahren wir schon fast wieder aus der Stadt heraus und sind unsicher, ob wir auf
dem richtigen Weg sind. Da kommt auch schon ein Slowake auf seinem Rennrad angefahren und hält neben uns an.
Er kennt den Campingplatz und lozt uns auf einen kleinen Hügel neben der Stadt. Diese freundliche Art uns
als Navigator zur Hilfe zu kommen, wenn wir gerade mal wieder die Karte an einer Strassenecke studieren, wird uns
noch während der ganzen Reise begegnen.
Der Campingplatz ist gemütlich und gut eingerichtet. Es gibt verhältnismässig saubere Sanitäre
Anlagen und warmes Wasser. Über die 100 slowakischen Kronen (± 3 €) pro Nacht, die wir für
uns und unser Zelt zahlen, kann man wirklich nicht meckern. Ausserdem ist etwa 500 Meter entfernt der Eingang in
ein Naturschutzgebiet mit Badesee.